Jugendarbeitslosigkeit

03. Juni 2014 11:58; Akt: 03.06.2014 14:31 Print

«Viele Junge verzweifeln an der Sprachenvielfalt»

LUXEMBURG - Was tun gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit im Großherzogtum? «L'essentiel» hat bei Bildungsminister Claude Meisch nachgefragt.

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Bildungsminister Claude Meisch: «Besser Portugiesisch in der Küche als Deutsch im Fernseher» (Bild: Editpress)

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Die EU-Kommission hat Luxemburg am Montag ein freundliches Budget-Zeugnis ausgestellt. Kritisch fällt allerdings das Urteil zum Arbeitsmarkt aus, vor allem was die relativ hohe Jugendarbeitslosigkeit im Großherzogtum betrifft. L’essentiel hat bei Bildungsminister Claude Meisch (DP) nachgefragt, wie er das Problem in den Griff bekommen will.

L'essentiel: Herr Minister, wie viel Sorge bereiten Ihnen die vielen jungen Arbeitslosen im Land? Claude Meisch: Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit hat für die Regierung Bettel größte Priorität. Es ist leider tatsächlich so, dass viele Jugendliche hierzulande wegen fehlender Schulabschlüsse durch die Gitterstäbe des Systems fallen. Die berufliche Ausbildung, die 2008 reformiert wurde, hat uns leider mehr Probleme als erwartet gebracht. Wir müssen das modulare System künftig besser organisieren, weil leider sehr viele daran scheitern. Wichtig ist, dass wir die Stärken eines jeden Schülers früher erkennen und ihn besser auf die Berufswelt vorbereiten.

Gibt es konkrete Maßnahmen, die sie hier umsetzen wollen? Berufsorientierung wird in Luxemburg bereits in etwa der Hälfte aller Sekundarschulen angeboten. Es läuft aber alles noch etwas unkoordiniert ab. Die Regierung will diesen verschiedenen lobenswerten Initiativen künftig auch einen gesetzlichen Rahmen geben, um die Berufsorientierung künftig besser zu systematisieren.

Fast die Hälfte der jungen Arbeitslosen in Luxemburg hat einen Migrationshintergrund. Für viele aus dieser Gruppe ist vor allem die Mehrsprachigkeit in Luxemburg ein Problem. Wo wollen Sie hier den Hebel ansetzen? Die Sprachenvielfalt ist eine der großen Stärken Luxemburgs und wir wollen sie weiter hochhalten. Die Frage ist jedoch, ob es sinnvoll ist, vor allem technische Fächer starr auf eine Sprache auszurichten. Viele Jugendliche - vor allem jene, die noch nicht lange im Land sind - tun sich damit offenbar schwer. Ich denke, es ist wichtiger, dass die jungen Leute ihr berufliches Handwerk und nicht jede Landessprache in Perfektion beherrschen. Hier brauchen wir mehr Wahlfreiheit.

Müssen die Schulen besser auf die Bedürfnisse von Migranten eingehen? Ich bin ein großer Anhänger der Schulautonomie, darum denke ich, dass das jede Schule für sich selbst entscheiden muss. Aber ich denke schon, dass wir besser auf die Bedürfnisse von Migrantenkindern eingehen müssen und sie nicht im Regen stehen lassen dürfen.

Was geben Sie, sagen wir, einem 15-jährigen Ausländer mit auf dem Weg, der mit seiner Familie gerade erst nach Luxemburg gekommen ist und keine der Landessprachen beherrscht? Er wird es wahrscheinlich schwer haben, alle drei Landessprachen zu lernen. Viele Jugendliche verzweifeln an dieser Herausforderung. Ich würde ihm wahrscheinlich raten, das Ziel, jede einzelne Sprache perfekt zu beherrschen aufzugeben und stattdessen die Schule ordentlich abzuschließen und sich berufliche Qualifikationen anzueignen.

Müssen auch die Eltern stärker in die Pflicht genommen werden, um ihren Kindern bessere Sprachkenntnisse beizubringen? Es ist egal, welche Sprache zuhause gesprochen wird. Am wichtigsten ist, dass die Eltern mit ihren Kindern reden. Mir ist es lieber, wenn die Familie in der Küche miteinander Portugiesisch spricht als wenn das Kind allein vor einer deutschsprachigen Fernsehsendung sitzt. Um eine andere Sprache zu lernen, ist es wichtig, sich auch in der Muttersprache einen bestimmten Wortschatz anzueignen. Dann fällt auch das Erlernen von anderen Sprachen leichter.

Sehen Sie auch Reformbedarf im Régime modulaire? Viele Eltern sehen diese letzte Stufe des Sekundarunterrichts als Abstellgleis für ihre Kinder. Der Unterricht dort ist besser als ihr Ruf. Die Hälfte der Schüler aus den Modulaires findet später auch eine Lehrstelle am Arbeitsmarkt. Um die andere Hälfte müssen wir uns aber definitiv besser kümmern.

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roko am 04.06.2014 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Dee ganzen technesche Lycée ass sou ausgericht dass een sech selwer automatesch no ënnen klasséiert, well, aanescht wéi am klasseche Lycée, kann een jo do net kompenséieren resp. doubléieren! Den échec ass virprogramméiert! A wann aert Kand an de Modulaer orientéiert get wéins Probleemer an enger Sprooch, ass et onméiglech do eraus ze kommen och wann et aaner Talenter huet, d Diiren gin engem einfach definitiv zou gemach. Dofir soll keen sech wonneren wann mir net genug kompetent Handwierker kréien, well eis Jugendlech schon fréi d Flemm agedriwe kréien. Ass vlaicht sou gewollt ...??

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roko am 04.06.2014 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Dee ganzen technesche Lycée ass sou ausgericht dass een sech selwer automatesch no ënnen klasséiert, well, aanescht wéi am klasseche Lycée, kann een jo do net kompenséieren resp. doubléieren! Den échec ass virprogramméiert! A wann aert Kand an de Modulaer orientéiert get wéins Probleemer an enger Sprooch, ass et onméiglech do eraus ze kommen och wann et aaner Talenter huet, d Diiren gin engem einfach definitiv zou gemach. Dofir soll keen sech wonneren wann mir net genug kompetent Handwierker kréien, well eis Jugendlech schon fréi d Flemm agedriwe kréien. Ass vlaicht sou gewollt ...??

    • Deddes am 04.06.2014 13:59 Report Diesen Beitrag melden

      Dir sitt jo richteg gutt informéiert wéi ech gesin... Daat ass guer net wouer dass een am technique weder kompenséieren nach redoubléieren kann äusser ärt Kand ass an engem PROCI-Lycée. An an deene Lycéen kritt een daat awer bei der Umeldung kloer erklärt a wann daat engem net passt da steet et engem fräi säi Sprössling anzwousch anescht unzemellen

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