«Rande des Abgrunds»

07. November 2019 21:48; Akt: 07.11.2019 21:51 Print

Macron spricht vom «Hirntod» der Nato

Kurz vor dem Nato-Gipfel in London sprach Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag von einem «Hirntod» des transatlantischen Bündnisses.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat den Zustand der Nato mit drastischen Worten kritisiert. Das Verteidigungsbündnis sei «hirntot», sagte Macron dem britischen Wirtschaftsmagazin Economist in einem Interview, das am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Es gebe bei strategischen Entscheidungen keine Koordinierung zwischen den Nato-Ländern und den USA. «Wir sind Zeugen eines Angriffs eines anderen Nato-Partners, der Türkei, ohne Abstimmung, in einer Region, in der unsere Interessen auf dem Spiel stehen», sagte Macron zur türkischen Militäroffensive in Nordsyrien, die von Nato-Verbündeten massiv kritisiert worden war.

Am Rande des Abgrunds

Macron warnte zudem die europäischen Länder, dass diese sich nicht mehr auf die USA verlassen könnten. In dem Gespräch, das nach Angaben des Magazins bereits Ende Oktober geführt wurde, zweifelte Macron offen an, ob ein Angriff auf ein Nato-Mitglied heute als Angriff auf alle betrachtet würde.

Operativ funktioniere die Zusammenarbeit zwar gut. Die Nato müsse im Lichte des Engagements der Vereinigten Staaten aber neu bewertet werden. Europa stehe am Rande des Abgrunds und laufe Gefahr, nicht mehr selbst über sein Schicksal bestimmen zu können. Es müsse aufwachen und sich selbst mehr um seine eigene Verteidigung kümmern, sagte Macron.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ging derweil auf die jüngsten Differenzen in der Nato zwischen den USA und den anderen Verbündeten ein. «Die Rhetorik ist vielleicht nicht immer die beste, aber der Inhalt zählt», sagte Stoltenberg bei einer Veranstaltung der Körber-Stiftung am Donnerstag in Berlin.

Mehr Geld für Verteidigung

Er unterschätze die Probleme nicht. «Aber wenn es um die eigentliche Aufgabe der Nato geht, nämlich die kollektive Verteidigung, dann liefern wir mehr Inhalte und Substanz, als wir in den letzten Jahren geliefert haben.»

Europa und Nordamerika machten in der Nato heute trotz der Unterschiede mehr miteinander als seit vielen Jahren, sagte Stoltenberg. «Die Vereinigten Staaten lassen Europa nicht im Stich, ganz im Gegenteil. Sie investieren in die Sicherheit Europas, mit mehr Truppen, Infrastruktur und Übungen.»

Stoltenberg forderte zudem Deutschland zur Erhöhung seiner Verteidigungsausgaben auf. Auch US-Präsident Donald Trump fordert Deutschland seit langem vehement auf, mehr Geld für Verteidigung auszugeben.

Schutz wird verstärkt

Angesichts der Spannungen im Verhältnis zu Russland stärkt die Nato den Schutz der südlichen Nordsee und des Ärmelkanals. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten die Marinechefs aus Großbritannien, Frankreich, Belgien, Deutschland und den Niederlanden bei einem Treffen am Donnerstag in Hamburg.

Ziel sei eine stärkere militärische Kooperation im Rahmen des für das Seegebiet zuständigen Channel Committee der Nato (CHANCOM), in dem die fünf Länder vertreten sind.

Die Seewege seien entscheidend für Sicherheit und Prosperität Europas, sagte der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, der in diesem Jahr den CHANCOM-Vorsitz führt. Kanal und Nordsee seien die Eingangstür nach Zentraleuropa und ein wichtiges Tor zur Ostsee. Deshalb sei es nötig, die gemeinsamen Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeiten zu stärken.

(L'essentiel/sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Angepisst am 08.11.2019 04:38 Report Diesen Beitrag melden

    ...statt endlich mit Russland zu kooperieren und den Amis mal zu sagen, wohin sie sich ihre Sanktionen und Lügen stecken können!

    einklappen einklappen
  • Niemand am 07.11.2019 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hirntod ist er selbst . . .

    einklappen einklappen
  • John Doe am 08.11.2019 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    "Angesichts der Spannungen im Verhältnis zu Russland" Hä? Geopolitisch wollen die USA dass Europa & Russland sich nicht vertragen, obwohl wir auf dem gleichen Kontinent leben. Würden RU & EU zusammenarbeiten, wäre es mit der "Weltherrschaft" der USA vorbei - so läuft der Hase...

Die neusten Leser-Kommentare

  • John Doe am 08.11.2019 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    "Angesichts der Spannungen im Verhältnis zu Russland" Hä? Geopolitisch wollen die USA dass Europa & Russland sich nicht vertragen, obwohl wir auf dem gleichen Kontinent leben. Würden RU & EU zusammenarbeiten, wäre es mit der "Weltherrschaft" der USA vorbei - so läuft der Hase...

  • Angepisst am 08.11.2019 04:38 Report Diesen Beitrag melden

    ...statt endlich mit Russland zu kooperieren und den Amis mal zu sagen, wohin sie sich ihre Sanktionen und Lügen stecken können!

    • Niemand am 08.11.2019 17:35 Report Diesen Beitrag melden

      Egal ob Amis oder Russen . . . beide gehören in einem Topf.

    einklappen einklappen
  • Niemand am 07.11.2019 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hirntod ist er selbst . . .

    • pitti am 08.11.2019 07:49 Report Diesen Beitrag melden

      immer gegen die russen diese idioten

    einklappen einklappen