Neue Regierung

15. Dezember 2017 07:00; Akt: 14.12.2017 22:23 Print

Bermuda kippt Homo-​​Ehe nach nur sechs Monaten

Erst vor einem halben Jahr hat die Regierung auf Bermuda die gleichgeschlechtliche Ehe für legal erklärt. Jetzt kommt die Kehrtwende.

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Homosexuelle jubelten, als das britische Überseegebiet Bermuda im Mai das Verbot für die gleichgeschlechtliche Ehe aufhob. Der Entscheid kam vom Obersten Gerichtshof, der das Verbot als Verletzung der Menschenrechte erachtete. Die damals regierende One Bermuda Alliance akzeptierte das Urteil. Kurz darauf ließen sich erste lesbische und schwule Paare auf der Insel trauen.

Nur wenige Monate später ist die Ehe für alle wieder Geschichte. Im Juli kam es zu einem Regierungswechsel, bei dem die Progressive Labour Party an die Spitze gelangte. Sie bekämpft das neue Gesetz – und zwar mit Erfolg: Vergangenen Freitag entschied das Unterhaus mit 24 zu zehn Stimmen, die gerichtliche Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare zurückzunehmen. Am Mittwoch verabschiedete der Senat diesen Schritt dann endgültig. Die Ehe ist damit wieder nur für Mann und Frau möglich.

Verheiratet bleibt verheiratet

Gleichzeitig räumten Bermudas Volksvertreter gleichgeschlechtlichen Paaren sogenannte «domestic partnerships» ein, eine Reihe von Rechten und Schutzbestimmungen. Und die gleichgeschlechtlichen Paare, die schon vor dem 8. Dezember 2017 verheiratet wurden, gelten auch weiterhin als Ehepaar. Verschiedenen Quellen zufolge sind es deren sechs oder sieben.

Als Wegbereiter für die gleichgeschlechtliche Ehe auf den Bermudas gelten Greg DeRoche und Winston Godwin. Sie hatten das Recht zu heiraten eingeklagt und vom Obersten Gericht auch eingeräumt erhalten. Winston Godwin-DeRoche lebt mit seinem Mann mittlerweile in Kanada und äußerte sich auf seinem Instagram-Account: «Egal, was die Regierung mit ihrem Votum sagt: Ihr werdet geliebt. Ihr werdet respektiert. Ihr werdet geschätzt», versucht er die LGBT-Gemeinschaft aufzumuntern. Doch die Enttäuschung ist groß: «Es ist eine Schande, dass es nach einem so langen Kampf dazu kam.»

To The LGBTQ Community and it's Allies, Regardless of what happens in the coming hours, days and weeks, and despite what our Government says with its vote, you are loved. You are respected. You are worthy. It's a shame that it has come to this after such a long fought battle on all our parts. We are truly sorry that this is the climate and reality we face. Lastly, thank you! Thank you for everything YOU as a community have done and continue to do to push our country forward. None of this would have been possible without each and every one of you. While it is very likely marriage equality will be reversed, I think it is important to acknowledge how far we have come and what we have been able to achieve together. Because of each and everyone of you, we have been able to change the lives of 7 beautiful couples and we have shown Bermuda that love can win regardless whether or not "the country is ready for it". Moving forward lets not hang our heads in disappointed, but hold them high. Look what can be achieved when we work together and fight with LOVE, for LOVE. Winston and Greg Ein Beitrag geteilt von Winston Godwin (@winsational) am 8. Dez 2017 um 6:46 Uhr

Bermudas Tourismuschef Kevin Dallas versuchte vor der Abstimmung im Senat noch eine Kehrtwende zu erreichen. «Wir glauben, dass das neue Gesetz eine unnötige Bedrohung des Erfolgs unserer Tourismusindustrie darstellt», schrieb er in einem Brief an die Politiker. Dallas, selber homosexuell, befürchtet, dass die Bermudas mit diesem Entscheid international einen schlechten Ruf erlangen – und die Touristen wegbleiben.

Ein gelungener Kompromiss?

Die Regierung hingegen spricht von einem gelungenen Kompromiss zwischen beiden Lagern im Parlament. Die einen wollten gleichgeschlechtlichen Paaren gar keine rechtliche Anerkennung bieten, die andere die Ehe für alle beibehalten. Die neue Gesetzgebung verschaffe der LGBT-Gemeinschaft nun die gewünschten Vorteile und halte die traditionelle Definition des Ehe-Begriffs aufrecht.

Crystal Caesar, Senatorin der Regierungspartei, hielt fest: «Die Gesellschaft unterstützt die gleichgeschlechtliche Ehe weitgehend nicht und ist zurzeit noch nicht bereit, sie zu akzeptieren.»

(L'essentiel/kko)

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