Mikrowellen-Attacke

12. September 2018 08:04; Akt: 12.09.2018 08:04 Print

Russen sollen Angriffe auf Kuba verübt haben

US-Geheimdienste sind fast sicher, dass Russland für die Mikrowellen-Angriffe auf US-Diplomaten in Kuba und China verantwortlich ist.

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Seit Ende 2016 rätselt Amerikas diplomatisches Korps darüber, was über zwei Dutzend Diplomaten und Angestellten der US-Botschaft in Kuba widerfuhr. In ihren Wohnhäusern, in Hotels und Restaurants klagten die Männer und Frauen über laute Geräusche, wurden taub, kriegten Schwindel und Kopfschmerzen und erlitten schwere Gehirnverletzungen. Unklar war sowohl die Ursache der rätselhaften Erkrankungen wie auch, wer dafür verantwortlich sein könnte.

Wie NBC am Dienstag berichtete, verdichtet sich der Verdacht jetzt auf Angriffe mit Mikrowellen durch russische Agenten. Fünf amerikanische Offizielle sagten der Fernsehkette, dass «signals intelligence» - abgelauschte Kommunikation - eine russische Urheberschaft nahelege. Die Experten haben jedoch noch nicht genügend Beweise gesammelt, um Moskau offiziell anklagen zu können.

26 Angestellte erkrankt

Die Erkrankungsfälle begannen im November 2016 in Havanna und wiederholten sich mit Unterbrüchen bis Herbst 2017. Nach einer längeren Pause wurden ab April Mai 2018 erneut Episoden festgestellt. Insgesamt erkrankten 26 US-Regierungsangestellte in Kuba.

Zuerst wurde vermutet, dass die lauten Töne und Beschwerden von Ultraschall oder Vireninfektionen stammen könnten. Auch die Möglichkeit einer Angstepidemie wurde erwogen.

Mikrowellen auf Schläfenlappen

Doch dann stießen Forscher auf den sogenannten Frey-Effekt. Der nach seinem Entdecker Allan Frey benannte Zusammenhang erklärt, dass Mikrowellenstrahlen in den Schläfenlappen des Gehirns Geräuschempfindungen auslösen können - sogar bei gehörlosen Menschen.

Seit langem ist zudem bekannt, dass solche elektromagnetischen Wellen von kurzer Wellenlänge Menschen und Tieren physische Verletzungen zufügen können. Deshalb versuchten im Kalten Krieg Ingenieure in den USA und in Russland, Mikrowellenwaffen zu entwickeln, berichtet die New York Times. Geplant war, Mikrowellen mit Antennenschüsseln zu bündeln und über größere Distanzen auszustrahlen.

Putin will Keil treiben

Die kubanische Regierung unter Raúl Castro hat seit Anbeginn erklärt, nichts mit den rätselhaften Erkrankungen zu tun gehabt zu haben. Attacken auf US-Personal würden auch nicht zu der Entspannungspolitik passen, mit der US-Präsident Barack Obama die zwei Länder einander näher bringen wollte.

Wie NBC mutmaßt, hatte jedoch Russland alles Interesse daran, einen Keil zwischen Kuba und die USA zu treiben. Präsident Putin wolle den verlorenen Einfluss der Sowjetunion in der Karibik ebenso wiederherstellen wie zum Beispiel in der Ukraine. Putin besuchte Kuba im Dezember 2000 und noch einmal im Juli 2014. Vor den US-kubanischen Versöhnungsgesprächen von 2015 und zu späteren Zeitpunkten ankerte das russische Spionageschiff Viktor Leonow im Hafen von Havanna.

Auch in China

Es gibt ein weiteres Indiz dafür, dass die Mikrowellenangriffe nicht auf das Konto Kubas gehen: Im diesjährigen Mai beschrieb ein Mitarbeiter der US-Konsulats in der chinesischen Stadt Guangzhou ganz ähnliche Traumata wie seine Kollegen in Kuba.

Steckt Putin dahinter, dann kann er die Angriffe als Erfolge verbuchen. US-Präsident Donald Trump, dem die Annäherung mit der kommunistisch regierten Insel ohnehin ein Dorn im Auge ist, hat das amerikanische Personal in Havana drastisch reduziert. Die dortige Regierung wird jedoch nicht aus der Verantwortung entlassen: Aus amerikanischer Sicht muss Kuba für die Sicherheit der US-Diplomaten sorgen.

(L'essentiel)

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