Rund 60.000 Opfer

22. Oktober 2018 14:42; Akt: 22.10.2018 14:44 Print

«Abscheulichkeit wurde zu lange übersehen»

Zehntausende Kinder sind in australischen Institutionen Opfer von sexuellem Missbrauch geworden. Nun hat sich die Regierung offiziell dafür entschuldigt.

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Australiens Regierungschef Scott Morrison hat sich bei Opfern von sexuellem Kindesmissbrauch in Institutionen wie der katholischen Kirche offiziell entschuldigt. Das Land müsse die «verlorenen Schreie unserer Kinder» anerkennen und um Verzeihung bitten, sagte er.

«Heute steht Australien vor einem Trauma, einer Abscheulichkeit, die zu lange trotz ihrer Augenscheinlichkeit übersehen wurde», sagte der Premierminister, dessen Stimme immer wieder brach, am Montag vor dem australischen Parlament, in dem sich zahlreiche Opfer und deren Familien eingefunden hatten. Australien habe lange «nicht zugehört, nicht geglaubt und keine Gerechtigkeit geboten».

«Von Feinden aus unserer Mitte»

Der Missbrauch sei von «Australiern an Australiern» begangen worden, von «Feinden aus unserer Mitte», sagte Morrison mit bebender Stimme. «Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt» habe es in Schulen, Kirchen, Jugendgruppen, Sportvereinen und Kinderheimen Missbrauch gegeben.

Den Opfern, Eltern, Familien und auch den nicht gehörten Informanten sprach er öffentlich eine Entschuldigung aus: «Sorry.» Morrison kündigte die Errichtung eines Museums an, um das Bewusstsein über sexuellen Missbrauch von Kindern zu stärken. Die Abgeordneten erhoben sich nach seiner Rede zu einer Schweigeminute.

Über sechseinhalb Jahrzehnte hinweg missbraucht

Zehntausende Kinder sind in australischen Institutionen – darunter auch Einrichtungen der katholischen Kirche – Opfer von sexuellem Missbrauch geworden, wie eine Kommission 2017 nach fünf Jahren dauernden Untersuchungen befand. Die genaue Zahl der Opfer ist bis heute nicht bekannt.

Dem Bericht zufolge wurden Kinder über sechseinhalb Jahrzehnte hinweg in mindestens 4000 Einrichtungen missbraucht – in Schulen, Kirchen, Heimen, Internaten. Meist waren die Opfer Jungen. Geschätzt wird, dass etwa 60.000 Menschen in Australien Anspruch auf Entschädigung geltend machen könnten.

Viele Opfer begrüssten Morrisons Entschuldigung, doch es gab auch kritische Stimmen. Richard Jabara, der als Kind in den 1970er Jahren Opfer eines katholischen Priesters wurde, weinte, während er Morrisons Ansprache bei einer öffentlichen Übertragung in Melbourne verfolgte.

«Es war sehr emotional für mich, sehr herzlich», sagte er der australischen Nachrichtenagentur AAP. «Für Leute wie uns ist es wichtig, dass man uns glaubt. Wir waren allein über einen langen Zeitraum. Mir war es peinlich, meiner Familie überhaupt zu erzählen, dass mir das passiert ist.»

«Es gibt nichts, um den Schmerz zu lindern»

Michael Delany war 16 Jahre alt, als er in einem Jugendzentrum missbraucht wurde. Die Entschuldigung eines Politikers könne da wenig bewirken. «Es gibt nichts, was sie tun können, um den Schmerz zu lindern. Es wird immer da sein, es gibt keinen einzigen Tag, an dem man nicht mit sich ringt oder weint», sagte Delany.

Einige verließen das Parlament wütend. Die Kirche komme ungestraft davon, sagt etwa Rick Venero. Er war an einer Maristen-Schule missbraucht worden. Auch sein bester Freund sei ein Missbrauchsopfer gewesen und habe sich das Leben genommen.

«Es ist eigentlich ziemlich erschütternd, hierher zu kommen, und alle stehen dahinter. Und die Macht dieser Institutionen bedeutet, dass nichts wirklich passiert», sagte er der Agentur AAP in Canberra.

(L'essentiel/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kotz & Übel am 26.10.2018 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    Die Kirche braucht den sexuellen Missbrauch zur Unterdrückung von Männern Frauen und Kindern, um sie zu zwingen ihrem patriarchalen Unterdrückungslügengerüst zu glauben!!! ...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kotz & Übel am 26.10.2018 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    Die Kirche braucht den sexuellen Missbrauch zur Unterdrückung von Männern Frauen und Kindern, um sie zu zwingen ihrem patriarchalen Unterdrückungslügengerüst zu glauben!!! ...