Verschwörungstheorie

28. November 2011 14:38; Akt: 28.11.2011 14:48 Print

Komplott-​​Verdacht wühlt Frankreich auf

Ein Enthüllungsreporter behauptet, Dominique Strauss-Kahn sei Opfer einer Verschwörung geworden. Sarkozys Partei reagiert auffallend nervös.

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Die Reaktionen kamen schneller als erwartet. Kaum war der Enthüllungsbericht erschienen, kaum waren die Anschuldigungen ausgesprochen, da meldeten sich schon die ersten Betroffenen zu Wort. «Pure Fantasterei», behaupteten Spitzenpolitiker der UMP unisono und wiesen alle Vorwürfe zurück. Doch die Konsequenzen des Artikels dürften sich nächstens in Zahlen niederschlagen: Stiegen in den letzten Wochen die Popularitätswerte von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erstmals seit zwei Jahren, könnte diese Tendenz bald wieder kippen.

Denn im Fall DSK soll alles anders sein, als bisher angenommen. Das behauptet zumindest der US-Journalist Edward Epstein in einem Artikel, der am Samstag im Wochenblatt «New York Review of Books» erschienen ist. Epstein, der in seiner Heimat seit Jahren für seine brisanten Enthüllungsreportagen bekannt ist, veröffentlichte neue Details zur Zimmermädchen-Affäre, die vor sieben Monaten Dominique Strauss-Kahns politisches Ende besiegelte.

Wo ist DSKs Blackberry?

In seinem Bericht behauptet der Journalist, eine Freundin des ehemaligen IWF-Chefs habe ihn am Morgen seiner Festnahme davor gewarnt, dass sein Blackberry gehackt worden sei. Die Frau, die im Hauptquartier der Partei des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy arbeitete, gab an, eine private SMS von Strauss-Kahn sei im Parteibüro aufgetaucht.

Epstein untersuchte das mysteriöse Verschwinden des Handys – das bis heute nicht aufgetaucht ist. Strauss-Kahn meldete kurz nach seiner Abreise, er habe sein Telefon verlegt – doch die GPS-Funktion des Geräts soll 40 Minuten nach der angeblichen Vergewaltigung im New Yorker Sofitel ausgeschaltet worden sein.

Das rätselhafte Zimmer 2820

Der Artikel befasst sich zudem mit den Aufnahmen der Überwachungskamera im Hotel. Das mutmassliche Opfer, das Zimmermädchen Nafissatou Diallo, soll insgesamt nur sechs Minuten in DSKs Suite 2806 gewesen sein. Vor und nach der Tat habe sie Zimmer 2820 aufgesucht. Besonders brisant: Epstein will herausgefunden haben, dass der Gast im benachbarten Zimmer Kontakt zum Sicherheitschef des Hotels, John Sheehan, hatte. Epstein fand auch eine Spur, die von Sheehan zu UMP-Mitgliedern führt.

In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP sagte Epstein am Sonntag, er sei davon überzeugt, dass jemand versucht habe, Dominique Strauss-Kahns Kandidatur für die französischen Präsidentschaftswahlen zu Fall zu bringen. Strauss-Kahns Anwalt William Taylor sagte, sein Mandant könnte durchaus das «Ziel bewusster Bemühungen» gewesen sein, man wolle ihn «als politische Kraft zerstören».

Anhänger des früheren IWF-Chefs, die Unterstützergruppe «Club DSK», haben nun die französischen Behörden zur Untersuchung der jüngsten Vorwürfe gegen die Regierungspartei UMP aufgefordert.

(L'essentiel online/kle )

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