Fluch der Bohne

06. Mai 2019 12:56; Akt: 06.05.2019 13:16 Print

Soja gefährdet Brasiliens Regenwald

Wegen des Handelskriegs mit den USA kauft China mehr Soja aus Brasilien. Im Amazonasgebiet könnte eine Fläche so groß wie Griechenland abgeholzt werden.

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Erntemaschinen fahren über ein Sojafeld. Wegen des Handelskriegs mit den USA kauft China immer mehr Soja aus Brasilien. (Bild: DPA/Roberto Pera)

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Brasilien ist der zweitgrößte Sojaproduzent der Welt. Zuletzt wurden in dem südamerikanischen Land 117 Millionen Tonnen Sojabohnen geerntet. Und bald könnten die Agrarunternehmen der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas noch einmal eine ordentliche Schippe drauflegen, denn es lockt ein Riesengeschäft.

Grund ist der Handelsstreit zwischen den USA und China. 2018 belegten sich die beiden Länder gegenseitig mit Strafzöllen von bis zu 25 Prozent. Das macht Soja aus den Vereinigten Staaten für die Chinesen teurer und sie schauen sich nach neuen Lieferanten um. 2018 gingen die Sojaexporte aus den USA nach China bereits um die Hälfte zurück. Eine Lösung des Handelskonflikts scheint angesichts der aktuellen Eskalation schwierig. Statt eines Abbaus der Zölle steht die Drohung von US-Präsident Donald Trump im Raum, sie sogar noch auszuweiten.

Brasilien könnte nun in die Bresche springen – mit möglicherweise fatalen Folgen für den Regenwald. «Wir befürchten großflächige Abholzungen in Brasilien als Folge des Handelskrieges», sagt Klimaforscher Richard Fuchs vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). «In der Vergangenheit hat die steigende globale Nachfrage nach Soja regelmäßig zu Waldrodungen im Amazonasgebiet geführt, um Platz für neue Anbauflächen zu schaffen.»

Mindestens elf Menschen getötet

Gemeinsam mit Kollegen hat der Wissenschaftler die möglichen Auswirkungen der Verschiebung im weltweiten Sojageschäft untersucht. Der Handelskrieg sei ein Desaster für den Amazonasregenwald, schreiben sie im Fachmagazin «Nature». Im schlechtesten Fall könnten in Brasilien 12,9 Millionen Hektar zusätzliches Ackerland gebraucht werden, um den chinesischen Sojahunger zu stillen – das entspricht in etwa der Größe von Griechenland.

Soja dient vor allem als Tiernahrung. In den vergangenen Jahren sind Millionen Chinesen in die Mittelschicht aufgestiegen und können sich nun Fleisch leisten. Selbst bauen die Chinesen immer weniger Soja an, weil der Import deutlich günstiger ist. Seit 2000 ging die Anbaufläche um rund 25 Prozent zurück.

Schon jetzt bezieht China 75 Prozent seiner Soja-Importe aus Brasilien. Aus den USA importierte es zuletzt 37,6 Millionen Tonnen Soja. Würde China die gleiche Menge künftig in Brasilien einkaufen, müsste die Anbaufläche dort um 39 Prozent ausgeweitet werden. «Brasilien ist das einzige Land, das seine Sojaproduktion so schnell hochfahren kann», sagt Fuchs. «Üblicherweise werden zunächst Weideflächen in Ackerland umgewidmet und dann Waldflächen gerodet, um Platz für das Vieh zu schaffen.»

Bei der Landnahme geht es hemdsärmelig zu: Die Farmer nehmen oft wenig Rücksicht auf die indigenen Völker oder ausgewiesene Schutzgebiete. Nicht selten werden die Bewohner mit Besitzurkunden, die auf gefälschten Dokumenten beruhen, vertrieben. Wenn das nicht hilft, sprechen die Waffen. Seit Jahresbeginn wurden nach Angaben der brasilianischen Landpastoralkommission mindestens elf Menschen in Landkonflikten getötet.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Niemand am 06.05.2019 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Warum tut keiner was dagegen . . .

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  • Daweb am 06.05.2019 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nemme schrecklich!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Niemand am 06.05.2019 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Warum tut keiner was dagegen . . .

    • Idiokratie am 07.05.2019 08:30 Report Diesen Beitrag melden

      weil wir Idioten sind, die nur an sich selbst denken u daran, dass ihre Nase auf dem Selfie nicht zu dick wirkt, dabei keinen Gedanken an die Zukunft unserer Nachkommen verschwenden, niemand die Verantwortung für die Zerstörung u Verseuchung von Erde, Luft u Wasser übernimmt u/o übernehmen will, da geldprofitschädigend! ... die Natur wird sich alles zurücknehmen, nachdem der Mensch sich selbst ausgelöscht hat durch seinen uneingeschränkten Egoïsmus u seine bornierte Kurzsichtigkeit, mit der er sorglos u gedankenlos verseuchungsindustriefolgsam die Biodiversität Tag für Tag auslöscht! ...

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  • Daweb am 06.05.2019 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nemme schrecklich!