Zweifel sind angebracht

05. Juli 2020 18:41; Akt: 05.07.2020 18:59 Print

Diktator Kims «glänzender Erfolg» in der Corona-​​Krise

Sein Land habe während der Corona-Epidemie alles richtig gemacht, sagt der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un. In seinem Reich soll es keinen einzigen Corona-Fall geben.

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Nordkorea habe «das Eindringen des bösartigen Virus verhindert und die Stabilität beibehalten», sagte Kim Jong-un an einer Sitzung des Politbüros in Pjöngjang. Der nordkoreanische Machthaber hat nach eigenen Worten «den halbjährigen nationalen Notstand und die Schutzmaßnahmen der letzten sechs Monate analysiert». Er kommt zum Schluss, dass der Erfolg bei der Handhabung des Virus «der weitsichtigen Führung des Zentralkomitees» geschuldet sei.

Der nordkoreanische Machthaber betonte aber auch, wie wichtig jetzt «die Aufrechterhaltung der maximalen Wachsamkeit» sei. Es dürfe nicht zu einer Erleichterung an der antiepidemischen Front kommen, zumal das Virus in Nachbarländern weiterhin aktiv sei. «Kim warnte wiederholt vor übereilten Lockerungen der Schutzmaßnahmen, was in einer unvorstellbaren und unumkehrbaren Krise enden würde», berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA von dem Politbüro-Treffen.

Wie sieht es in Nordkorea wirklich aus?

Bislang hat das Land keinen einzigen Corona-Fall verzeichnet, zumindest offiziell. Es gebe aber eine Reihe von unbestätigten Fällen im Land, schreibt die BBC. «Es erscheint unglaubwürdig, dass es im Land keine Fälle geben soll, erst recht, wenn man bedenkt, dass es an China und Südkorea grenzt und einen regen Grenzhandel führt», sagt Oliver Hotham vom Medienportal NK News, das sich auf Nordkorea spezialisiert. «Ich sehe wirklich nicht, wie Nordkorea dieser Epidemie entgangen sein soll.» Daneben berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap, allein der Fakt, dass das Politbüro jetzt zum zweiten Mal binnen drei Monaten wegen der Pandemie getagt habe, könnte auf eine ernsthafte Situation in dem Land hinweisen.

Tatsächlich weiß niemand, ob und wie stark das Coronavirus in Nordkorea verbreitet war oder noch ist. Das Politbüro hatte im April ein Resolution verabschiedet, um striktere Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung in der Corona-Pandemie durchzusetzen. So ist das schon seit Jahrzehnten abgeschottete Land noch stärker von der Außenwelt abgeschnitten als sonst. Bereits im Januar schloss es seine Grenzen zu China und Russland, stellte Tausende Menschen vorbeugend unter Quarantäne, schloss landesweit die Schulen, verbot Maßenversammlungen und erließ eine allgemeine Maskenpflicht.

Propaganda: Kim hat Virus besiegt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet, Nordkorea habe bislang 992 Personen auf das Virus getestet. Jeder der Tests sei negativ herausgekommen. Auch Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes sind im koreanischen Grenzgebiet mit Schutzmaßnahmen beauftragt.

Ansonsten sei im nordkoreanischen Alltag kaum etwas von der Epidemie zu spüren, so die BBC-Korrespondentin. Das sei auch ganz im Interesse Pjöngjangs, das gegen innen den Eindruck erwecken wolle, dass der geliebte Führer das Virus besiegt habe: Der Rest der Welt mag im Würgegriff der Krankheit sein, Nordkorea aber wurde dank Kims weiser Voraussicht gerettet.

Die Kehrseite der Medaille ist der nach wie vor unterbrochene Grenzhandel beziehungsweise ein eklatanter Mangel an essenziellen Gütern. Dazu dürfte die Bevölkerung unter dem Deckmantel von Corona-Schutzmaßnahmen noch stärker überwacht werden. Zumindest deutet sich dies an, schaut man auf die Zahl der Überläufer: In diesem Jahr flohen bislang nur zwölf Personen von Nord- nach Südkorea, so wenige wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. «Die Nordkoreaner», schreibt denn auch die Asienkorrespondentin der BBC, «mögen nicht so stark unter dem Coronavirus leiden, aber sie sind deswegen sogar noch stärker vom Rest der Welt abgeschnitten.»

(L'essentiel/Ann Guenter)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arme Arbeiter gibt es auch in Luxemburg am 06.07.2020 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher, der folgt die Ratschläge seines guten Freund Donald Dump, sorry, Trump: keine Tests,keine Infektion.992 tests, scheint mir unheimlich viel für so ein kleines Land ;-P

Die neusten Leser-Kommentare

  • Arme Arbeiter gibt es auch in Luxemburg am 06.07.2020 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher, der folgt die Ratschläge seines guten Freund Donald Dump, sorry, Trump: keine Tests,keine Infektion.992 tests, scheint mir unheimlich viel für so ein kleines Land ;-P