800.000 Demonstranten

08. Dezember 2019 14:57; Akt: 08.12.2019 15:06 Print

Massenproteste in Hongkong gehen weiter

Seit dem 9. Juni demonstrieren die Hongkonger gegen ihre Regierung. Ein neuer gewaltiger Marsch am Sonntag unterstreicht: Aussitzen können die Verantwortlichen die Proteste nicht.

storybild

Die Organisatoren des Protestmarsches sprachen von 800-tausend Teilnehmern. Die Polizei von 180-tausend. (Bild: DPA/---)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bei einer der größten Kundgebungen seit Wochen sind in Hongkong erneut riesige Menschenmassen auf die Straße gegangen, um gegen die Stadtregierung und für Freiheit zu demonstrieren. Während die Organisatoren des Protestmarsches am Sonntag laut lokaler Medien von 800 000 Demonstranten sprachen, schätzte die Polizei die Zahl der Teilnehmer auf 183 000.

Die Demonstrationen hatten vor einem halben Jahr ursprünglich aus Ärger über ein geplantes Gesetz für Auslieferungen an China begonnen. Inzwischen richtet sich die Bewegung auch gegen den zunehmenden Einfluss der autoritären kommunistischen Führung China. Die sieben Millionen Hongkonger fürchten, dass Peking ihre Rechte nach und nach einschränken könnte.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird die frühere britische Kronkolonie nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» unter chinesischer Souveränität autonom regiert. Die Hongkonger genießen - anders als die Menschen in der Volksrepublik - viele Rechte wie Versammlungs- und Meinungsfreiheit.

Gewaltige Beteiligung

Die zumeist schwarz gekleideten Demonstranten riefen am Sonntag den bekannten Protest-Slogan «Freiheit für Hongkong» und hielten Schilder mit ihren Forderungen. Andere schwenkten Flaggen der USA, Taiwans und Großbritanniens. Noch Stunden, nachdem sich der Marsch am Nachmittag im Victoria Park in Bewegung gesetzt hatte, strömten weitere Menschen nach.

Die gewaltige Beteiligung verdeutlicht, dass auch ein halbes Jahr nach Beginn der Proteste am 9. Juni große Teile der Hongkonger Bevölkerung noch hinter der Bewegung stehen. Dies hatte bereits das Ergebnis der Lokalwahlen vor zwei Wochen gezeigt, bei denen das Demokratie-Lager einen überraschend deutlichen Sieg einfuhr und 17 der 18 Bezirksräte der Stadt übernahm.

Auch nach dieser deutlichen politischen Niederlage hatte Regierungschefin Carrie Lam keine Zugeständnisse an das Protest-Lager gemacht. Beobachter gehen davon aus, dass sich die Demonstrationen fortsetzen werden.

Demokratische Wahl der Regierungschefin gefordert

Zwar kündigte Lam an, das Auslieferungsgesetz zurückzunehmen und erfüllte damit eine der Forderungen der Demonstranten. Die Protestbewegung will aber zudem erreichen, dass Hongkongs Regierungschefin künftig in wirklich demokratischen Wahlen gewählt und nicht wie bisher maßgeblich von Peking bestimmt wird. Zudem wollen die Demonstranten, dass die von ihnen angeprangerte Polizeigewalt bei der Protesten untersucht wird.

Die Organisatoren des Marsches von der Civil Human Rights Front riefen am Sonntag zu einem friedlichen Protest auf. Auseinandersetzungen von Demonstranten mit der Polizei, die die Protestaktion anders als oft in den vergangenen Monaten nicht untersagte, sollten demnach vermieden werden. Dennoch begannen einige Demonstranten damit, Straßenblockaden zu errichten.

Kurz vor Beginn des Marsches berichteten Hongkonger Medien von einer Polizei-Razzia, bei der am Morgen Waffen radikaler Demonstranten sichergestellt worden seien, darunter auch eine Pistole. Demnach gab die Polizei an, dass die Waffen genutzt werden sollten, um bei dem Protestmarsch Chaos auszulösen.

Während der Proteste in den vergangenen Monaten ist es immer wieder zu schweren Ausschreitungen gekommen. Laut Angaben lokaler Medien hat die Polizei bislang etwa 6000 Demonstranten festgenommen.

(L'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.