Zypern-Krise

26. März 2013 15:39; Akt: 26.03.2013 15:50 Print

Polizeischutz für zyprische Banken

Das nächtliche Verwirrspiel um die Öffnung der Banken auf Zypern hat bei der Bevölkerung weitere Unruhe ausgelöst. Jetzt sollen die Banken Polizeischutz bekommen.

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Hunderte Schüler zogen am Dienstagmorgen protestierend durch die Hauptstadt Nikosia. In Sprechchören forderten die Schüler, die Verantwortlichen für den «Diebstahl» der zyprischen Guthaben müssten ins «Gefängnis» und «Wir müssen die Blutsauger bekämpfen!» (Bild: Keystone)

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Der Gouverneur der Zentralbank Zyperns und Staatspräsident Nikos Anastasiades haben nach einem Tauziehen zu späterer Stunde beschlossen, alle Banken des EU-Landes noch geschlossen zu halten. Aus Gründen der «gleichmäßigen Funktion des gesamten zyprischen Bankensystems» sollten die Banken gemeinsam am Donnerstag öffnen, verlautete aus Finanzministerium und Zentralbank. Zunächst hatte es geheißen, am Dienstag würden zumindest die Genossenschaftsbanken sowie die nicht angeschlagenen kleineren Banken öffnen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Bargeld in dreistelliger Millionenhöhe an Zyperns Zentralbank verschickt haben. Diese verteile sie bereits an alle Geldinstitute, erfuhr die deutsche Nachrichtenagentur DPA aus Finanzkreisen.

Sicherheits-Dispositiv für Banken

Zyperns Polizei hat angesichts der bevorstehenden Bankenöffnung Pläne für den Schutz der Geldinstitute entworfen. Wie die DPA aus Kreisen der Sicherheitskräfte erfuhr, sollen alle Bankfilialen am Tag der Öffnung der Banken Polizeischutz bekommen – um «potenzielle Gewalttäter» abzuschrecken. Schon seit dem 16. März sind die Banken geschlossen.

Nach wie vor war unklar, wie die geplanten Einschränkungen aussehen werden, die verhindern sollen, dass alle Sparer bei einer Wiedereröffnung der Banken ihr gesamtes Geld abziehen. Es wird erwartet, dass Bankkunden künftig nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und Monat abheben dürfen. Das Limit für Geldautomaten war am Sonntag je nach Bank auf 100 bis 120 Euro reduziert worden.

Große Arbeitslosigkeit in Sicht

Der französische EZB-Direktor Benoit Coeure bezeichnete das Krisenmanagement in Zypern als klaren Sonderfall. Die Probleme seien einzigartig, kein anderes Land im Euroraum befinde sich in einer vergleichbaren Lage, sagte der Top-Notenbanker dem Radiosender «Europe 1».

Zypern müsse sein Geschäftsmodell ändern und es werde dauern, bis sich die Wirtschaft dort erhole. Coeure bekräftigte zudem das Versprechen der Europäischen Zentralbank (EZB), im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, um die Gemeinschaftswährung zu verteidigen.

Zyperns Arbeitsminister Harris Georgiades warnte für sein Land vor einer stark schrumpfenden Wirtschaft und steigender Arbeitslosigkeit. «Dieser einmalige Akt der Korrektur des Bankensystems wird die produktiven Sektoren der Wirtschaft in große Schwierigkeiten bringen, sagte er der «Bild«-Zeitung.

Georgiades, der auch zyprischer Vize-Finanzminister ist, sieht in den Eurogruppen-Beschlüssen eine «schwere und schmerzhafte Entscheidung». «Wir werden von der Eurogruppe gebeten, alle Ungleichgewichte der Wirtschaft Zyperns auf einmal zu korrigieren. Das schafft Probleme für die Bürger Zyperns und die Unternehmen», sagte der Minister.

(L'essentiel online/sda)

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