An US-Grenze gestoppt

19. Juni 2018 21:21; Akt: 19.06.2018 21:36 Print

Die Geschichte hinter dem herzzerreißenden Foto

Das Foto eines zweijährigen Mädchens an der US-mexikanischen Grenze gibt in den USA zu reden. Zunehmend wird die Praxis hinterfragt, Einwandererfamilien an der Grenze zu trennen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema

Die Zweijährige aus Honduras weint. Ein Grenzschutzbeamter bei der Stadt McAllen befragt ihre Mutter. Eine Szene, die ein Getty-Fotograf festgehalten hat und die in den USA zu reden gibt. Dies vor dem Hintergrund der massiv verschärften US-Einwanderungspolitik: Zwischen dem 5. Mai und 9. Juni wurden 2342 Kinder von ihren Eltern getrennt – null Toleranz gegenüber illegal eingereisten Migranten, so wie es die Trump-Administration Anfang April angekündigt hatte.

«Beinahe überkamen mich die Emotionen»

John Moore, der Fotograf, der das weinende Mädchen abgelichtet hatte, sprach mit der Mutter der Kleinen, bevor sie weggebracht wurde. Sie sei aus Honduras und mit ihrer Tochter einen Monat lang unterwegs gewesen. Eine lange und gefährliche Reise, die den beiden viel abverlangt habe.

Nach ihrer Ankunft auf US-Boden forderten Grenzwächter die Frau auf, ihr Kind abzusetzen. «Die Kleine begann sofort zu weinen», so Fotograf Moore auf Foto.gettyimages.com. «Ich machte nur ein paar Fotos, beinahe überkamen mich die Emotionen.»

«Sie nahmen ihr die Schürsenkel weg»

Er sei selbst Vater und zuzuschauen, wie Familien getrennt und in Kleinbusse gesetzt werden, sei für ihn sehr schwierig gewesen. «Ich sah es in ihren Gesichtern, dass sie keine Ahnung hatten, was jetzt mit ihnen passiert.»

Man habe die Kleine und ihre Mutter zunächst in ein «Processing Centre» gebracht. Ob sie dort getrennt wurden, ist unklar.

Die Bildserie von Moore wurde auf Social Media rege kommentiert. Viele User wurden wütend, weil die Mutter auf Geheiß des Beamten der Zweijährigen die Schnürsenkel abnehmen musste, offenbar aus Sicherheitsgründen. «Sie nahmen ihr die Schnürsenkel weg, damit sie sich nichts antun kann. Sie ist zwei Jahre alt. Ich bin so wütend», schreibt eine Twitter-Nutzerin.

Audiodatei von weinenden Kindern aus US-Lager

Das Foto des Migrantenmädchens aus Honduras löste hitzige Diskussionen rund um die Einwanderungspolitik der Regierung von Donald Trump aus. Sie wurden verschärft durch eine Audioaufnahme aus einem Auffanglager für Kinder, die Pro Publica am Montag veröffentlicht hatte. Darauf sind weinende und nach ihren Eltern schreiende Kinder zu hören.

Männliche Stimmen sind ebenfalls zu vernehmen, wohl von Grenzschützern. Einer kommentiert trocken: «Hört sich wie ein Orchester an, einfach ohne Dirigent.»

Trump gibt Demokraten die Schuld

Der US-Präsident reagierte auf die Kritik, die auch aus dem eigenen Lager kommt, mit Schuldzuweisungen. Die Demokraten seien an der Situation schuld, da sie ein besseres Einwanderungsgesetz im Kongress blockiert hätten.

Allerdings könnte die Trump-Regierung die Situation an der Grenze im Alleingang verändern. Beobachter gehen davon aus, dass Trump die Lage aber weiter eskalieren lassen will, um den Kongress zur Finanzierung der Mauer zu Mexiko zu zwingen.

«Fallen Sie nicht darauf rein, Herr Präsident»

Zudem rechtfertigte der US-Präsident die scharfe Einwanderungspolitik mit dem Beispiel Deutschland. Dort sei die Kriminalitätsrate wegen der Migranten «deutlich gestiegen». Auch das stimmt nicht. Die Zahl der Straftaten sank 2017 nach der polizeilichen Kriminalstatistik auf das niedrigste Niveau seit 25 Jahren.

Trumps forscher Kurs in der Einwanderungspolitik wird zunehmend auch aus den eigenen Reihen kritisiert. Unterstützung erhält Trump dagegen von der rechtskonservativen Kolumnistin Ann Coulter. Auf «Fox News» bezeichnete sie die weinenden Migranten als «Kinder-Schauspieler», die von liberalen Demokraten «geschult» würden». Coulter riet Trump: «Fallen Sie darauf nicht herein, Herr Präsident».

(L'essentiel/gux)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dusninja am 20.06.2018 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als wenn das was ändert. Wenn es hart kommt, wird einfach die Öffentlichkeit irgendwann ausgesperrt. Und es wird dann wie Guantanamo.

  • Der Tom am 20.06.2018 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist unmenschlich!!!

  • Trimi am 19.06.2018 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    wat fir Arschlaecher!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Tom am 20.06.2018 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist unmenschlich!!!

  • dusninja am 20.06.2018 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als wenn das was ändert. Wenn es hart kommt, wird einfach die Öffentlichkeit irgendwann ausgesperrt. Und es wird dann wie Guantanamo.

  • irgendeen am 19.06.2018 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Den Trump seng aussoh dass et en Demokraten Gesetz wier as einfach nemmen erlunn. Demokraten hun iwregens virun puer Meint en Gesetzesentwurf eran gereecht deen daat trennen vun Elteren an Kanner verbidd dass et guer net passeieren kann mais bis elo huet keen Republikaner seng Stemm dovir oofgin sou dass et gleich wärt oofgewisen gin well Demokraten keng majoriteit hun am Haus

  • Trimi am 19.06.2018 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    wat fir Arschlaecher!