Giftanschlag in Grossbritannien

13. März 2018 17:47; Akt: 13.03.2018 17:54 Print

Russland fordert Zugang zu Giftproben

Moskau weist das Ultimatum aus London im Zusammenhang mit dem vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal zurück und droht mit eigenem Ultimatum.

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Im Konflikt um den vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal hat Russland ein britisches Ultimatum zurückgewiesen. Russland sei unschuldig und verlange Zugang zu den Nervengift-Proben, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag.

Lawrow warf London vor, sich nicht an die Vorgaben der Chemiewaffenkonvention zu halten. «Bevor uns jemand Ultimaten stellt, sollte er seine eigenen Verpflichtungen laut dem internationalen Recht erfüllen», sagte er bei einer Medienkonferenz in Moskau.

Demnach hätte Großbritannien laut der Chemiewaffenkonvention eine offizielle Anfrage zu dem eingesetzten Nervengift schicken und Russland Zugang zu der Substanz gewähren müssen.

«Über eine offizielle Note haben wir Zugang zu dieser Substanz» und zu weiteren Ergebnissen der britischen Ermittler gefordert, sagte Lawrow. «Unsere Anfragen wurden abgelehnt.» Russland sei im Fall Skripal «unschuldig» und zur Zusammenarbeit bereit - wenn Großbritannien seinerseits kooperiere.

«Wie im Kolonialismus»

Zugleich warf der russische Chefdiplomat Großbritannien ein Verhalten wie im «Kolonialismus» vor. Außerdem wurde der britische Botschafter in Moskau, Laurie Bristow, einbestellt, wie Lawrows Sprecherin Maria Sacharowa mitteilte. Sacharowa hatte die britischen Vorwürfe zuvor als «Zirkusveranstaltung» bezeichnet.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte am Montagabend erklärt, Russland sei «höchstwahrscheinlich» für den Nervengift-Angriff auf den russischen Ex-Agenten Skripal und seine Tochter Julia in Großbritannien verantwortlich. Das verwendete Gift aus der Gruppe der in Russland entwickelten Nowitschok-Substanzen sei «von militärischer Qualität».

USA stehen «engstem Verbündeten» bei

Die USA, die EU und die Nato haben sich in dem sich zuspitzenden Konflikt zwischen Großbritannien und Russland hinter London gestellt. Der Vize-Präsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, sicherte London am Dienstag die «unmissverständliche, unerschütterliche und sehr starke europäische Solidarität» zu. Die Verantwortlichen des Giftangriffs müssten bestraft werden.

US-Außenminister Rex Tillerson bekräftigte, bevor er am Dienstag von US-Präsident Donald Trump entlassen wurde, Washington habe «volles Vertrauen» in die britischen Ermittlungen und die Einschätzung, dass Russland wahrscheinlich verantwortlich für die Nervengiftattacke sei.

Die USA erklärten schon tags zuvor, die Regierung von Präsident Donald Trump stehe ihrem «engsten Verbündeten» Großbritannien bei. Der Gift-Einsatz gegen britische Bürger auf britischem Boden sei empörend, sagte Sarah Sanders, Sprecherin des Weißen Hauses. «Der Angriff war rücksichtslos, willkürlich und unverantwortlich. Wir verurteilen ihn auf das Schärfste.»

Westliche Staaten hinter London

Eine Sprecherin des französischen Außenministeriums verurteilte eine «absolut inakzeptable Attacke» und sicherte London die Solidarität Frankreichs zu. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte, der Einsatz eines jeden Nervenkampfstoffes sei «abscheulich» und «völlig inakzeptabel». Als «sehr besorgniserregend» bezeichnete der Leiter der Organisation für das Verbot chemischer Waffen, Ahmet Üzümcü, den Fall Skripal.

Der britische Außenminister Boris Johnson begrüsste die internationale Unterstützung für sein Land im Streit mit Russland. Er lobte die Bereitschaft der «Freunde» Großbritanniens, Solidarität zu zeigen.

Nervengift über Autolüftung

Der 66-jährige frühere russische Agent und seine 33-jährige Tochter Julia waren am 4. März in Salisbury südwestlich von London bewusstlos auf einer Bank aufgefunden worden. Sie wurden mit lebensgefährlichen Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus eingeliefert.

Der britische Rundfunksender BBC berichtete, die Ermittler gingen inzwischen davon aus, dass das Nervengift in Pulverform über die Lüftung von Skripals Auto verteilt wurde.

Der langjährige Geheimdienstoffizier war 2006 in Russland wegen Spionage für Großbritannien zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Im Zuge eines spektakulären Gefangenen-Austauschs kam er 2010 nach Großbritannien.

(L'essentiel/oli/sda)

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