Chaos bei Umstellung

29. Oktober 2018 22:01; Akt: 29.10.2018 22:04 Print

Keiner weiß, wie spät es in Marokko ist

In der Nacht auf Sonntag wurde in Europa die Zeit umgestellt. Auch in Marokko wurde an der Uhr gedreht. Oder doch nicht? Ach du liebe Zeit!

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Für die Einwohner Marokkos war der Sonntag für einmal kein Tag der Ruhe. Ganz im Gegenteil: Das Land im Nordwesten Afrikas verfiel zeitweise ins Chaos, weil niemand mehr wusste, wie spät es war. Laut «Spiegel online» ließ die staatliche Fluggesellschaft Royal Air Maroc kurzerhand alle Füge von Marokko mit einstündiger Verspätung starten, damit keine Passagiere ihren Flug verpassten.

Verwirrte Marokkaner fluteten die sozialen Netzwerke mit gehässigen Kommentaren und der einfachen Frage: «Was ist denn nun für Uhrzeit?» Während sich die Mobiltelefone und Computer automatisch von der Daylight saving time (DST), also unserer Sommerzeit, verabschiedet hatten, tickten die öffentlichen Uhren an Bahnhöfen und Flughäfen unangetastet weiter.

Negativer Effekt auf Wirtschaft und Gesundheit

Immerhin ist klar, wie und wann die Konfusion entstanden ist: In einer außerordentlichen Sitzung hatte die marokkanische Regierung am Freitag den Gesetzesentwurf 2.18.855 angenommen. Demnach bleibt Marokko fortan rund ums Jahr bei der DST. Bis anhin hatte Marokko viermal jährlich an den Uhren gedreht: bei der Umstellung zur Sommerzeit und zurück sowie vor und nach den Ramadan-Wochen.

Die Zeitumstellungen hätten einen negativen Effekt auf Gesundheit und Wirtschaft, beruft sich der Entwurf laut <="" a>"="">Morocco World News auf eine nicht publizierte Studie. Das Festhalten an einer durchgängigen Zeit solle die Verwirrung beseitigen, die durch das Drehen an den Uhren jeweils entstehe. Die ununterbrochene DST sei «ein Experiment», wie es im Gesetzesentwurf weiter heißt.

Dieses Experiment, so scheint es, ist bereits gescheitert, denn die Entscheidung, keine Zeitumstellung auf die reguläre (Winter-)Zeit durchzuführen, war mit nur 48 Stunden Vorlauf viel zu knapp erfolgt. Mit dem Resultat, dass große Teile der Bevölkerung nicht informiert waren.

Nun wird in Marokko spekuliert, was die Regierung zu diesem überstürzten Entscheid bewegt haben könnte. Der Generaldirektor des Vermessungsamtes, Chikhi Adib, befeuerte mit einem Eintrag auf Linkedin das Gerücht, dass der Anstoß gegen die Umstellung von Carlos Ghosn, dem CEO von Renault, ausgegangen sei. Der französische Autohersteller hatte erst kürzlich eine Milliarde Euro in seine Werke in Marokko investiert. Für möglichst reibungsfreie Prozesse, so die Theorie von Adib, sei es wichtig, dass Marokko möglichst nahe bei der mitteleuropäischen Zeit liege. Die marokkanischen Minister, so der aufgebrachte Generaldirektor, seien bloß «Funktionäre».

Verwirrung überall

Auch ein Blick ins allwissende Internet bringt zurzeit keine Hilfe. Dort findet man abweichende Angaben: Glaubt man Google, so tickt Marokko eine Stunde hinter Mitteleuropa; fragt man die Seite Time.is, so tickt Marokko im Gleichtakt mit uns; vertraut man jedoch auf Timeanddate.com, so war uns Marokko vorübergehend sogar eine Stunde voraus. Wie umfassend die Konfusion ist, zeigt sich auch daran, dass sich die letztgenannte Seite im Verlauf des Tages bereits wieder umentschieden hat.

Selbst ein Anruf bei einem marokkanischen Diplomaten in der Schweiz bringt keine Klärung. Der Beamte, der nicht namentlich genannt werden möchte, hat die verpatzte Umstellung mitverfolgt: «Normalerweise wäre Marokko zwei Stunden hinter der Schweiz», gibt er Auskunft. Aber: «Ich kann Ihnen leider nicht sagen, welche Zeit dort momentan gilt.»

Die marokkanische Botschaft in Bern war derweil nicht erreichbar, eine Mailanfrage blieb unbeantwortet, und die Telefonleitung war über Stunden besetzt – vielleicht von Marokkanern, die sich nach der Uhrzeit in ihrer Heimat erkundigen wollten?

(L'essentiel/mat)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • the legend am 30.10.2018 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wat e Quatsch daat leien hei

  • Léon am 30.10.2018 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Incroyable des adultes qui n’arrivent pas à gérer une heure de différence quel honte. Mon petit fils 8 ans peut vous donner des explications sur l’heure d été dans l’aviation .

  • Daweb am 30.10.2018 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sie waren 1 stonn hannen dran

Die neusten Leser-Kommentare

  • Léon am 30.10.2018 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Incroyable des adultes qui n’arrivent pas à gérer une heure de différence quel honte. Mon petit fils 8 ans peut vous donner des explications sur l’heure d été dans l’aviation .

  • Daweb am 30.10.2018 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sie waren 1 stonn hannen dran

  • the legend am 30.10.2018 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wat e Quatsch daat leien hei