Eurogruppe

26. März 2013 17:44; Akt: 26.03.2013 17:54 Print

Verpatzter Start für Junckers Nachfolger

Der neue Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hat sich mit unbedachten Äußerungen zur Krise in Zypern Zorn zugezogenen. Schon gilt er als überfordert.

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Ein Rückblick auf Junckers Zeit als Eurogruppen-Chef.

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War Jeroen Dijsselbloem einfach nur ungeschickt oder wollte er die Finanzmärkte testen? Mitten in der Rettungsaktion für das pleitebedrohte Euroland Zypern sorgt der neue Eurogruppenchef für Verwirrung. Das Zypern-Programm - das Großkunden und Gläubiger zur Bankenrettung heranzieht - tauge zum Modell für den Euro-Raum, zitierte die «Financial Times» den niederländischen Finanzminister.

Sofort machten Spekulationen über eine Kehrtwende in der Strategie der Euroretter die Runde: Weg von Belastungen der Steuerzahler, hin zum Großkunden und Gläubiger.

Doch es ist eher wahrscheinlich, dass Dijsselbloem als Neuling auf dem internationalen Parkett der Geldpolitik die Sprachcodes noch nicht beherrscht. Jede unbedachte Äußerung kann die Finanzmärkte bewegen, jedes Wort muss wohlabgewogen sein. Der Minister winkt ab: «Die Finanzmärkte sind weniger nervös, als wir denken.»

Ist Dijsselbloem überfordert?

In Brüssel machten gleich böse Kommentare vom «überforderten Herrn Dijsselbloem» die Runde. Er unterschätze das hochexplosive Thema. Der 46-Jährige, der erst seit Ende Januar nebenamtlich das Gremium der Euro-Finanzminister leitet, ruderte in einer Erklärung zurück.

Es war nicht sein erster Patzer. Beim ersten Anlauf zur Zypern-Rettung vor eineinhalb Wochen hatte die Eurogruppe unter seinem Vorsitz beschlossen, Kleinsparer mit Guthaben bis 100 000 Euro heranzuziehen. Dies gilt inzwischen als schwerer Fehler, der das Vertrauen in die europäische Politik nachhaltig erschütterte. Der Sozialdemokrat übernahm im Europaparlament die Verantwortung dafür: «Es war eine gemeinsame Entscheidung. Wenn irgendjemand die Verantwortung übernimmt, dann bin ich es.»

Dijsselbloem, der Verlegenheitskandidat

Nun rächt sich aus Sicht von Diplomaten, dass Dijsselbloem nicht erste Wahl für den Posten war, sondern ein Verlegenheitskandidat. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jean-Claude Juncker fehlt ihm internationale Erfahrung. Juncker war ein Vollblutpolitiker und gewiefter Taktiker, der zudem als Premier von Luxemburg auch dem Kreis der Staats- und Regierungschefs angehörte. Dijsselbloem kann als studierter Agrarökonom Erfahrung in Landwirtschaft und Bildungspolitik aufweisen, ist aber erst seit November 2012 der Finanzminister in der großen Koalition der Niederlande.

Der Niederländer gilt als Senkrechtstarter und Managertyp, der effizient und nüchtern arbeitet und gut zuhört. «Das wird harte Arbeit», sagte der zweifache Vater selbst zu seinem neuen Posten. Diplomaten berichten, dass er die Sitzungen der Eurogruppe sehr gut vorbereitet und die Diskussionen zielorientiert führt - Ergebnisse würden in kürzerer Zeit erzielt als bei seinem Vorgänger.

Unter Adrenalin

Trotz seiner Fehler gibt sich Dijsselbloem gelassen. Angesprochen auf Rücktrittsforderungen sagte er im niederländischen Fernsehen mit stoischer Ruhe: «Das geht immer.» Er stehe zu seiner Verantwortung: «Gerade wenn es Kritik gibt, muss man als Vorsitzender da sein. Nicht die Hände reinwaschen. Ich fühle mich nicht beschädigt, im Gegenteil, es hat mich gestärkt.»

Allerdings sei der Job auch sehr fordernd. Auf eine Frage in der Nacht, ob er nicht müde sei, sagte Dijsselbloem, der am Freitag (29.3.) 47 Jahre alt wird: «Im Gegenteil. Ich glaube, dass ist das Adrenalin. Aber wenn das wegsackt, dann kippe ich wahrscheinlich um.»

(L'essentiel Online/dpa)

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