Buch von Ex-FBI-Chef

17. April 2018 14:26; Akt: 17.04.2018 14:32 Print

Comey schwingt die Moralkeule gegen Trump

Auf seiner Buchtournee will der gefeuerte FBI-Chef den US-Präsidenten als «moralisch unfähig» fertigmachen. Trump schlägt zurück.

James Comey erklärt, warum er Trump die Fähigkeit zur Präsidentschaft moralisch abspricht. (Tamedia-Webvideo mit Material von AP)

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Einen so heftigen Angriff eines früheren obersten Polizeichefs auf einen amtierenden US-Präsidenten hat es bisher noch nie gegeben. In seinem heute erscheinenden Buch «A Higher Loyalty» (Eine höhere Loyalität) und in begleitenden Interviews rechnet James Comey auf brutale Weise mit Donald Trump ab, der ihn vergangenen Mai vom Posten des FBI-Direktors entfernt hat.

Im ersten Interview seiner Buchtournee verglich Comey Trump am Sonntagabend mit einem Mafia-Boss und nannte ihn einen notorischen Lügner. Wer im Weißen Haus amtiere, müsse an den für das Land zentralen Werten festhalten, sagte Comey auf ABC. Trump sei «moralisch unfähig, Präsident zu sein».

Sticheln und verärgern

Mit dem Fernsehauftritt vor fast zehn Millionen Zuschauern begann die «Comey Show», wie die Newssite Axios die Verkaufskampagne für das Buch nennt. Der Ex-FBI-Chef werde nun fünf Wochen lang quer durch die USA reisen und die seit vielen Monaten dominante «Trump Show» konkurrenzieren. Comeys Auftritte «inmitten weltweiter rechtlicher und politischer Krisen werden den Präsidenten reizen und verärgern».

Trump, der keinen Angriff unbeantwortet lässt, schlägt schon seit Tagen zurück. Am Wochenende nannte er den 57-jährigen New Yorker in einem Twitter-Sturm einen «Schleimbeutel», bezichtigte ihn der wiederholten Lüge und deutete an, eigentlich gehöre er ins Gefängnis. Comey sei der «schlechteste FBI-Direktor der Geschichte»:

Die Gegenkampagne des Präsidenten wird von seiner Partei mitgetragen. Die Republikaner haben die Website lyincomey.com (lügender Comey) eingerichtet, wo sie die Faktenlage aus ihrer Sicht darstellen. Genüsslich wird dort die Anhängerschaft von Hillary Clinton zitiert. Die demokratische Kandidatin von 2016 glaubt, dass Comey im Oktober ihren Sieg vereitelt habe, indem er die im Sommer abgeschlossene Strafuntersuchung wegen ihres privaten E-Mail-Servers kurz wieder aufnahm.

«Sehe ich aus wie einer, der Nutten braucht?»

Das Trump-Lager will Comeys Glaubwürdigkeit unterhöhlen, indem es ihn als vergraulten Mitarbeiter darstellt und ihm überhebliche Selbstgerechtigkeit vorwirft. «Er findet geschickt Wege, damit sich alles um ihn dreht», höhnte Trumps Beraterin Kellyanne Conway gestern.

Was die Fakten angeht, liefern Comeys Buch und seine Interviews wenig Neues. Der gefeuerte höchste Bundespolizist hat vor dem Kongress bereits über seine wenigen Interaktionen mit Trump berichtet. Das Buch fügt diesen bekannten Geschichten Farbe hinzu. Comey schreibt – und erzählt bereitwillig vor Mikrophon und Kamera –, dass Trumps Hände kleiner als seine eigenen gewesen seien. Der orange Teint mit weißen Augenringen habe Solariumbesuche verraten. Besonders stark habe Trump auf die im «Dossier» behauptete «Golden Shower»-Episode mit urinierenden Prostituierten in einem Moskauer Hotel reagiert. «Ich bin bakteriophob», habe er abgewehrt und gefragt: «Sehe ich aus wie einer, der Nutten braucht?»

Geld statt Glaubwürdigkeit

Indem er solche Details ausbreite, zerstöre Comey seine Glaubwürdigkeit, urteilt der Rechtsprofessor Jonathan Turley. «Comey verkauft sich mit dem Elan des Kardashian-Clans und der Bösartigkeit eines Trump», schreibt er. Frühere FBI-Direktoren oder Hauptfiguren politischer Skandale hätten jeweils Strafuntersuchungen abgewartet, bevor sie an die Öffentlichkeit getreten seien. «Nicht Comey. Timing ist alles bei einem ‹Tell-all›-Buch, und seine Story wird ihn jetzt zu einem extrem reichen Mann machen.»

Ob Comeys Kampagne Trumps politische Stellung schädigen wird, muss sich erst zeigen. Helfen werden ihm Comeys Attacken sicher nicht.

(L'essentiel/sut)

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