In 2,4 km Höhe

13. Januar 2020 19:07; Akt: 13.01.2020 19:13 Print

So schossen die Iraner die Boeing vom Himmel

Eine Analyse zeigt, wie der Raketenangriff auf die ukrainische Boeing ablief. Die «New York Times» wertete dazu Flugdaten und Videomaterial aus.

Die «New York Times» hat am Donnerstagabend ein Video veröffentlicht, das angeblich zeigt, wie die Passagiermaschine von einer Rakete getroffen wird. (Video: Twitter)

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Ein ukrainisches Passagierflugzeug des Typs Boeing 737 wurde am 8. Januar von einer iranischen Rakete getroffen, alle 176 Insassen kamen dabei ums Leben. Um die Geschehnisse nachzuvollziehen, hat die New York Times nun Flugdaten gesammelt und Zeugenvideos sowie Bilder der Absturzstelle analysiert.

In den frühen Morgenstunden des 8. Januars herrscht für die iranische Luftabwehr höchste Alarmstufe. Das Risiko eines US-Angriffs ist hoch, nachdem der Iran als Reaktion auf die Tötung des hochrangigen Generals Qassim Soleimani Raketen auf US-Militärstützpunkte im Irak abgefeuert hat.

Rakete stammt von nahem Militärstandort

Vier Stunden nach dem Raketenangriff wird eine Boeing 737 der Fluglinie Ukraine International Airlines am Flughafen Teheran-Imam Khomeini bereitgemacht für den Start. Um 6.12 Uhr morgens hebt die Maschine ab, folgt der regulären Route nordwestwärts und gewinnt in 3 Minuten etwa 2,4 Kilometer an Höhe. Um 6.14 Uhr sendet das Flugzeug das letzte Signal. Darauf fliegt es weiter und wird nur 13 Sekunden nach Signalabbruch von einer Rakete getroffen.

Doch woher kommt die Rakete? Einige Kilometer entfernt befinden sich mehrere Militärstandorte, die mit iranischen Abwehrsystemen ausgerüstet sind. Eine nahegelegene Überwachungskamera hält fest, wie die Rakete von einem dieser Standorte kurz nach 6.15 Uhr abhebt. Die Rakete trifft das Flugzeug nur Sekunden später und setzt es in Brand. Danach wendet die Maschine und nimmt Kurs auf den Flughafen. Der Flug wird für einige Minuten weitergeführt, der genaue Flugverlauf ist jedoch nicht bekannt.

Um 6.19 Uhr hält ein Augenzeuge auf Video fest, wie das Flugzeug langsam abstürzt. Es geht nochmals in Flammen auf, bevor es aufschlägt – etwa 16 Kilometer entfernt von der Stelle, wo das letzte Signal gesendet wurde. Eine Überwachungskamera hält fest, wie das Flugzeug in deren Richtung stürzt.

Trümmer über 400 Meter verstreut

Nach dem Aufprall werden die in Flammen stehenden Überreste des Flugzeugs von weiteren Augenzeugen gefilmt. «Oh, ein Flugzeug», ruft ein Mann vor Ort. Nach Sonnenaufgang sieht man das Ausmaß des Unglücks erst richtig: Vom Flugzeug selbst ist nicht mehr viel zu sehen. Die Absturzstelle ist übersät von Trümmerteilen, die sich über 400 Meter entlang eines kleinen Parks, Obstgärten und einem Fußballfeld verteilen. Die Räder und das Hinterteil des Flugzeugs werden über 150 Meter von der Absturzstelle entfernt aufgefunden. Neben den Überresten der Maschine liegen auch die persönlichen Gegenstände der Insassen wie Plüschtiere, Kleider und Fotoalben verstreut auf dem Boden. Das Dorf Khalaj Abad wird nur knapp verfehlt.

Der Iran hat mittlerweile Stellung genommen. Laut dem iranischen General Amir Ali Hajizadeh hat der Bediener des Abwehrsystems das Passagierflugzeug für einen Marschflugkörper gehalten. «Dieses große Unglück ist aufgrund des übereilten Entscheids dieser Person geschehen.»

(L'essentiel/les)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jack @Bellingcat am 16.01.2020 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja bloß das der Iran 2 Tage lang vertuscht und gelogen hat,, Iranisches Militär avertierte die yobrigkeit schon am Mittwoch.

  • Bellingcat am 14.01.2020 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Jedenfalls hat der Iran den Fehler zugegeben, was die Russen bei MH17 bis jetzt noch nicht gemacht haben. Hilft den Toten aber nicht.

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  • Jack @Bellingcat am 16.01.2020 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja bloß das der Iran 2 Tage lang vertuscht und gelogen hat,, Iranisches Militär avertierte die yobrigkeit schon am Mittwoch.

  • Bellingcat am 14.01.2020 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Jedenfalls hat der Iran den Fehler zugegeben, was die Russen bei MH17 bis jetzt noch nicht gemacht haben. Hilft den Toten aber nicht.