Idomeni, Griechenland

10. März 2016 21:00; Akt: 10.03.2016 21:19 Print

5000 Kinder leben im Dreck – mitten in Europa

Schlamm, Eiseskälte, Giftrauch: Für tausende Kinder ist das Leben im Flüchtlingscamp Idomeni lebensgefährlich.

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Familienvater Hazi Mohammad macht sich Sorgen um seine Tochter Hani: «Seit zwei Tagen erbricht sie nach fünf bis zehn Minuten alles, was sie zu sich nimmt, Wasser, Tee oder Essen», erzählte der Flüchtling «Euronews». «Wir leben hier im Schlamm und frieren. Nachts wird die Situation noch schlimmer», sagte Mohamed Aloloh, ebenfalls Familienvater und Flüchtling aus dem syrischen Aleppo, zur «Zeit».

Mohammad und Aloloh sind zwei von rund 14.000 Migranten und Flüchtlingen, die in Idomeni festsitzen. Laut UNHCR sind bis zu 5000 von ihnen Kinder. Verschiedene Hilfsorganisationen arbeiten Tag und Nacht im Camp, doch ihre Mittel reichen nicht aus. Es gibt viel zu wenige Zelte. Auch die sanitären Anlagen, Wasser und Grundnahrungsmittel seien knapp, schreiben etwa Ärzte ohne Grenzen (MSF).

Zu Schlamm und Kälte kommt Giftrauch

Das eiskalte Regenwetter macht vor allem den Schwächsten unter den Menschen zu schaffen: den Kindern. Dazu kommt der giftige Rauch vieler qualmender Feuer, in denen auch Plastikabfall brennt, weil es zu wenig Holz hat. «Gestern mussten wir ein zweijähriges Kind mit Sauerstoff behandeln. Komplexe Atembeschwerden treten wegen des giftigen Rauchs immer häufiger auf», sagte Christian Reynders, Stellvertretender Koordinator von Ärzte ohne Grenzen, zur «TAZ».

Die Folgen dieser Lebensbedingungen sind katastrophal. «Die Menschen in Idomeni leiden unter Atemwegserkrankungen und Problemen, die die mangelnde Hygiene mit sich bringt, vorwiegend Hautkrankheiten. Hinzu kommt die seelische Belastung: Nach der Flucht sitzen sie nun zusammengedrängt und wissen nicht, wie es weitergeht», sagte Florian Westphal von MSF Deutschland zur «Ärztezeitung».

Leitungen unter Hochspannung

Dazu kommen noch andere Gefahren, denen die Kinder im Camp ausgesetzt sind: Vor wenigen Tagen kletterte ein kleiner Junge auf einen Waggon und berührte die unter Hochspannung stehende Oberleitung, wie die «Osnabrücker Zeitung» schreibt. «Es war reines Glück, dass er das überlebte», sagte Reynders. Da sie ganz in der Nähe waren, konnten sich die MSF-Ärzte sofort um den Jungen kümmern.

Die Menschen im Camp sind verzweifelt. Vergangene Woche habe eine Frau um die 30 versucht, ihr Kopftuch anzuzünden, andere Migranten hätten sie jedoch aufhalten können, schreibt die «Zeit». Zudem berichten MSF-Helfer, dass Kinder die Grenze in den vergangenen Tagen allein überquert hätten. Niemand weiß, wo sie sind.

Viele wollen bleiben

Athen plant, das Lager «behutsam» zu räumen, vielleicht schon ab dem Wochenende. Die Regierung lässt in aller Eile Notunterkünfte erstellen. 100 bis 150 Flüchtlinge fahren laut «Welt» täglich mit Bussen der Regierung nach Athen zurück, um sich in einem Hotspot registrieren zu lassen. Doch viele wollen trotz allem in Idomeni bleiben. Sie haben es bis hierher geschafft und haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die mazedonische Seite vielleicht doch noch den Grenzzaun öffnet.

(L'essentiel/kmo)

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