Wahlkampf

29. Juli 2018 16:41; Akt: 29.07.2018 16:45 Print

Gestatten, der «brasilianische Trump»

Er hasst Frauen, Schwule und Schwarze – und dennoch ist Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro in Brasilien sehr beliebt.

Jair Bolsonaro hat im Laufe seiner politischen Karriere zigmal umstrittene Aussagen gemacht. Hier einige Beispiele. (Video: Tamedia/Youtube)

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Die Ergebnisse der letzten Umfragen geben dem 62-jährigen Jair Bolsonaro allen Grund zum Feiern: Der rechtsextreme Kongressabgeordnete und brasilianische Präsidentschaftskandidat steht laut dem Institut Ibope mit 13 Prozent an zweiter Stelle. Vor ihm liegt nur der inhaftierte Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Dass dieser im Herbst überhaupt antreten darf, ist unwahrscheinlich. Damit gilt als so gut wie sicher, dass Bolsonaro in die wohl nötige Stichwahl kommt.

Die Präsidentschaftswahlen in Brasilien sind zwar erst im Oktober, doch das südamerikanische Land ist bereits voll im Wahlkampfmodus. Der Ex-Militär Bolsonaro präsentiert sich dabei als politischer Außenseiter und unbestechlicher Systemgegner, der gegen Korruption kämpft und mit Vetternwirtschaft aufräumen wird.

Schimpftiraden gegen Frauen, Schwarze und Schwule

Genau dieses Argument kommt bei den Brasilianern gut an. Dabei scheint es vielen egal zu sein, dass Bolsonaro sich immer wieder äußerst kontrovers gegenüber Homosexuellen, Schwarzen oder Frauen äußert (siehe Video). Die Liste ist lang:

• Über Frauen:

2003, als er schon für die Christdemokraten im Parlament saß, geriet er in einen Streit mit der Abgeordneten Maria do Rosário. Die Politikerin warf Bolsonaro vor, ein Vergewaltiger zu sein. Dieser antwortete darauf: «Ich vergewaltige dich nicht, weil du es nicht verdient hast, du Hure», sagte er, während er sie schubste.

Als er 2015 do Rosário gegenüber wieder eine ähnliche Aussage machte, verklagte sie ihn. Bolsonaro musste ihr eine Entschädigung von umgerechnet 2600 Euro bezahlen.

2017 sagte er bei einer Wahlveranstaltung: «Ich habe fünf Kinder. Vier Söhne, aber das letzte Kind kam mit einer Schwäche zur Welt, es war ein Mädchen.»

• Über Afrobrasilianer:

«Die Abkommen der Afrikaner taugen für gar nichts, nicht einmal für die Fortpflanzung sind sie gut».

• Über Homosexuelle:

«Wenn einer meiner Söhne schwul wäre, könnte ich ihn nicht lieben. Es wäre mir dann lieber, er würde bei einem Unfall ums Leben kommen.»

• Über Menschenrechte:

«Die Militärdiktatur zwischen 1964 und 1985 in Brasilien war eine wundervolle Zeit. Das einzige Problem ist, dass die Militärs die politischen Gefangenen nur gefoltert haben, anstatt sie gleich zu töten.»

Militärs sollen Minister werden

Während des Lastwagenstreiks vergangenen Mai kippte in Brasilien die Stimmung stark nach rechts. Weite Teile der Bevölkerung riefen plötzlich dazu auf, die Militärs sollen zurückkehren und für Ordnung sorgen. Ein gefundenes Fressen für Jair Bolsonaro, der selber einst Fallschirmjäger in den Streitkräften Brasiliens war.

Er verspricht seinen Wählern nun, einen General zum Vizepräsidenten zu machen und Offiziere als Minister einzusetzen, sollte er die Wahl im Herbst gewinnen.

Wirtschaftlich rechts – zum Missfallen seines Teams?

Wirtschaftlich positioniert sich Bolsonaro ebenfalls rechts. Er zählt auf die Unterstützung des neoliberalen Wirtschaftsgurus Paulo Guedes. Dieser will das Land mit den Privatisierungen staatlicher und halbstaatlicher Unternehmen wie dem Ölkonzern Petrobras aus der Krise führen.

Bei den Unternehmen mag dieses Konzept gut ankommen, doch sie könnten sich täuschen. Denn kämen tatsächlich Militärs an die Macht, würde wohl nichts daraus werden. Ihr Nationalstolz würde das kaum zulassen.

(L'essentiel/kle)

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