Abtreibungsverbot

09. August 2018 19:02; Akt: 09.08.2018 19:10 Print

Frauen in Argentinien schreien auf

In Argentinien bleiben Abtreibungen illegal. Was sagen Befürworter und Gegner von Schwangerschaftsabbrüchen dazu? Wir haben uns in Buenos Aires umgehört.

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«In bin traurig und auch etwas enttäuscht von unseren Politikern», sagt die 27-jährige Jana aus Buenos Aires. Ihr geht es wie Tausenden von Frauen, die in der Nacht auf Donnerstag vor dem Parlament in Buenos Aires bei Regen und Kälte darauf warteten, dass der argentinische Senat einen Gesetzentwurf zur Legalisierung von Abtreibungen absegnet. Doch nach 16-stündiger Debatte lehnten die Parlamentarier mit 38 gegen 31 Stimmen die Vorlage ab. Somit bleiben Schwangerschaftsabbrüche in Argentinien auch künftig eine Straftat.

Zehntausende Menschen hatten sich seit Mittwochmorgen auf den Straßen um das Parlament in der Hauptstadt Buenos Aires versammelt, um für oder gegen das Gesetz zu demonstrieren. Auf der einen Seite des Gebäudes sangen und tanzten mit ihren grünen Tüchern die Befürworter des Abtreibungsgesetzes. Auf der anderen Seite des Gebäudes standen und beteten mit hellblauen Tüchern die Gegner.

«Das ist eine mächtige Bewegung»

«Auch wenn wir das heute nicht geschafft haben, bin ich froh, dass diese Debatte zu einem großen Umdenken in der Gesellschaft geführt hat. Es wird über Feminismus und über Frauenrechte diskutiert. Das ist etwas, wofür wir schon lange gekämpft haben. In diesem Sinn haben wir gewonnen», sagt Ursula (29).

Auch Jana sieht das so: «Ich bin stolz auf den Kampf, den wir Frauen geführt haben. Auch wenn das Gesetz heute abgelehnt wird, ist das nicht das Ende, denn das hier ist keine Mode, das ist eine mächtige Bewegung.»

«Eine Ehre für Gott»

Unter den Abtreibungsgegnern herrscht Freude: «Ich bin sehr glücklich. Das ist eine Ehre für Gott und die Liebe», sagt Yolanda (38).

Auch die 57-jährige Victoria jubelt: «So ein Gesetz wäre Mord gewesen», sagt sie. Es sei nun die Aufgabe des Staates, den Frauen, die ihre Kinder nicht wollen, zu helfen. «Wir haben aber kein Recht, ein Lebewesen zu töten. Wir müssen schauen, dass wir beweglichere Adoptionsgesetze einführen können», sagt sie.

350.000 illegale Abtreibungen pro Jahr

Nach Bekanntwerden der Entscheidung kam es zu Tumulten. Demonstranten warfen Steine und Flaschen, außerdem zündeten sie Abfall an. Die Polizei setzte Tränengas ein und nahm mehrere Menschen fest. Die große Mehrheit blieb allerdings friedlich.

In Argentinien ist eine Abtreibung bislang nur im Fall von Vergewaltigung oder Lebensgefahr für die Mutter erlaubt. Nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums werden jedoch jährlich mehr als 350.000 illegale Abtreibungen durchgeführt. Rund 50.000 Frauen werden jährlich wegen Komplikationen nach solchen Eingriffen in Krankenhäuser eingeliefert.

Nach der gültigen Gesetzgebung von 1921 machen sich bei einer Abtreibung nicht nur die Ärzte, sondern auch die Frauen strafbar. Zwischen 2007 und 2016 sind in Argentinien 63 Menschen in Verbindung mit illegalen Abtreibungen vor Gericht verurteilt worden.

Der Papst mischte sich in die Debatte ein

Der Entwurf, der eine Abtreibung während der ersten 14 Tage der Schwangerschaft erlaubt, wurde Mitte Juni im Unterhaus abgesegnet.

Die Debatte hat die argentinische Gesellschaft gespalten. Die katholische Kirche – Argentinien ist das Heimatland von Papst Franziskus – kämpfte leidenschaftlich gegen die Verabschiedung des Abtreibungsgesetzes. Papst Franziskus schickte einen Brief an die Bischöfe – sie sollten «Leben und Gerechtigkeit» verteidigen.

Mit Material von SDA

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nix Abtreiben besser Verhüten am 10.08.2018 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ech halen och neicht vun Oofdreiwen. Oofdreiwen soll nemmen an speziellen Fäll erlabt sin. Et soll een machen dat een net Schwanger gëtt da brauch een herno net oofzedreiwen gëtt jo genug Verhüterli vir Sie an vir Heen.

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  • Leben u Gerechtigkeit für Zölibatäre am 10.08.2018 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Die zölibatären Kirchenherren, die nix mit Kinderkriegen am Hut haben und ihre Spermien sammeln für ihren einfältigen Gott u die arme Maria, die eh nur jungfräulich gebärt, sollten die Finger von den Frauen u ihrer Vagina lassen u sich um ihre eigenen Probleme kümmern, wie z.B. Pädophylie ... u liebe zölibatäre Patriarchen, masturbieren ist verboten, denn dadurch werden die ganzen Spermien getötet u das Handgelenk überlastet ... also aufgepasst, dass ihr Euch nicht an Euch selbst versündigt ... Abtreibung ist weniger schlimm als die plumpe Diktatur der zölibatären Patriarchen!...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Leben u Gerechtigkeit für Zölibatäre am 10.08.2018 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Die zölibatären Kirchenherren, die nix mit Kinderkriegen am Hut haben und ihre Spermien sammeln für ihren einfältigen Gott u die arme Maria, die eh nur jungfräulich gebärt, sollten die Finger von den Frauen u ihrer Vagina lassen u sich um ihre eigenen Probleme kümmern, wie z.B. Pädophylie ... u liebe zölibatäre Patriarchen, masturbieren ist verboten, denn dadurch werden die ganzen Spermien getötet u das Handgelenk überlastet ... also aufgepasst, dass ihr Euch nicht an Euch selbst versündigt ... Abtreibung ist weniger schlimm als die plumpe Diktatur der zölibatären Patriarchen!...

  • Nix Abtreiben besser Verhüten am 10.08.2018 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ech halen och neicht vun Oofdreiwen. Oofdreiwen soll nemmen an speziellen Fäll erlabt sin. Et soll een machen dat een net Schwanger gëtt da brauch een herno net oofzedreiwen gëtt jo genug Verhüterli vir Sie an vir Heen.

    • Dusninja am 10.08.2018 11:36 Report Diesen Beitrag melden

      Dat well d´katholesch Kerch jo oh net..

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