Lauschangriff beim G-20

17. Juni 2013 09:16; Akt: 17.06.2013 09:40 Print

Britische Spione hörten Diplomaten ab

Nicht nur der US-Geheimdienst NSA erweist sich als Datenkrake: Die britischen Kollegen vom GCHQ spionierten laut Whistleblower Ed Snowden ausländische Diplomaten aus.

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Dem GCHQ gelang es laut den Dokumenten, die BlackBerrys von Diplomaten zu hacken. (Bild: Keystone/AP/Sunday Alamba)

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Was mag James Bond dabei denken? Britische Spione haben bei internationalen Konferenzen im Vereinigten Königreich ausländische Diplomaten ausgekundschaftet, indem sie sich ihre E-Mail-Passwörter beschafften und ihre Telefongespräche abhörten. Dies schreibt die Zeitung «The Guardian», basierend auf Informationen des amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden, der zuvor Praktiken des US-Geheimdienstes NSA enthüllt hatte. Der Bericht erfolgte am Vorabend einer weiteren wichtigen Konferenz, bei dem die britische Regierung Gastgeber ist: Dem G-8-Gipfel in Nordirland.

Durchgeführt wurden die Operationen laut «Guardian» vom Abhördienst des Government Communications Headquarters (GCHQ), dem britischen Pendant des NSA, zum Beispiel beim G-20-Gipfel 2009 in London. Snowden habe mehr als ein halbes Dutzend interne Dokumente geliefert, die GCHQ-Operationen wie das Eindringen in das Computernetzwerk des südafrikanischen Außenministeriums belegten. Auch die türkische Delegation sei Ziel gewesen. Es sei sogar ein «verwanztes» Internet-Café eingerichtet worden.

«Die diplomatischen Auswirkungen hiervon könnten beträchtlich sein», sagte der britische Wissenschaftler Richard Aldrich, der ein Buch über die Geschichte des GHCQ geschrieben hat. Das GCHQ äußerte sich zunächst nicht zu dem «Guardian»-Bericht.

Gemeinsames Netzwerk

Edward Snowden, der für die NSA gearbeitet hatte, überließ dem «Guardian» Material, das die Zeitung als «Powerpoint-Präsentation», «Besprechungsunterlagen» oder einfach als «Dokumente» bezeichnete. Ein Teil des Materials wurde auf der Webseite des «Guardian» veröffentlicht, allerdings mit erheblichen Schwärzungen. Ein Sprecher der Zeitung sagte, das sei auf eigene redaktionelle Initiative erfolgt. Weiter erklären wollte er das nicht.

Warum Snowden Zugang zu geheimen britischen Geheimdienstdokumenten hatte, wurde nicht richtig klar. Allerdings erwähnt der «Guardian» in einem Artikel, dass das Material von einem streng geheimen internen Netzwerk stamme, das GHCQ und NSA benutzen. Aldrich sagte, er wäre nicht überrascht, wenn das Material von einem gemeinsamen Netzwerk kommen sollte, zu dem Snowden Zugang gehabt habe. Beide Geheimdienstbehörden arbeiteten so eng zusammen, dass sie in manchen Bereichen praktisch als Einheit aufträten.

Passwörter via Tastatur

In einem Dokument scheint sich das GCHQ mit dem Anzapfen von Smartphones von Diplomaten zu brüsten. So zitiert der «Guardian» ein Dokument, in dem es heißt: «Möglichkeiten gegen BlackBerry haben Vorab-Kopien von G-20-Briefings an Minister besorgt». Die «diplomatischen Ziele aus allen Nationen» hätten ein «MO» (eine Angewohnheit), Smartphones zu benutzen, hieß es weiter. Dies sei von Spionen bei den G-20-Treffen ausgenutzt worden.

Zum präparierten Internet-Café hieß es, auf diese Weise hätten sich die Spione über Tastatureingaben Informationen beschafft, wie sich Diplomaten in ihren Systemen anmeldeten. «Das bedeutet, dass wir nachhaltige Geheimdienstoptionen gegen sie haben, selbst wenn die Konferenz vorbei ist», zitiert der «Guardian» ein Dokument. Aldrich kommentierte, das sei besonders raffiniert. «Das ist ein wenig wie ‹Mission Impossible›», sagte er in Anspielung auf den Spionage-Thriller.

(L'essentiel Online/pbl/sda)

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