Lebenslang oder Todesstrafe

20. Oktober 2021 17:25; Akt: 20.10.2021 17:30 Print

Ehepaar verkauft Geheimakten in Sandwiches

Jonathan Toebbe und Ehefrau Diana wollten geheime Pläne für atomgetriebene US-Kriegsschiffe an ein fremdes Land verkaufen. Dieses nutzte die Chance nicht, im Gegenteil.

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Jonathan (42) und Diana Toebbe (45) nach ihrer Verhaftung: «Gescheite Leute, die nicht so gescheit waren, wie sie dachten». (Bild: AFP)

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Im Fall des US-Ehepaares Jonathan und Diana Toebbe, das vor rund zwei Wochen wegen des Verdachtes der Atomspionage festgenommen wurde, sind neue Details bekannt geworden. Sie zeigen den gescheiterten Plan von «gescheiten Leuten, die nicht annähernd so gescheit waren, wie sie dachten», wie das Magazin Slate schreibt.

Das Paar, das mit seinen zwei Kindern in einer Wohnsiedlung außerhalb von Washington D.C. lebte, erschien gestern vor Gericht, am Donnerstag erfolgt eine weitere Anhörung.

Vorgeworfen wird den beiden, einer fremden Regierung geheime Pläne für atomgetriebene US-Kriegsschiffe angeboten zu haben. Insgesamt fünf Millionen Dollar in Krypto-Währung wollten sie dafür. Um sie bei Laune zu halten, erhielten sie jeweils 100.000 Dollar in mehreren Tranchen.

«Bitte an Ihren militärischen Geheimdienst weiterleiten»

Dabei ging der Nuklearingenieur und die Lehrerin aus dem Vorort Hillsmere Estates in Maryland zwar unauffällig, aber auch dilettantisch vor, wie die Anklageschrift zeigt. Demnach bot Toebbe einer ausländischen Regierung Geheimakten über amerikanische Atom-U-Boote und anderes sensibles Material an.

Derlei geheimes Material bekam Jonathan Toebbe als Ingenieur beim Naval Nuclear Propulsion Program (NNPP) relativ leicht in die Finger: Er besaß eine so genannte Q-Clearance vom Pentagon. Was die Ermittler und Ermittlerinnen laut «New York Times» aber bis heute nicht herausgefunden haben, ist, wie er die Daten auf einer externen SD-Speicherkarte abspeichern und mitnehmen konnte.

Fast ein Jahr lang verhandelte Toebbe über ein verschlüsseltes Mailprogramm mit einem angeblichen Vertreter der Regierung, dem er die Staatsgeheimnisse verkaufen wollte: «Bitte leiten Sie diesen Brief an Ihren militärischen Geheimdienst weiter. Ich glaube, dass diese Informationen großen Wert für Ihre Nation haben werden», schrieb er etwa.

Sollte Frankreich die US-Staatsgeheimnisse kaufen?

Was er nicht wusste: Besagte Regierung, die das US-Justizdepartement nicht nennt, hatte das FBI längst ins Bild gesetzt. Das lässt darauf schließen, dass es sich um einen Alliierten der USA gehandelt haben muss – weder Russland noch China dürften die USA über die Spione informiert haben.

Einige US-Medien gehen davon aus, dass es sich dabei um Frankreich handeln könnte. Zum einen hatte Toebbe in seinem Mailverkehr davon gesprochen, sich vielleicht irgendwann in ferner Zukunft einmal in einem «Café bei einem Wein» zu treffen und über die alten Zeiten zu lachen.

Zum anderen könnte dies auch erklären, wieso Frankreich im September derart verstimmt reagierte, als Australien einen U-Boot-Vertrag mit Frankreich auflaufen ließ und statt dessen mit den USA handelte: «Hätte Frankreich das Angebot der Toebbes angenommen, hätte der Vertrag mit Australien noch gerettet werden können. Stattdessen verständigte Paris das FBI – und wurde trotz dieses Freundschaftsbeweises hintergangen», so das Magazin «Slate».

SD-Karten in Sandwich, Kaugummipackung und Gefrierbeutel

Jedenfalls bot Toebbe unter dem Decknamen «Alice» die Staatsgeheimnisse fortan einem FBI-Agenten an, der sich als «Regierung 1» ausgab und mit seinem Team jede Bewegung des Ehepaares verfolgte.

Insgesamt dreimal hinterlegten die Vororts-Spione Informationen aus dem geheimen Militärprogramm in stillen Briefkästen. Eine mit Militärgeheimnissen gefüllte SD-Karte deponiert er versteckt in einem halben Erdnussbutter-Sandwich, eine anderer in einer Kaugummipackung und wieder eine andere Karte in einem Gefrierbeutel.

Bei einer vierten Übergabe Anfang Oktober wurden die Toebbes schließlich in flagranti gefasst. Über ihr Motiv schweigen sich die beiden bislang aus, doch es wird angenommen, dass sie in erster Linie aus Geldnot handelten. Bei einer Verurteilung droht beiden lebenslange Haft, möglicherweise sogar die Todesstrafe.

(L'essentiel/gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J²M³B⁸ am 21.10.2021 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "wie er die Daten auf einer externen SD-Speicherkarte abspeichern und mitnehmen konnte?" bestimmt in einem Rubik Cube...lol wie im Snowden Film,aber 100%. Kino macht erfinderisch oder leitet zum Nachahmen...hahahaha

  • Valchen am 21.10.2021 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Israel. Woor den Destinataire. An well den Trump gudd Relatiounen gehaalen huet (unerkennen vun Jerusalem als Hauptstaat, etc.) Huet heen als Retour-Kutsche, dei Info kritt!

  • J²M³B⁸ am 21.10.2021 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hätte besser bankkundendaten von deutschen steuerhinterzieher ans BND verkauft die nehmen sowas gerne an

Die neusten Leser-Kommentare

  • J²M³B⁸ am 21.10.2021 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hätte besser bankkundendaten von deutschen steuerhinterzieher ans BND verkauft die nehmen sowas gerne an

  • J²M³B⁸ am 21.10.2021 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "wie er die Daten auf einer externen SD-Speicherkarte abspeichern und mitnehmen konnte?" bestimmt in einem Rubik Cube...lol wie im Snowden Film,aber 100%. Kino macht erfinderisch oder leitet zum Nachahmen...hahahaha

  • Valchen am 21.10.2021 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Israel. Woor den Destinataire. An well den Trump gudd Relatiounen gehaalen huet (unerkennen vun Jerusalem als Hauptstaat, etc.) Huet heen als Retour-Kutsche, dei Info kritt!