«Beleidingung» gegen Hymne

30. Juli 2021 11:22; Akt: 30.07.2021 13:59 Print

Hongkonger buhen bei chinesischer Nationalhymne

«We are Hongkong»-Gesänge und Buhrufe während der chinesischen Nationalhymne rufen in Peking die Polizei auf den Plan.

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Das kam in Peking nicht gut an: Bei einer öffentlichen Fernsehübertragung der Olympischen Spiele in Tokio hat eine Menschenmenge in einem Hongkonger Einkaufszentrum China-kritische Gesänge angestimmt (im Video). Jetzt ermittelt die Hongkonger Polizei. Nach Angaben aus Polizeikreisen geht es um «beleidigende Handlungen» gegenüber der chinesischen Nationalhymne.

Der Hintergrund des für Peking unerfreulichen Zwischenfalles war aus sportlicher Sicht eigentlich ein erfreulicher: Mit zwei Silbermedaillen der Schwimmerin Siobhan Haughey und der Goldmedaille des Fechters Edgar Cheung hat Hongkong bei diesen Olympischen Spielen bereits besser abgeschnitten als jemals zuvor.

Live übertragen

Entsprechend groß war die Begeisterung, als sich Hunderte Fans in dem Einkaufszentrum in Hongkong versammelten, um Cheungs Finalkampf gemeinsam am Fernsehen zu verfolgen.

Doch bei der anschließenden Medaillenzeremonie buhten einige Fans zunächst die chinesische Nationalhymne aus und skandierten dann den Fußball-Fangesang «We are Hongkong» («Wir sind Hongkong»). Ärgerlich für Peking: Das Geschehen im Einkaufszentrum wurde live übertragen.

Explizit gegen Fußballfans

Die Hongkonger Regierung hatte im vergangenen Jahr ein Gesetz erlassen, das jegliche Beleidigung der chinesischen Nationalhymne und Flagge unter Strafe stellt. Das Gesetz zielte explizit auf Fußballfans ab, die in der Vergangenheit wiederholt während der chinesischen Nationalhymne «Wir sind Hongkong» angestimmt hatten.

In Hongkong hatte es 2019 monatelang Massenproteste gegen den wachsenden Einfluss Chinas gegeben. Seitdem gehen die Behörden mit zunehmender Härte gegen Kritikerinnen und Kritiker der Regierung in Peking vor. Vor einem Jahr wurde das sogenannte «Sicherheitsgesetz» eingeführt, das den Behörden in Hongkong ein hartes Vorgehen gegen alle Aktivitäten erlaubt, die nach ihrer Auffassung die nationale Sicherheit Chinas bedrohen.

Neun Jahre Gefängnis für 24-Jährigen

Diese Woche wurde der Demokratie-Aktivist Tong Ying Kit wegen «Terrorismus und Anstiftung zur Abspaltung» für schuldig befunden. Der 24-Jährige muss für neun Jahre ins Gefängnis, wie eben bekannt wurde.

Seit dem Erlass des «Sicherheitsgesetztes» vor einem Jahr haben die chinesischen Behörden insgesamt 117 Personen wegen angeblicher Verstöße gegen das Gesetz festgenommen. 60 von ihnen wurden angeklagt, darunter pro-demokratische Politiker, Aktivistinnen, Journalisten und Studierende.

Bombenherstellung im Hostel

Anfang Juli wurden in Hongkong außerdem neun Personen festgenommen, die der terroristischen Aktivitäten verdächtigt werden: Die Gruppe, die sich für die Unabhängigkeit Hongkongs von China einsetze, habe versucht, Sprengstoff herzustellen und Bomben an verschiedenen Orten in der Stadt zu platzieren, so die Polizei. Von den neun Festgenommenen im Alter zwischen 15 und 39 Jahren sind sechs noch Schüler.

In einem Hostel habe die Gruppe ein Labor gebaut, in dem sie das explosive Triacetontriperoxid (TATP) herzustellen versuchte, so die Polizei in der chinesischen Sonderverwaltungseinheit. Damit sollen Anschläge auf Gerichtsgebäude und an anderen Orten geplant gewesen sein. Es seien Geräte und Rohstoffe beschlagnahmt worden, die zur Herstellung von TATP verwendet werden.

(L'essentiel/gux/AFP)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ridicule am 02.08.2021 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch diese Demonstranten werden hochgelobt aber diejenigen, die zum Beispill in Frankreich auf die Strasse protestieren gehen werden diskreditiert...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ridicule am 02.08.2021 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch diese Demonstranten werden hochgelobt aber diejenigen, die zum Beispill in Frankreich auf die Strasse protestieren gehen werden diskreditiert...

    • Nicht nur in Frankreich am 02.08.2021 15:52 Report Diesen Beitrag melden

      die "Polizeigewalt" gegen die gestrige "Demnonstration" in Berlin war unter aller "Menschenwürde"!

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