Coronavirus

23. März 2020 11:06; Akt: 24.03.2020 09:05 Print

Die Angst vor dem tödlichen Virus ergreift die USA

In den USA steigen die Fallzahlen rapide an. Mit Blick auf die Todeszahlen in Europa geht die Angst um. Die Kritik an Trump wächst nun.

storybild

In New York sind die Straßen wegen der Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nahezu menschenleer. In der Millionenmetropole steigt die Zahl der Coronavirus-Infizierten weiter stark an. (Bild: DPA/Bryan Smith)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Straßen in New York sind leergefegt, Passanten und der normalerweise dichte Verkehr haben der Angst vor dem Virus Platz gemacht. Innerhalb von zehn Tagen ist das neuartige Coronavirus von einem Problem im fernen Asien und Europa zu einer amerikanischen Krise geworden. Die Zahl der Erkrankungen ist etwa um den Faktor 20 in die Höhe geschnellt, Schutzmasken und Beatmungsgeräte werden knapp. Von New York bis nach Los Angeles an der Westküste unterliegt fast ein Drittel der 330 Millionen Amerikaner Ausgangsbeschränkungen. Viele Menschen fürchten wegen des wirtschaftlichen Einbruchs jetzt auch um ihre Jobs. Die USA sind ein Land im Ausnahmezustand.

«Wenn wir den Leuten nicht sagen, zu Hause zu bleiben und ihr Verhalten zu ändern ... dann haben wir Zehntausende Todesfälle mehr», warnte der Gouverneur des Bundesstaates Illinois, JB Pritzker, am Sonntag im Gespräch mit dem Nachrichtensender CNN. Der Staat hat für seine rund 13 Millionen Einwohner, inklusive der Großstadt Chicago, eine weitgehende Ausgangssperre verhängt. Im ganzen Land sind bereits mehr als 7000 Soldaten der Nationalgarde im Einsatz gegen das Virus, die Streitkräfte bereiten sich bereits auf weitere Missionen vor. Vielerorts fehlt es an den nötigen Coronavirus-Tests, weswegen das Ausmaß der Epidemie in den USA wohl noch nicht absehbar ist.

Notlazarett in Manhattens Messezentrum

Der Bundesstaat New York ist bislang mit mehr als 15.000 Sars-CoV-2 Infektionen am schlimmsten betroffen. In der Metropole New York sind die meisten Geschäfte und viele Restaurants geschlossen, die Krankenhäuser sagen alle nicht-notwendigen Eingriffe ab. Die Stadt bemüht sich verzweifelt, mehr Intensivbetten zu schaffen. Ein Lazarettschiff des US-Militärs mit 1000 Betten soll bald eintreffen. Zudem soll das Militär unter anderem in einem Messezentrum in Manhattan ein Notlazarett mit nochmals bis zu 1000 Betten einrichten, weitere sind für angrenzende Gebiete im Staat New York angefordert.

fehlende Schutzkleidung

Bis Sonntagabend waren in den USA gut 30.000 Menschen mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, es wurden etwa 400 Todesfälle gemeldet. Die Fallzahlen stiegen weiter rasant an, vor allem in New York. Dort warnte Bürgermeister Bill de Blasio, dass den Krankenhäusern deswegen schon bald Masken und Schutzkleidung ausgehen würden. Die Stadt brauche dringend die Hilfe der Regierung in Washington. «Wenn wir in den nächsten zehn Tagen nicht mehr Beatmungsmaschinen bekommen, werden Menschen sterben, die sonst nicht sterben müssten», sagte er im Gespräch mit CNN. «Das ist die neue Realität in den Vereinigten Staaten von Amerika - es beginnt hier, aber es wird alle 50 Bundesstaaten erreichen», warnte de Blasio.

Heftige Kritik an Trump

Viele Gouverneure klagen, dass die Regierung von US-Präsident Donald Trump nicht genug tue und dass es zum Beispiel an Masken und Schutzkleidung fehle. Trump schlug daraufhin am Samstag entgegen geltender Vorschriften - vor, Krankenhäuser könnten Masken einfach desinfizieren und wiederverwenden. Der Präsident hatte die Epidemie noch bis Ende Februar kleingeredet und muss sich daher inzwischen den Vorwurf gefallen lassen, die Krise durch zu spätes Handeln angefacht zu haben. Inzwischen tritt er fast täglich bei Pressekonferenzen auf und lobt ausführlich das Krisenmanagement seiner Regierung.

Kritiker blieben davon unbeeindruckt. «Erst wurde uns gesagt, [das Virus] war nur ein Scherz, dann haben wir gehört, dass alles in Ordnung sein wird, dann hieß es, die Wirtschaft sei in guter Verfassung, bis der Zusammenbruch kam», sagte die demokratische Abgeordnete Alexandra Ocasio-Cortez mit Blick auf Trump. Genauso wie mehrere Gouverneure forderte die New Yorkerin Trump auf, ein Gesetz aus Kriegszeiten zu nutzen, um die Privatwirtschaft zur Produktion von Schutzkleidung, Masken und Beatmungsgeräten zu zwingen. «Wir können nicht warten, bis Menschen wirklich in großer Zahl sterben.»

Wirtschaftliche Absturz

Die Ausgangsbeschränkungen haben große Teile der Wirtschaft zum Erliegen gebracht. Die Menschen gehen nicht mehr Essen, Reisen nicht mehr und kaufen nur noch das Nötigste ein. Analysten rechnen daher mit einer Rezession und einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit - und das in einem Land mit sehr begrenzter Arbeitslosenversicherung.

Der US-Kongress strickt daher bereits ein massives Konjunkturpaket, das unter anderem direkte Zahlungen an alle Amerikaner, Kredite für notleidende Unternehmen und eine Verbesserung der Arbeitslosenversicherung vorsieht. Das Volumen soll mehr als eine Billion Dollar (900 Milliarden Euro) umfassen.

Trump verbreitet derweil Optimismus und erklärt, die Wirtschaft werde nach dem «Sieg» über das Virus wieder «wie eine Rakete» durchstarten. Experten bezweifeln dies aber.

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.