Drohende Staatspleite

20. März 2013 13:22; Akt: 20.03.2013 15:54 Print

Russland als Gewinner der Zypern-​​Krise

Im Kampf gegen den Bankrott setzt Zypern auf Wladimir Putin. Das ist Brüssel ein Dorn im Auge, denn Russland dürfte im Gegenzug Gasförderrechte verlangen.

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Es war weder Gutherzigkeit noch Nächstenliebe, als der russische Präsident Wladimir Putin Anfang Woche die Enteignung von zyprischen Kontoinhabern als «unfair, unprofessionell und gefährlich» bezeichnete – er fürchtet um die Ersparnisse seiner Landsleute, die im Steuerparadies Zypern geschätzte 15 Milliarden Euro bunkern.

Derzeit verhandelt der russische Finanzminister Anton Siluanow mit seinem zyprischen Amtskollegen Michael Sarris in Moskau über finanzielle Hilfe. Auch das geschieht nicht uneigennützig. Russland dürfte im Gegenzug zyprische Erdgasförderrechte verlangen. Im Meer vor Zypern werden gewaltige Erdgasvorkommen vermutet. Die US-Firma Noble Energy vermeldete 2011 den Fund von 180 bis 285 Milliarden Kubikmeter Erdgas, was eine Art Goldrausch auslöste.

«Mit einem Gas-Deal würde die geopolitische Rolle Russlands stark steigen», sagt ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis. Für ihn wäre Russland damit der Gewinner der Zypern-Krise – Brüssel der große Verlierer. Grund: Die EU möchte in der Energieversorgung von Russland unabhängiger werden.

16 Milliarden gegen Staatsbankrott

Zypern hatte Russland bereits am Montag um eine Verlängerung eines Kredits über 2,5 Milliarden Euro sowie um einen Zinsnachlass gebeten. Um nicht in einen Staatsbankrott zu geraten, braucht der Inselstaat in diesem Frühjahr rund 16 Milliarden Euro. Die Euro-Partner haben zwar eine Rettung in Aussicht gestellt, fordern im Gegenzug aber eine Beteiligung Zyperns. Der klamme Staat soll 5,8 Milliarden Euro selber beisteuern, was er durch eine Enteignung der Sparer erreichen wollte. Dies führte zu großen Protesten und einer Ablehnung der Vorlage im Parlament.

«Es ist denkbar, dass der russische Staat weitere Kredite vergibt oder russische Investoren einen Teil des angeschlagenen zyprischen Finanzsektors übernehmen», sagt Frangulidis. Die Bilanzsumme des aufgeblähten Finanzsektors beläuft sich auf das Siebenfache der Wirtschaftsleistung des Inselstaates. Mit dem Rücken zur Wand steht die zyprische Laiki-Bank. Sie hat mit Vorliebe in riskante, hochverzinsliche Anleihen Griechenlands investiert – und geriet nach dem griechischen Schuldenschnitt in Schieflage.

Eigentor Brüssels

Dass sich Zypern in der Krise in die Arme Russlands flüchtet, ist ein bitteres Signal für Brüssel: «Es zeigt die Unfähigkeit der Euro-Manager, mit dieser Krise umzugehen», sagt Frangulidis. Ihre Strategie, die zyprischen Sparer an der Staatsrettung zu beteiligen, hat sich als Rohrkrepierer erwiesen.

Zurückkrebsen können die Europartner nicht. Zu sehr würden die Politiker an Glaubwürdigkeit verlieren. Für den ZKB-Chefökonomen ist klar: «Am Ende wird Russland gestärkt aus der Krise hervorgehen. Die Euro-Partner haben ein klassisches Eigentor geschossen.»

(L’essentiel Online / S. Spaeth )

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