Anti-Muslim-Propaganda

29. November 2017 21:48; Akt: 29.11.2017 21:52 Print

Trump löst mit Retweets Shitstorm aus

Mit dem Verbreiten von Videos einer islamfeindlicher Gruppe aus Großbritannien hat Donald Trump sogar Theresa May empört.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

US-Präsident Donald Trump hat auf Twitter drei Videos weiterverbreitet, die von einer islamfeindlichen britischen Gruppe ins Internet gestellt wurden. Bei den sogenannten Retweets handelte es sich um Aufnahmen, die von Jayda Fransen, Vizechefin der Gruppe Britain First, auf dem Kurznachrichtendienst verbreitet wurden.

Ihrer Darstellung zufolge ist zu sehen, wie ein Teenager zu Tode geprügelt, ein Junge auf Gehhilfen geschlagen und eine christliche Statue zerstört wird. Alle drei Taten sollen ihr zufolge von Muslimen begangen worden sein.

May nennt Retweets «falsch»

Die britische Regierung kritisierte Trump und bezeichnete die Retweets als «falsch». «Britain First versucht Gemeinschaften durch ihre hasserfüllten Narrative zu spalten, die Lügen verbreiten und Spannungen anheizen. Sie erzeugen Angst bei rechtschaffenen Leuten», sagte ein Regierungssprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

«Die Briten lehnen die mit Vorurteilen geladene Rhetorik der extremen Rechten ab, die den Werten dieses Landes widersprechen: Anstand, Toleranz und Respekt.» Jayda Fransen sagte der Nachrichtenagentur Reuters über die Weiterverbreitung ihrer Tweets durch den US-Präsidenten: «Ich bin hocherfreut.» Sie war in der Vergangenheit zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil sie eine muslimische Frau in einem Hidschab religiös beleidigt hatte.

Britain First bezeichnet sich selbst als Loyalistenbewegung, die sich gegen Masseneinwanderung und radikale Islamisten stellt. Sie fordert ein umfassendes Verbot des Islams in Großbritannien. Kritiker bezeichnen sie als rassistisch.

Im Juni 2016 hatte ein Gewalttäter die Worte «Britain First» gerufen, nachdem er kurz vor dem Brexit-Votum die Parlamentarierin Jo Cox ermordet hatte. Deren Ehemann Brandan Cox verurteilte Trumps Unterstützung für die Tweets.

Video zeigt was anderes

Mit der Bezeichnung «falsch» scheint die Regierung äußerst richtig gelegen zu haben. Laut mehreren Medienberichten haben die holländischen Behörden in der Zwischenzeit bestätigt, dass es sich bei einem Fall aus einem Video nicht wie beschrieben um einen muslimischen Migranten als Täter, sondern um einen Holländer handelte. Fransen erklärte zuvor, die Videos stammten aus verschiedenen Stellen im Internet.

Neben Theresa May hat auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan klare Worte gefunden: «Britain First ist eine abscheuliche, hasserfüllte Organisation, deren Ansichten man verurteilen und nicht verstärken soll.»

Politiker Tim Farron macht sich derweil Sorgen um den sogenannten «roten Knopf»: «Der Finger, der die Aussage britischer Faschisten retweetet hat, ist derselbe Finger, der auf dem nuklearen Knopf liegt.»

Auch der britische Autor und Reporter Piers Morgan kritisierte die Tweets des US-Präsidenten. Er sprach von «unbestätigten Videos von Britain First, einer Horde widerlich rassistischer Rechtsextremer». «Bitte stoppen Sie diesen Irrsinn und nehmen Sie diese Retweets zurück.»

Der Labour-Abgeordnete David Lammy ist ebenfalls empört. «Der Präsident der Vereinigten Staaten wirbt für eine faschistische, rassistische und extremistische Haßgruppierung, deren Anführer festgenommen und verurteilt worden sind.»

Bereits zuvor löste der Retweet einen Sturm der Entrüstung auf Social Media aus. Eine Twitter-Nutzerin macht auf den Widerspruch von Trumps Anprangern von Fake-News und seinen Retweets von Videos, deren Echtheit umstritten ist, aufmerksam.

Ein anderer weist auf Fransens Verurteilung wegen Beschimpfung einer muslimischen Frau vor ihren Kindern hin. «Das ist die Person, die Trump gerade dreimal retweetet hat.»

Rückendeckung erhielt Trump bisher nur von der Pressesprecherin des Weißen Hauses. Gegenüber den Reportern äußerste sie, dass es nicht darauf ankomme, ob das Video echt sei, denn «die Bedrohung ist echt».

Trump hatte sich im Wahlkampf für ein Einreiseverbot für Muslime in die USA ausgesprochen. Als Präsident hat er mehrere Anläufe unternommen, die Einreisevorschriften zu verschärfen, ist dabei jedoch von Gerichten gebremst worden.

(L'essentiel/sep/sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.