Proteste in Bangkok

22. September 2020 10:46; Akt: 22.09.2020 10:45 Print

Der unantastbare König von Thailand kommt ins Wanken

Am Wochenende haben in Bangkok tausende Menschen gegen König Vajiralongkorn von Thailand demonstriert. Die Demonstrierenden überreichten einen Brief mit ihren Forderungen.

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Mit einer Großdemonstration in Thailands Hauptstadt Bangkok haben vorwiegend junge Regierungskritiker ihre Forderungen nach politischen Reformen bekräftigt. Die von Studenten angeführte Massenkundgebung bildete den vorläufigen Höhepunkt der seit Monaten anhaltenden landesweiten Proteste.

Und langsam brechen althergebrachte Konventionen. «Thailands Monarch ist nicht mehr tabu», titelt die NZZ, mit Verweis auf die strengen Gesetze, die im Zusammenhang mit Maha Vajiralongkorn gelten. Thailand hat das wohl härteste Lèse-Majesté-Gesetz der Welt: Wer den König oder seinen Hof beleidigt, der riskiert bis zu 15 Jahren Haft.

Erratisch und autoritär

Wie die NZZ weiter schreibt, wurde auf dem Sanam-Luang-Platz auch eine goldene Plakette einbetoniert. Darauf heißt es «Das Volk manifestiert hiermit die Überzeugung, dass dieses Land dem Volk gehört und nicht Eigentum des Monarchen ist». Damit nehmen die Demonstrierenden Bezug auf das autoritäre, erratische Verhalten des Königs und den Kult um seine Person, den er zu fördern versucht. Der Regent ist derweil gar nicht vor Ort. Der 68-Jährige lebt seit Monaten in einem Luxushotel in Bayern – auch das bringt ihm in seinem Heimatland Kritik ein.

Trotz Regens hatten sich am Samstag der Polizei zufolge rund 20.000 Menschen versammelt. Laut Organisatoren waren es hingegen rund 200.000. Tausende harrten über Nacht aus. Die Organisatoren beendeten die Kundgebung am Sonntag, nachdem sie beim Marsch zum Sitz des Kronrats von der Polizei aufgehalten worden waren und schließlich dem örtlichen Polizeichef eine Liste ihrer Forderungen überreicht hatten.

Verfassungsänderung und Neuwahlen

Die Demonstranten forderten nicht nur eine Verfassungsänderung und Neuwahlen, sondern auch eine Reform der Monarchie. Kritik am Königshaus galt bis vor kurzem als Tabu in dem südostasiatischen Land. Zuletzt waren mehrmals politische Aktivisten festgenommen worden. Die meisten kamen aber auf Kaution wieder frei.

Am Sonntag wollten die Demonstranten zunächst zum Regierungsgebäude marschieren, änderten ihr Vorhaben jedoch später und liefen auf den Sitz des Kronrats zu. Dessen Mitglieder werden vom König ernannt und beraten diesen. Auf dem Weg dorthin wurden die Demonstranten jedoch von der Polizei aufgehalten. Nach der Überreichung des Briefs mit ihren Forderungen an den Polizeichef lösten die Organisatoren die Demonstration auf. Einer der Studentenführer, Parit Chiwarak, kündigte für Donnerstag eine weitere Demonstration vor dem Parlamentsgebäude an, wo Abgeordnete über Anträge zur Änderung der Verfassung debattieren sollen.

Viele hoben den Arm und machten das Drei-Finger-Zeichen aus der Science-Fiction-Filmreihe «Die Tribute von Panem». Die Geste hat sich in den vergangenen Monaten zum Symbol der thailändischen Demokratiebewegung entwickelt.

Proteste vor Universität

Tausende Regierungskritiker hatten sich am Vortag ab Mittag an der Thammasat Universität versammelt, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. Die Universität hatte erklärt, sie werde die Kundgebung nicht auf ihrem Gelände gestatten – jedoch öffnete sie schließlich die Tore. Nach Angaben von Vize-Polizeisprecher Krissana Pattanacharoen waren 10.000 Polizisten entsandt worden, um für Ordnung zu sorgen. Es blieb aber friedlich.

Die Studentenführer fuhren mit einem Lastwagen samt Lautsprechern vor. «Heute verkünden wir den Beginn des Sieges für das Volk und die Demokratie», sagte einer der Hauptorganisatoren, Panupong Jadnok, den Reportern. Die Regierung von Ministerpräsident Prayut Chan-o-cha hatte zuvor gewarnt, dass die Demonstration zur Ausbreitung des Coronavirus beitragen könne – und dann wieder schärfere Einschränkungen in Kraft treten würden.

«Wind of Change is Coming»

Der General ist seit einem Putsch des Militärs 2014 an der Macht und gilt als Verfechter konservativer thailändischer Werte. Seit der Parlamentswahl 2019, die von Manipulationsvorwürfen überschattet wurde, ist er Regierungschef. Die Demonstranten fordern neben einer Neuwahl auch ein Ende der Einschüchterung von Bürgern und politischen Gegnern.

Die Proteste halten schon seit Monaten an. In einem Kommentar in der Zeitung Bangkok Post hieß es: «Ob ihr es mögt oder nicht, der Wind der Veränderung kommt.»

(L'essentiel/SDA/ore)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Linda am 22.09.2020 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Den ass jo net méi tragbar. Amüseiert sech an Eissteraich matt sengem Harem an futtéiert sech waat an sengem Land geschidd. Esou een Kinnek brauchen se net! Fort matt dem. Seng Schwester ass vill méi menschlech.

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  • Katharina am 23.09.2020 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hat er denn mittlerweile seine 3 Milliarden Erbschaftssteuer in Bayern gezahlt ? Wohl eher nicht.

  • Léon am 22.09.2020 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Faut aussi que la monarchie luxembourgeoise parte en exile comme le vieux roi espagnol

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Katharina am 23.09.2020 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hat er denn mittlerweile seine 3 Milliarden Erbschaftssteuer in Bayern gezahlt ? Wohl eher nicht.

  • Linda am 22.09.2020 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Den ass jo net méi tragbar. Amüseiert sech an Eissteraich matt sengem Harem an futtéiert sech waat an sengem Land geschidd. Esou een Kinnek brauchen se net! Fort matt dem. Seng Schwester ass vill méi menschlech.

    • De Mann vu menger Fra am 22.09.2020 19:27 Report Diesen Beitrag melden

      Eisterräich läit well a Bayern... Gudd! Eng Datz... Setzen.

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  • Léon am 22.09.2020 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Faut aussi que la monarchie luxembourgeoise parte en exile comme le vieux roi espagnol

    • Sylvie am 22.09.2020 16:18 Report Diesen Beitrag melden

      Et qui alors comme remplaçant? Un ancien politicien qu'on veut récompenser pour se débarrasser de lui?

    • De Mann vu menger Fra am 22.09.2020 19:29 Report Diesen Beitrag melden

      @ Léon Fänkt Dir mol mam Exil un a loosst den Haff a Rouh

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