Verstorbener US-Senator

03. September 2018 07:04; Akt: 03.09.2018 07:06 Print

Cindy McCain nimmt Abschied von ihrem John

In der Washingtoner Nationalkathedrale würdigten Barack Obama und George W. Bush McCain als selbstlosen Politiker. In Maryland wurde der geachtete Senator beigesetzt.

Zeichen überparteilicher Einigkeit: Das politische Washington trauert um Senator John McCain - ohne Donald Trump. (Video: Tamedia/AP)

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Mit einer bewegenden Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator John McCain hat das politische Washington ein Zeichen der überparteilichen Einigkeit gegen Präsident Donald Trump gesetzt. Auf Wunsch des Verstorbenen traten die früheren Präsidenten Barack Obama und George W. Bush am Samstag als Trauerredner auf. Sie würdigten McCain als selbstlosen Politiker, der «das Land besser gemacht» habe.

Trump, der auf Wunsch McCains nicht eingeladen war, ging währenddessen Golf spielen. Die Trauerredner vermieden es, den abwesenden Präsidenten beim Namen zu nennen. Dennoch durchzog Kritik an Trumps polarisierendem Politikstil die Ansprachen in der Washingtoner Nationalkathedrale, in der sich viele prominente Vertreter der verschiedenen politischen Lager versammelt hatten, darunter die Ex-Vizepräsidenten Al Gore, Dick Cheney und Joe Biden sowie die Ex-Außenminister Henry Kissinger, Madeleine Albright und John Kerry.

Lang anhaltender Applaus

Der Demokrat Obama würdigte den Republikaner McCain als «außergewöhnlichen Mann», der das Beste an Amerika verkörpert und auch ihn zu einem besseren Präsidenten gemacht habe. In offenkundiger Abgrenzung zu Trump fügte Obama hinzu: «Unser öffentliches Leben kann kleinkariert erscheinen, bösartig, schäbig, voller Beleidigungen und Selbstgefälligkeit. Das ist eine Politik, die Mut und Stärke nur vorgibt, in Wahrheit aber auf Angst beruht.»

Auch die Würdigung des republikanischen Ex-Präsidenten Bush ließ sich als Distanzierung zu Trump verstehen. «John war vor allem ein Mann mit Haltung», sagte Bush. «Er hat die Würde jedes einzelnen Lebens respektiert - eine Würde, die nicht an Grenzen haltmacht und die nicht vor Diktatoren weicht.»

Die schärfste Distanzierung kam von McCains Tochter Meghan, die auf Trumps Wahlkampfslogan «Macht Amerika wieder groß» anspielte: «Das Amerika von John McCain muss nicht wieder groß gemacht werden, denn das war es schon immer», sagte sie. «Wir betrauern hier auch einen Verlust an amerikanischer Größe - wahre Größe, nicht die billige Rhetorik von Männern, die niemals auch nur annähernd so viele Opfer gebracht haben wie er.» Für ihre Rede erntete Meghan McCain lang anhaltenden Applaus der Trauergemeinde.

McCain wollte Trump nicht an Trauerfeier

Dass Trump nicht eingeladen wurde, hatte Senator McCain so verfügt. Das Verhältnis der beiden Republikaner war von tiefer gegenseitiger Abneigung geprägt gewesen. McCain war einer der schärfsten Kritiker des Präsidenten. Trump hatte im Wahlkampf in Anspielung auf McCains Gefangenschaft im Vietnam-Krieg gesagt: «Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden.» Nach McCains Tod hatte er sich erst nach tagelangem Zögern zu einer Würdigung durchringen können.

Am Freitag nahm auch McCains Mutter Roberta Abschied.

Während der Trauerfeier fuhr Trump auf einen seiner Golfplätze. Er traf just in dem Moment auf der Anlage im Bundesstaat Virginia ein, als Ex-Präsident Bush seine Trauerrede für McCain begann. Bei der Zeremonie ließ er sich von Verteidigungsminister Jim Mattis und Stabschef John Kelly vertreten. Auch Trumps Tochter Ivanka und Ehemann Jared Kushner waren in der Washingtoner Kathedrale dabei.

Mahnmahl für die Vietnam-Veteranen

Am Samstagmorgen war der Sarg mit den sterblichen Überresten McCains vom Kapitol, wo er am Freitag aufgebahrt worden war, zur Kathedrale gebracht worden. Auf dem Weg dorthin hielt der schwarze Leichenwagen am Mahnmal für die Vietnam-Veteranen an, wo die Witwe Cindy McCain einen Kranz niederlegte. Auch McCains 106-jährige Mutter Roberta und seine sieben Kinder nahmen an der Trauerfeier teil.

«Heute haben wir unseren Helden, unseren Freund, unseren Mentor, unseren Vater und unseren Ehemann verloren», schrieb Cindy McCain im Kurzbotschaftendienst Twitter. «Wir trauern zusammen und machen zusammen weiter.»

In Maryland beigesetzt

Acht Tage nach seinem Tod ist John McCain auf der Marineakademie in Annapolis im US-Staat Maryland beigesetzt worden. Zu Ehren McCains überflogen vier F-18-Kampfflugzeuge die Marineakademie, wie auf TV-Bildern zu sehen war.

McCains Grab liegt neben dem seines 2014 verstorbenen Freundes, Admiral Chuck Larson, wie US-Medien berichteten. McCain und Larson hatten 1958 gemeinsam die Marineakademie absolviert.

Der örtliche Sender WTOP berichtete, entlang der Schnellstraße, die die Autokolonne mit McCains Leiche am Sonntag nach Annapolis nahm, hätten sich Menschenmengen versammelt gehabt. Autofahrer hätten auf dem Seitenstreifen angehalten, um dem verstorbenen Senator Respekt zu zollen. Einige salutierten, andere hielten Schilder in die Höhe, um McCain die letzte Ehre zu erweisen.

Ein Reporter des Senders CNN berichtete, auch vor der Marineakademie seien hunderte Menschen zusammengekommen, um McCain zu ehren.

(L'essentiel/chk/sda)

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