Golfstaaten-Krise

08. Juni 2017 16:44; Akt: 08.06.2017 16:46 Print

Die Türkei hält zu Katar, Trump will vermitteln

Die Türkei sendet Truppen nach Katar, Trump will vermitteln und das Emirat selbst vermutet einen Hackerangriff als Ursache der Krise.

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Die internationalen Bemühungen zur Beilegung der Krise um Katar laufen auf Hochtouren. Kuwaits Emir versuchte bei Besuchen in den Hauptstädten mehrerer Golfstaaten, zwischen Katar und seinen Kritikern zu vermitteln, während US-Präsident Donald Trump sich ebenfalls als Vermittler anbot. Katar machte am Donnerstag einen Hackerangriff auf die staatliche Nachrichtenagentur für die Krise verantwortlich.

Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am Montag ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen und auch Luft-, See- und Landverbindungen ausgesetzt. Sie warfen Katar die Unterstützung von islamistischen Extremistengruppen vor und kritisierten dessen Haltung zum Iran. Andere arabische Staaten schlossen sich seitdem an.

Trump als Vermittler

Saudi-Arabien und den anderen Staaten stösst seit langem die unabhängige Außenpolitik Katars auf. Für Missfallen sorgt, dass Doha enge Beziehungen zur islamistischen Muslimbruderschaft, der palästinensischen Hamas und den afghanischen Taliban unterhält. Mit ihrem Vorgehen wollen die Golfstaaten zudem erreichen, dass Katar auf Distanz zum Iran geht.

Kuwaits Emir Scheich Sabah al-Ahmad al-Sabah traf am Mittwoch Mitglieder der Führung der Emirate sowie Saudi-Arabiens König Salman, bevor er in Doha mit dem Emir von Katar zusammenkam. Im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern des Golfkooperationsrats hat Kuwait sich dem Vorgehen gegen Katar nicht angeschlossen.

US-Präsident Trump bot sich am Mittwoch ebenfalls als Vermittler an. Wenn nötig, könnte ein Treffen der Konfliktparteien im Weißen Haus organisiert werden, hieß es. Trump hatte zunächst die Schritte zur Isolation Katars als Erfolg seines Aufrufs zur Bekämpfung des Extremismus in der Region bezeichnet, bevor seine Regierung umschwenkte. Die US-Armee unterhält in Katar einen riesigen Luftwaffenstützpunkt, der eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) spielt.

Katar vermutet Hackerangriff

Katar ist zudem der weltgrößte Gasproduzent und spielt eine wichtige Rolle auf den Energiemärkten. Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit Katars am Mittwochabend um eine Stufe auf AA- herab.

Katar macht einen Hackerangriff auf die staatliche Nachrichtenagentur für die Krise verantwortlich. In der Folge des Angriffs, der im April begonnen habe, seien am 24. Mai über die Agentur angebliche Äußerungen von Katars Emir Scheich Tamim bin Hamad al-Thani verbreitet worden, hieß es in einem vorläufigen Untersuchungsbericht.

Die Äußerungen des Emirs zu Israel, dem Iran und der Hamas-Bewegung waren ein Grund für den Abbruch der Beziehungen. Der US-Sender CNN hatte am Dienstag berichtet, US-Regierungsvertreter gingen davon aus, dass russische Hacker hinter der Verbreitung der angeblichen Äußerungen des Emirs stehen. Moskau wies dies zurück.

Türkische Truppen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron telefonierte derweil mit den Regierungen in Katar, Saudi-Arabien und dem Iran. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif reiste am Mittwoch zu Gesprächen nach Ankara. Die Türkei hat die Schritte zur Isolation Katars kritisiert, ist aber zugleich bemüht, Saudi-Arabien nicht vor den Kopf zu Stoßen.

Das türkische Parlament stimmte unterdessen am Mittwochabend für die Verlegung von Truppen auf eine türkische Militärbasis in Katar. Wann oder wie viele Soldaten entsandt werden sollten, blieb offen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich gegen das Vorgehen gegen Katar ausgesprochen und sich um Vermittlung bemüht.

(L'essentiel/mlr/afp)

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