Gewalt von links und rechts

22. Juni 2020 09:19; Akt: 22.06.2020 09:28 Print

Diese Gruppen sorgen bei den US-​​Protesten für Chaos

Der Tod von George Floyd nach einem Polizeieinsatz hat in den USA landesweite Proteste gegen Rassismus ausgelöst. Oftmals wurden die Demos von Randgruppen angeheizt.

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Auch drei Wochen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd halten die Proteste in den USA an. Doch nicht alle, die auf die Straße gehen, marschieren friedlich gegen Polizeigewalt und Rassismus. Aus der rechten und linken Ecke sorgen Randgruppen für Gewalt und Chaos. Ein Überblick:

Boogaloo Bois

Die Boogaloo Bois sind eine relativ neue Gruppierung, deren Feind Nummer eins die US-Regierung ist. Führerlos, unorganisiert und äußerst gewaltbereit – die Boogaloo Bois zählen heutzutage zu den gefährlichsten aller Randgruppen. Diese Rechtsextremisten verfolgen ein einziges Ziel: den bewaffneten Konflikt mit den Behörden, mit der Absicht, einen zweiten Bürgerkrieg in den USA auszulösen.

Wie gefährlich die Boogaloo Bois sind, zeigt die jüngste Aktion eines Mitglieds: Steven Carrillo, ein 32-jähriger Sergeant der US-Luftwaffe, ermordete während der Proteste in Kalifornien zwei Sicherheitsbeamte. Bevor er verhaftet wurde, schrieb er mit seinem eigenen Blut «Boog» und «Ich wurde unvernünftig» auf ein Auto, zwei Begriffe, die die Bewegung gewöhnlich verwendet.

Die Gruppierung fand ihren Ursprung im Internetforum 4chan. In den Anfängen zählte die Bewegung ein paar Dutzend Anhänger, doch in letzter Zeit ist sie stark gewachsen, nicht zuletzt dank der Unterstützung zahlreicher Facebook-Gruppen mit Zehntausenden Mitgliedern. Um die Beschränkungen auf Facebook zu umgehen, verzichten die Gruppen auf den Name «Boogaloo». Stattdessen benutzen sie alternative Ausdrücke wie etwa «Big Igloo», «Boog» oder «Big Luau».

Lockdown als «alarmierendes Zeichen der Tyrannei»

Die Mitglieder nennen sich selbst «Boojahideen», eine Anspielung auf das Wort «Mujahedin», das radikalislamistische Anhänger bezeichnet. Die Boogaloo Bois plädieren für den privaten Waffenbesitz und betrachten den Lockdown in der Corona-Krise als ein «alarmierendes Zeichen der Tyrannei».

An den Kundgebungen erkennt man die schwer bewaffneten Mitglieder an ihren hawaiianischen Hemden. Sie geben an, die Demonstranten vor Polizeigewalt beschützen zu wollen. Auf Tiktok-Videos posieren oft junge, weiße Männer mit Schusswaffen und fordern einen zivilen Aufstand. Dazu schreiben sie «Ich bin immer mehr bereit zu sterben» oder «Polizisten vor meiner Türe sind mein erstes Opfer».

Proud Boys

Die Proud Boys wurden 2016 von dem kanadisch-britischen rechtsradikalen Gavin McInnes gegründet. Der Männerclub gilt als Teil der «Alt Right»-Bewegung in den Vereinigten Staaten, die ihren Hass gegen Einwanderer und Linke richtet – insbesondere gegen die Antifa. Die neofaschistische Kampftruppe wird an den schwarz-gelben Fred-Perry-Shirts sowie an den roten «Make America Great Again»-Caps der Mitglieder erkannt.

Die Proud Boys bezeichnen sich stolz als «westliche Chauvinisten», die sich «weigern, sich für die Schaffung einer modernen Welt zu entschuldigen».

Aus sozialen Netzwerken verbannt

Soziale Netzwerke spielten für die Gruppierung in den vergangenen Jahren eine entscheidende Rolle, als Kommunikationsplattform wie auch bei der Rekrutierung neuer Mitglieder. Die US-Bürgerrechtsgruppe Southern Poverty Law Center bezeichnete in einem Beitrag über die Online-Aktivitäten der Gruppe diese als «Hassgruppe» und «Facebook’s Fight Club».

Facebook, Instagram, Twitter und Youtube hatten 2018 die Gruppe von ihren Plattformen verbannt. Während der «Black Lives Matter»-Proteste tauchten jedoch wieder über 500 Facebook- und Insta-Accounts auf, die mit den Proud Boys verknüpft sind. Sie wurden mittlerweile wieder gelöscht.

Proud-Boys-Mitglieder sind vehement gegen BLM-Demos. Sie stellen sich zum Beispiel schützend vor Statuen konföderierter Führer, die linke Aktivisten zu zerstören versuchen.

Antifa

Der Name steht kurz für «Antifaschist». Die Antifa-Bewegung in den USA besteht aus dezentralen Gruppen, ohne feste Mitgliedschaft der Aktivisten. Es gibt teilweise Gruppen, die sich nur für bestimmte Aktionen bilden. Bei Kundgebungen kommt es oftmals zu Auseinandersetzungen der Linksextremisten mit Mitgliedern rechtsextremer Gruppierungen.

Die Antifa-Bewegung war in den USA zu einem bestimmten Zeitpunkt fast vollständig verschwunden, erlebte jedoch nach der Präsidentschaftswahl von Donald Trump ein rasantes Comeback.

Laut Behörden waren Antifa-Leute bei den jüngsten Protesten an Sachschäden und Plünderungen beteiligt gewesen. US-Präsident Trump zeigt auch immer wieder mit dem Finger auf die Antifa-Bewegung: So kündigte er neulich an, die Gruppierung als Terrororganisation einstufen zu wollen. Und als ein 75 Jahre alter Demonstrant von Polizisten in Buffalo auf den Boden gestoßen und schwer verletzt wurde, unterstellte Trump ihm eine mögliche Nähe zur Antifa-Bewegung.

(L'essentiel/kl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phil am 28.06.2020 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    "Behuel dech wéi d'Leit, da geet et dir wéi d'Leit!" Dat zielt fir jiddereen. Den George Floyd géif nach liewen, wann hien sech drun gehalen hätt...

  • Léon am 23.06.2020 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Il y’a d’autres problèmes plus important

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  • Phil am 28.06.2020 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    "Behuel dech wéi d'Leit, da geet et dir wéi d'Leit!" Dat zielt fir jiddereen. Den George Floyd géif nach liewen, wann hien sech drun gehalen hätt...

  • Léon am 23.06.2020 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Il y’a d’autres problèmes plus important