Zweifel an Echtheit

15. Oktober 2020 20:48; Akt: 15.10.2020 21:04 Print

Aufregung um angebliche Biden-​​Mails

Geleakte Mails sollen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden belasten. Doch die Dokumente könnten manipuliert worden sein und etwas anderes dahinterstecken.

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Die New York Post hat am Mittwoch unter Berufung auf ihr zugespielte E-Mails den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden unter Beschuss genommen. Dabei wärmt das konservative Boulevardblatt eine eigentlich alte Geschichte auf: Joe Biden sei 2015 als US-Vizepräsident gegen den ukrainischen Generalstaatsanwalt vorgegangen, als dieser wegen Korruption gegen eine ukrainische Firma ermittelt hatte, in deren Vorsitz Bidens Sohn Hunter saß (siehe Box).

Joe Biden beteuert seit je, er habe mit seinem Sohn nie über dessen Auslandsgeschäfte gesprochen. Nun sollen die Mails der «New York Post» das Gegenteil beweisen. Darin bedankt sich ein hoher Mitarbeiter der besagten ukrainischen Firma bei Hunter für das Treffen mit dessen Vater Joe. Das beweise, so die Post, dass Biden gelogen habe, als er bestritt, mit den Geschäften seines Sohnes zu tun gehabt zu haben.

Echt oder ein «Hack and Leak»?

Ob die präsentierten Mails aber auch wirklich echt sind, bezweifeln Experten. Sie verweisen auf «die zweifelhafte Quelle der Dokumente und Ungereimtheiten in den Bilddateien, auf denen die angeblichen Biden-Mails zu sehen waren», wie Spiegel.de schreibt. Es sei so auch gut möglich, dass die US-Boulevardzeitung sich für eine «Hack and Leak»-Operation habe einspannen lassen.

Das bedeutet: Jemand hat nicht autorisierten Zugang zu brisanten Dokumenten und sorgt dafür, dass sie veröffentlicht werden. Oft werden dabei auch Teile der Dokumente ge- oder verfälscht. Geheimdienste aus aller Welt greifen seit Jahrzehnten gerne auf diese Methode zurück.

Bereits im Wahlkampf 2016 fanden «Hack and Leak»-Operationen statt – etwa als das E-Mail-Postfach von Hillary Clintons Wahlkampfleiter durch russische Geheimdienste offengelegt wurde. Deswegen warnen Experten wie der Politologe und Propaganda-Experte Thomas Rid von der Johns Hopkins University vor «Hack and Leak»-Versuchen auch im Rennen 2020.

Twitter und Facebook unterbinden Verbreitung

Er unterstreicht zudem, dass solche Operationen weit einflussreicher seien als Desinformationskampagnen im Netz. Dies zeigte sich etwa 2016 beim Skandal um die Clinton-Mails: «Was öffentlich und zum Nachteil der Demokraten diskutiert wurde, war der Inhalt der geleakten E-Mails, nicht die Motivation der Hacker», so der Spiegel.

Dass es diesmal nicht so weit kommt, könnte auch am scharfen Eingreifen von Plattformen wie Facebook oder Twitter liegen. Twitter unterband die Verbreitung des Artikels der New York Post schlicht. Das Unternehmen verwies zur Begründung auf Regeln gegen die Verbreitung von Informationen, die durch «Hacking» beschafft worden seien und private Daten enthielten. Der Bericht schaffe außerdem nicht genug Klarheit zur Herkunft des veröffentlichten Materials. Auch Facebook schränkte nach eigenen Angaben die Verbreitung des Artikels ein.

… und Trump tobt

Die Unterbindungschritte zogen den vollen Zorn von US-Präsident Trump nach sich, der den sozialen Plattformen Parteinahme für Biden und Zensur vorwarf: «Sie versuchen, Biden zu schützen», klagte er bei einem Wahlkampfauftritt in Des Moines, Iowa.

Auch die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, und Stabschef Mark Meadows warfen Twitter im Umgang mit dem Zeitungsbericht «Zensur» vor. Die Trump-Regierung bezichtigt Online-Plattformen wie Twitter und Facebook schon lange, die Verbreitung konservativer Ansichten einzuschränken. Die Dienste bestreiten dies.

(L'essentiel/Ann Guenter)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • please don't cry am 16.10.2020 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Fir wéi blöd halen se eis? Den Obamagate, déi 35.000 mails vun der Clinton déi lo mam Freedom of information act publique gemach gi sin, die Fake news mam russeschen Hack, d'Corruptioun vum Biden, alles kënt lo raus also schnallt iesch un well et waert schaukelen.

  • CQFD am 16.10.2020 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Tjo, wann Twitter an Facebook scho soen dass et falsch ass da muss et bal richteg sinn.

  • René am 16.10.2020 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    deen ass nach schlemmer ewei den Trump

Die neusten Leser-Kommentare

  • CQFD am 16.10.2020 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Tjo, wann Twitter an Facebook scho soen dass et falsch ass da muss et bal richteg sinn.

  • please don't cry am 16.10.2020 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Fir wéi blöd halen se eis? Den Obamagate, déi 35.000 mails vun der Clinton déi lo mam Freedom of information act publique gemach gi sin, die Fake news mam russeschen Hack, d'Corruptioun vum Biden, alles kënt lo raus also schnallt iesch un well et waert schaukelen.

  • René am 16.10.2020 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    deen ass nach schlemmer ewei den Trump