Feierlichkeiten

31. August 2018 17:52; Akt: 31.08.2018 18:13 Print

McCain hat das allerletzte Wort im Streit mit Trump

In Washington dreht sich übers Wochenende alles um den verstorbenen Senator John McCain. Donald Trump dürfte sich über allerhand aufregen.

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Als er letzten Sommer von seinem Gehirntumor erfuhr, begann John McCain mit den Vorbereitungen für das Begräbnis. Jeden Freitag saß er mit Vertrauten in seinem Senatorenbüro zusammen und plante die Trauerfeier minutios: die Musik, die gespielt werden sollte (die irische Ballade «Danny Boy»), die Gästeliste, die Sargträger, die Inhalte der Reden.

Als der republikanische Senator am vergangenen Samstag starb, waren alle Vorkehrungen getroffen. Der amtierende US-Präsident aber wird an keiner der Feierlichkeiten dabei sein. «Ich denke, es ist fair zu sagen, dass die beiden sehr unterschiedliche Ansichten über dieses Land hatten», sagte ein langjähriger Freund McCains laut «New York Times».

McCain irrte sich

Das öffentliche Interesse am Abschied von John McCain ist enorm. Er selbst habe dies unterschätzt, verraten seine Berater. Als sie vorgeschlagen hätten, seinen Sarg im Parlament seines Bundesstaats Arizona aufzustellen, habe McCain abgewunken: So eine Ehre werde ihm kaum zuteilwerden. Er irrte sich.

Tausende nahmen am Donnerstag im Parlament von Phoenix Abschied an McCains Sarg. Am Freitag wird die Leiche des Senators im Kapitol in der US-Hauptstadt Washington aufgebahrt. Auch dort haben Bürger die Möglichkeit, sich von John McCain zu verabschieden.

Die Sorgen von Trumps Assistenten

Am Samstag schießlich versammelt sich das offizielle Washington – Republikaner und Demokraten – in der National Cathedral, um der Trauerfeier beizuwohnen, die landesweit im Fernsehen übertragen wird. US-Präsident Donald Trump dürfte Washington, wo sich alles um den Verstorbenen dreht, längst verlassen haben. Er werde das Wochenende auf dem Landsitz Camp David verbringen, hieß es. «Seine Assistenten hoffen, dass er seinen Zorn über die ganze Aufmerksamkeit, die McCain zuteilwird, in Schach halten kann», schreibt die «New York Times».

Freunde McCains bestehen darauf, dass der Senator und scharfe Trump-Kritiker diesem bis zum Schluss nichts nachgetragen habe. McCain habe die Überparteilichkeit und den Kompromis über alle Streitereien gestellt. «Uns vereint mehr, als uns trennt – das war seine größte und wichtigste Botschaft», sagen McCains Freunde. Davon scheint Trump ausgenommen. So geben auch die Freunde des verstorbenen Vietnam-Veteranen zu: McCain respektierte den US-Präsidenten wenig.

Sargträger: Russischer Dissident, Trumps Verteidigungsminister

Vor diesem Hintergrund sind einige von McCains Verfügungen für die Feierlichkeiten durchaus symbolisch zu verstehen. Etwa, dass der russische Dissident Wladimir Kara-Murza zu den Sargträgern zählt. Der Russe, der zwei Giftanschläge überlebt hat, ist ein scharfer Kritiker von Wladimir Putin, der von Trump sehr bewundert wird.

Mit Trump-Vorgänger Barack Obama und dessen Vizepräsident Joe Biden treten zwei hohe Demokraten als Redner für die Verabschiedung des Republikaners auf. Und auch wenn der republikanische US-Präsident unerwünscht ist, der Verteidigungsminister von Trumps Kabinett, James Mattis, ist es nicht. Auch er fungiert als Sargträger. «Ich weiß dies seit Monaten – und es ist mir eine Ehre», sagte Mattis.

McCain selbst wandte sich in einem letzten Brief an seine Landsleute. Er enthält einige Spitzen gegen den höchsten Amerikaner, auch wenn Trump darin namentlich nicht genannt wird. So ist allen klar: Veteran McCain hatte in der Auseinandersetzung mit Geschäftsmann Trump das allerletzte Wort.

Einige Passagen aus John McCains Abschied an die Nation:

«Wir schwächen unsere Großartigkeit, wenn wir uns hinter Mauern verstecken, statt sie einzureißen, wenn wir an die Macht unserer Werte zweifeln, statt an ihre schon immer dagewesene Kraft zu glauben, Dinge verändern zu können.»

«Verzweifelt nicht an den gegenwärtigen Schwierigkeiten, sondern glaubt an das Versprechen und die Großartigkeit Amerikas. Denn nichts ist hier unausweichlich. Amerikaner geben niemals auf. Wir ergeben uns nie.»

«Die Zufriedenheit mit meinem Leben verdanke ich meiner Familie. Niemand hatte jemals eine liebendere Ehefrau und Kinder, auf die er stolzer sein könnte, als ich. Und ich verdanke sie Amerika. Verbunden zu sein mit Amerikas Werten – Freiheit, gleiches Recht für alle und die Wahrung der Würde aller Menschen –, schafft ein Glück, das großartiger ist als alle flüchtigen Genüsse des Lebens. Durch das Eintreten für die gute Sache gewinnen wir an Identität.»

(L'essentiel/gux)

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