Truppenbewegungen

07. April 2021 17:55; Akt: 07.04.2021 17:53 Print

Was plant Putin in der Ukraine?

Im Westen wächst die Nervosität angesichts wachsender Spannungen zwischen Russland und der Ukraine. So flammt seit Tagen die Gewalt wieder auf.

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Pro-russische Rebellen auf einem beschädigten Tank nordöstlich von Donetsk. (Bild: REUTERS)

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Seit Tagen sind die Kampfhandlungen im Osten der Ukraine wieder entflammt. Entlang der ukrainischen Grenze marschieren russische Truppen auf, die OSZE berichtet von Erweiterungen von Schützengräben auf beiden Seiten der Kontaktlinie. Nicht nur in der von Moskau kontrollierten Donbass-Region kommt es wieder zu tödlichen Angriffen, für die sich ukrainische Streitkräfte und prorussische Separatisten gegenseitig verantwortlich machen. Die Nato warnt, der neue US-Präsident stellt sich demonstrativ hinter die Ukraine. Russland zieht derweil weitere Einheiten zusammen, etwa in Brjansk, Rostow-am-Don sowie auf der Krim.

Vor diesem Hintergrund fragen sich immer mehr Militäranalysten: Steht eine neue Etappe im Krieg gegen die Ukraine bevor? Will der russische Präsident jetzt vollenden, was er 2014 begonnen hat?

Für einige Beobachter ist es durchaus denkbar, dass Wladimir Putin im Osten der Ukraine das Projekt «Neurussland» wiederbelebt. Der Zeitpunkt wäre günstig, schreibt etwa die Süddeutsche Zeitung, zumal alle Welt mit der Corona-Pandemie beschäftigt ist.

Machtdemonstration und Test…

Es habe schon früh Warnzeichen für eine Eskalation in dem Konflikt gegeben, schreibt das «International Center for Defense and Security» im estnischen Tallin. So hätte sich bereits seit Anfang Jahr die Anzahl in der Ostukraine eingesetzter Scharfschützen aus Russland sowie die Anzahl und Intensität der Angriffe auf ukrainische Truppen stark erhöht: Trotz des seit letztem Jahr geltenden Waffenstillstandes sind seit letztem Juli demnach 45 ukrainische Soldaten gestorben – aber 21 davon allein seit dem 1. Januar.

Mittlerweile stehen zwei Haupterklärungen im Raum, was Russland mit seiner militärische Machtdemonstration an den Grenzen der Ukraine wirklich will. Zur einen: Moskau will die Grenzen der amerikanischen Solidarität mit der Ukraine ausloten: «Der Kreml testet die neue US-Administration», sagt General Frederick B. Hodges vom Center for European Policy Analysis. Zudem wolle Putin mit der Zuschaustellung seiner Militärmacht den ukrainischen Präsidenten bestrafen, weil dieser gegen Putin-Vertraute Sanktionen erhoben hatte, so weitere Beobachter.

… oder ernsthafte Kriegsvorbereitung?

Zur anderen: Moskau will eine militärische Konfrontation provozieren, um in Donezk und Lugansk offiziell russische Soldaten als «Friedenstruppen» einsetzen zu können, welche Russlands Ansprüche weiter zementieren werden. Die Mehrheit der im Donbass und auf der Krim stationierten Soldaten – laut ukrainischen Angaben über 60.000 – sind offiziell keine Soldaten der russischen Armee, sondern lokale Söldner oder Angehörige des kremlnahen Sicherheitsdienstes «Wagner». Mit so einem massiven Militäreinsatz könnte eine Landverbindung zwischen Russland und der annektierten Krim geschaffen werden und die Industrie- und Hafenstadt Mariupol eingenommen werden.

Im Moment sehen jedoch die wenigsten Analysten in den russischen Truppenbewegungen die Vorbereitung für einen Angriff Moskaus. Die Zusammenzüge seien zwar ungewöhnlich, schreibt etwa der auf die russischen Streitkräfte spezialisierte Michael Kofman auf Twitter. Dennoch dürften sie in erster Linie eine Demonstration der Stärke sein, angelegt, international wahrgenommen zu werden. Kofman gibt allerdings zu bedenken, dass «der Aufmarsch noch im Gange ist» und die Lage sich noch entwickle. Entsprechend sei er «weniger zuversichtlich, dass alles nur eine Machtdemonstration ist, als ich es noch letzte Woche war.»

(L'essentiel/gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sam123 am 08.04.2021 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Es wurde vergessen zu erwähnen dass an der russischen Grenze gerade ein Nato—Manöver mit 30.000 Soldaten statt findet. Dies ist ja auch wohl seht beruhigend für Russland! Was würde USA tun wenn ein solches Manöver in Kanada oder Mexico statt finden würde mit russischen und chinesischen Truppen? Schon alleine derartige Übungen auf Cuba würde einen neuen Krieg auslösen. Also, wer provoziert hier wen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sam123 am 08.04.2021 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Es wurde vergessen zu erwähnen dass an der russischen Grenze gerade ein Nato—Manöver mit 30.000 Soldaten statt findet. Dies ist ja auch wohl seht beruhigend für Russland! Was würde USA tun wenn ein solches Manöver in Kanada oder Mexico statt finden würde mit russischen und chinesischen Truppen? Schon alleine derartige Übungen auf Cuba würde einen neuen Krieg auslösen. Also, wer provoziert hier wen?