Das Ende des IS-Kalifats

21. März 2019 20:23; Akt: 21.03.2019 20:25 Print

Kinder zwischen Leichen und erschöpften Kämpfern

In den nächsten Stunden dürfte der IS auf dem Gebiet des einstigen «Kalifats» geschlagen sein. Die Bilder aus dem Kriegsgebiet erschüttern.

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US-Präsident Donald Trump hat die Nase wieder einmal ganz vorn: Am Mittwochabend sagte er das Ende des IS «binnen Stunden» voraus. Er meinte damit den Landstrich bei Baghus in Syrien, der seit Wochen belagert und beschossen wird. Der Landstrich wandelte sich in den letzten Wochen zu einem regelrechten Camp des sogenannten «Islamischen Staates». Seit Februar ergaben sich um die 30.000 IS-Leute:

Die Siegesmeldung der Syrian Democratic Forces (SDF) lässt allerdings weiter auf sich warten. Dies, obwohl syrische Kurden gestern berichtet hatten, dass bereits das gesamte Gebiet zurückerobert worden und die IS-Miliz geschlagen sei. Die SDF aber besteht darauf: In einem kleinen Bereich hat es noch immer IS-Kämpfer, die sich weitere Kämpfe liefern.

Eine Sandbank im Visier

Konkret dürfte es um eine lange Sandbank am rechten, dicht bewachsenen Euphratufer gehen, auf die sich die Extremsten der Extremen zurückgezogen haben – zusammen mit einigen Frauen und Kindern. Dazu kommen die IS-Tunnel und Erdlöcher in dem Gebiet, die den Jihadis wichtige Rückzugsorte bieten. Hier, so wird angenommen, sollen sich auch noch zahlreiche jesidische Gefangene und möglicherweise einige westliche Geiseln aufhalten. Grund genug, dass die SDF und ihre Verbündeten vorsichtig und bedacht vorrücken. Doch auch wenn die Siegesmeldung über das IS-Territorium auf sich warten lässt: Das «Kalifat» ist bereits gefallen.

Die Gefechte um den Uferstrich am Euphrat dürften demnächst ausgestanden sein:

Der IS hortete eine riesige Anzahl Waffen. Wie viele, zeigte sich in den letzten Tagen, als Luftschläge der Anti-IS-Koalition Munitionsdepots in dem fast geleerten IS-Lager trafen. Mitunter brannten diese über zwei Tage lang.

SDF-Kommandant Adnan Afrin zeigt das Innere des IS-Camps: Die IS-Kämpfer hinterließen Waffen und Selbstmordwesten, als sie sich ergaben.

Die Frauen und Kinder, die Baghus in den letzten Wochen verlassen haben, sind nun in Camps der syrischen Kurden. Die meisten Kinder der Extremisten befinden sich in einem miserablen Gesundheitszustand. Viele haben Durchfall, viele haben seit Wochen kaum gegessen. Ein Foto (siehe Bildstrecke) aus dem Innern jenes Landstrichs, auf dem sich der IS noch hält, zeigt das ganze Elend: Zwei Kinder in dicken Jacken irren zwischen Leichen und ausgezehrten Kämpfern umher. Ihr Trauma ist beinahe greifbar.

Von den IS-Frauen, die Baghus verlassen haben, berichtet ein BBC-Reporter: «Einige wollten einfach nur raus, sie hatten genug. Andere aber gingen widerwillig und auch nur deswegen, weil die IS-Führung sie zum Gehen aufgefordert hatte. Für sie ist das allenfalls nur eine Pause, bis das Kalifat wieder aufgebaut wird.»

Auch 20 Minuten hat mit IS-Frauen aus Baghus gesprochen. Nicht wenige von ihnen sehen die Niederlage als einen Test, den Gott ihnen auferlegt hat. Sie verstehen die Niederlage als Prüfung ihrer Ideologie, von der sie nicht abzuweichen bereit sind.

(L'essentiel/gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nutts am 22.03.2019 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zitat:"Nicht wenige von ihnen sehen die Niederlage als einen Test, den Gott ihnen auferlegt hat. Sie verstehen die Niederlage als Prüfung ihrer Ideologie, von der sie nicht abzuweichen bereit sind." Und dann soll jedes Land seine Landes-(Verräter)Leute wieder aufnehmen... Na dann wird es ja lustig, und es könnte Ihnen nicht einfacher gemacht werden, denn wir sind ja das Unrat, welches diese Gotteskämpfer um jeden Preis vernichten müssen... Aber ey, wir schaffen das!

  • jimbo am 22.03.2019 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komm mer loossen se erem all an dei Länner wou se komm sinn, da kennen se sech erhuelen an et an e puer Joer nachemol probeieren...

Die neusten Leser-Kommentare

  • jimbo am 22.03.2019 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komm mer loossen se erem all an dei Länner wou se komm sinn, da kennen se sech erhuelen an et an e puer Joer nachemol probeieren...

  • Nutts am 22.03.2019 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zitat:"Nicht wenige von ihnen sehen die Niederlage als einen Test, den Gott ihnen auferlegt hat. Sie verstehen die Niederlage als Prüfung ihrer Ideologie, von der sie nicht abzuweichen bereit sind." Und dann soll jedes Land seine Landes-(Verräter)Leute wieder aufnehmen... Na dann wird es ja lustig, und es könnte Ihnen nicht einfacher gemacht werden, denn wir sind ja das Unrat, welches diese Gotteskämpfer um jeden Preis vernichten müssen... Aber ey, wir schaffen das!