Nord- und Südkorea

20. August 2018 16:26; Akt: 21.08.2018 14:36 Print

Auf diese Umarmung warteten sie 68 Jahre lang

Sie sah ihren Sang Chol das letzte Mal, da war er vier Jahre alt. Heute ist er 71 Jahre alt. Erst jetzt kann Lee Keum Seom ihren Sohn in die Arme schließen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema

Nach mehr als sechs Jahrzehnten haben sich durch den Krieg getrennte Familienmitglieder aus Nord- und Südkorea erstmals wiedergesehen. Das dreitägige Treffen begann am Montag in der nordkoreanischen Tourismusregion am Berg Kumgang.

Lee Keum Seom (92) ist eines der Mitglieder der 89 glücklichen südkoreanischen Familien, die aus 57.000 Anmeldungen ausgewählt worden waren. 68 Jahre wartete sie auf diesen Moment: ihren Sohn Sang Chol umarmen zu können.

«Gebetet, dass er gesund bleibt»

Die 92-Jährige sagte, sie habe nicht damit gerechnet, dass sie diesen Tag erleben werde. «Ich habe nicht einmal gewusst, ob er noch lebt oder nicht», fügte die kleine, zerbrechlich wirkende Frau hinzu. «Ich habe dafür gebetet, dass er gesund bleibt und alt wird, damit ich ihn noch einmal sehen kann.»

Als sie und ihre Tochter – damals ein Baby – aus Nordkorea flohen, war ihr Sohn vier Jahre alt. Heute ist er ein alter Mann von 71 Jahren. Tränen flossen, zunächst gab es kaum Worte. Mit feuchten Augen ergriff sie Sang Chols Hand und fragte: «Wie viele Kinder hast du?». Später zeigte er seiner Mutter das Foto seines mittlerweile verstorbenen Vaters, bei dem er geblieben war. Während des ganzen Treffens ließen sich die beiden nicht los, hielten sich stets an den Händen.

101-Jähriger trifft Enkelin

Der älteste Teilnehmer der diesjährigen Fahrt nach Nordkorea, Baik Sung Kyu, ist 101 Jahre alt. Für das Treffen mit seiner Schwiegertochter und seiner Enkeltochter hat er Kleidung, Unterwäsche, 30 Paar Schuhe, Zahnbürsten und Zahnpasta als Geschenke eingepackt. «Ich habe auch 20 rostfreie Löffel mitgebracht. Ich habe alles gekauft, denn das ist mein letztes Mal», sagte er.

Durch den Koreakrieg (1950 bis 1953) waren Millionen Menschen getrennt worden. Viele engste Angehörige haben sich seither nicht mehr gesehen.

Nun wird die Zeit für viele der Betroffenen allmählich knapp. Die meisten derjenigen, die noch immer auf ein Wiedersehen mit ihren Verwandten aus dem Norden hoffen, sind inzwischen über 80 Jahre alt.

Nur drei Stunden alleine

Die Teilnehmer des dreitägigen Treffens werden nur etwa elf Stunden miteinander verbringen – meist unter den wachsamen Augen ihrer nordkoreanischen «Betreuer». Für das private Zusammensein stehen nur drei Stunden zur Verfügung.

Insgesamt gab es seit der Jahrtausendwende 20 Familienzusammenführungen mit rund 23.500 Teilnehmern. Zuletzt fanden sie im Jahr 2015 statt, danach hatten sich die Beziehungen durch nordkoreanische Atom- und Raketentests wieder verschlechtert.

Kontaktaufnahme ist unmöglich

Nord- und Südkorea hatten zu Jahresbeginn einen Kurs der Annäherung gestartet. Beide Seiten vereinbarten unter anderem, wieder häufiger Familientreffen zu veranstalten. Die getrennten Familien haben de facto keine Möglichkeiten zum Kontakt. Es gibt weder eine direkte Flug- noch Landstrecke zwischen den zwei Koreas, keine zivilen Telefon- oder Postverbindungen.

Pjöngjang schottet seine Bürger strikt von Informationen über die Außenwelt ab und verweigert einem Großteil seiner Bevölkerung den Zugang zum Internet. Doch auch in Südkorea muss jeder Kontakt zu Nordkorea zuvor von der eigenen Regierung genehmigt werden.

Vorangehende Gipfeltreffen

Im April hatten der südkoreanische Präsident Moon Jae In und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un ihr erstes Gipfeltreffen im Grenzort Panmunjom in der entmilitarisierten Zone abgehalten. Im Mai waren die beiden Staatsoberhäupter überraschend ein weiteres Mal in Panmunjom zusammengetroffen.

Damit bahnten sie auch den Weg für den Gipfel zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump im Juni in Singapur. Bei dieser Gelegenheit sagte Kim eine Denuklearisierung seines Landes zu. Die Umsetzung dieser Ankündigung ist allerdings offen. Trump kündigte an, an den strengen Sanktionen werde festgehalten, um Druck auf Pjöngjang auszuüben.

(L'essentiel/gux/sda/afp)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • German_Nonsense am 21.08.2018 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    "Sie sah ihren Sang Chol das letzte Mal, das war er vier Jahre alt." Das als Tagline.... kompetentes deutsches Redaktionsteam!

Die neusten Leser-Kommentare

  • German_Nonsense am 21.08.2018 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    "Sie sah ihren Sang Chol das letzte Mal, das war er vier Jahre alt." Das als Tagline.... kompetentes deutsches Redaktionsteam!