US-Truppenabzug Afghanistan

07. Juli 2021 11:35; Akt: 07.07.2021 12:07 Print

Amerikas Rückzug stößt auf Kritik

Die USA ziehen sich aus Afghanistan zurück. 90 Prozent der Truppen sind bereits abgezogen, sagt das Pentagon. Die Art und Weise, wie das geschieht, sorgt für Kritik.

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Trotz des Vormarschs der Taliban in Afghanistan schreitet der Abzug der US-Truppen aus dem Land voran. Der Abzug sei zu mehr als 90 Prozent abgeschlossen, teilte das Pentagon am Dienstag in Washington mit. Die Menge des bislang ausgeflogenen Materials entspreche mehr als 980 Ladungen von C-17-Transportflugzeugen.

Seit der Abzugsentscheidung von US-Präsident Joe Biden im April hätten die US-Streitkräfte außerdem sieben Einrichtungen an das afghanische Verteidigungsministerium übergeben. Ende vergangenen Monats hatte es geheißen, die US-Regierung wolle den Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan bis Ende August abschließen.

«Das ist ein fataler Schlag»

Ohne weitere Ankündigung zogen die US-Truppen in der Nacht auf den 3. Juli vom Waffenstützpunkt Bagram ab, etwa 70 Kilometer außerhalb Afghanistans Hauptstadt Kabul. Der Stützpunkt wurde an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. Rund um diesen Truppenabzug hatte es große Kritik gegeben.

«Das hat der afghanischen Regierung den Boden unter den Füssen weggezogen», sagt Christoph Reuter, Afghanistan-Experte beim «Spiegel». «Sie haben immer behauptet, die Amerikaner würden niemals gehen». Reuter stört sich vor allem auch über die Art und Weise, wie der Truppenabzug ablief: «Jetzt verschwinden die Amerikaner, ohne sich auch nur zu verabschieden. Das ist ein absolut fataler Schlag.»

«Wie komme ich hier raus?»

Bereits rücken die radikalislamischen Taliban im Norden des Landes weiter vor, ohne dass ihr die afghanischen Streitkräfte groß etwas entgegenzusetzen hätten. Besonders diejenigen Afghaninnen und Afghanen, die mit den US-Amerikanern zusammengearbeitet haben, fürchten sich davor. «Sie überlegen sich panisch: Wie komme ich hier am besten raus?», berichtet Christoph Reuter. Er befürchtet eine Flüchtlingswelle in Richtung Pakistan und Iran.

Die US-Armee verteidigt ihr Vorgehen. «Zivile und militärische Führungskräfte in Afghanistan seien angemessen über die Übergabe des Stützpunkts informiert worden, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Dienstag. Er reagierte auf Berichte, wonach etwa der neue afghanische Kommandeur nicht ausreichend informiert wurde und es an Koordination mit den Afghanen gemangelt haben soll.

Aufs Ausland angewiesen

Aus Sicherheitsgründen habe man zum Beispiel nicht über die exakte Uhrzeit des Abzugs informiert, sagte Kirby. Man sei vorsichtig gewesen bei den Details, aber es habe Koordination gegeben. «Es war eine Übergabe. Und somit hat es auch Übergabe-Gespräche mit afghanischen Anführern gegeben.» Das Ganze sei nicht heimlich geschehen. Es wäre aber unverantwortlich gewesen, vorher etwa die genaue Uhrzeit zu nennen.

Die Hoffnungen der internationalen Diplomatie beruhen nun darauf, die Taliban und die afghanische Regierung am Verhandlungstisch zu einer Lösung zu bewegen. Afghanistan ist dringend auf internationale Hilfe angewiesen: Ein Drittel der Bevölkerung ist von Lebensmittel-Lieferungen aus dem Ausland abhängig.

(L'essentiel/dpa/her)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jean-paul am 07.07.2021 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die USA greifen ein Land an, unter dem Vorwand die radikalen Islamisten bekämpfen zu wollen, und überlassen das gleiche Land jetzt eben diesen Islamisten nachdem sie deren Gegner beseitigt haben. und unsere Politiker klatschen noch Beifall

  • Octopus am 07.07.2021 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ma de Biden muss lo dofir suergen dat Taliban lo rem waffen kaafen dat hien an seng kollegen all deck Geld verdengen, duerno verkaafen se dem Us Militär der an an 2 Joer gin GI'en rem dohin. Dat leeft dach schon 30 Joer esou.

Die neusten Leser-Kommentare

  • jean-paul am 07.07.2021 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die USA greifen ein Land an, unter dem Vorwand die radikalen Islamisten bekämpfen zu wollen, und überlassen das gleiche Land jetzt eben diesen Islamisten nachdem sie deren Gegner beseitigt haben. und unsere Politiker klatschen noch Beifall

  • Octopus am 07.07.2021 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ma de Biden muss lo dofir suergen dat Taliban lo rem waffen kaafen dat hien an seng kollegen all deck Geld verdengen, duerno verkaafen se dem Us Militär der an an 2 Joer gin GI'en rem dohin. Dat leeft dach schon 30 Joer esou.