Mehrere Tote und Verletzte

09. April 2018 07:00; Akt: 09.04.2018 07:04 Print

Militärflughafen in Syrien bombardiert

Die USA sind verdächtigt worden, hinter dem Angriff auf einen syrischen Militärflughafen zu stecken. Das Pentagon verneint eine Beteiligung.

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Eine Militärbasis in Homs im Westen Syriens ist von Raketen angegriffen worden. Das berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana in der Nacht zum Montag. Dabei habe es mehrere Opfer gegeben, hieß es.

Ob es sich um Tote oder Verletzte handelte, war zunächst nicht klar. Die syrische Flugabwehr habe acht Raketen abgeschossen, sagte die Agentur unter Berufung auf Militärquellen. Zivilisten berichteten laut dem syrischen Fernsehen von lauten Explosionsgeräuschen in der Gegend. Betroffen vom Angriff war demnach der Flughafen Taifur.

In den Berichten waren zunächst die USA verdächtigt worden, für den Angriff verantwortlich zu sein. Später wurde nicht mehr auf die USA Bezug genommen. Das Pentagon bestätigte eine Beteiligung nicht. «Das Verteidigungsministerium führt derzeit keine Luftangriffe in Syrien aus», teilte das Pentagon am Sonntagabend in Washington mit. «Allerdings beobachten wir die Situation weiterhin genau und unterstützen die anhaltenden diplomatischen Bemühungen, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die Chemiewaffen in Syrien und anderswo einsetzen», sagte ein Sprecher.

«Hoher Preis» zu bezahlen

Kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump eine Warnung an Damaskus und seine Verbündeten als Reaktion auf einen mutmaßlichen Chemiewaffenangriff auf die Rebellenhochburg Duma ausgesprochen. Die Verantwortlichen müssten einen «hohen Preis» dafür bezahlen, warnte Trump am Sonntag.

Russland hatte die USA davor gewarnt, diese als «Vorwand für einen Militäreinsatz» in Syrien zu nutzen. Eine Militärintervention «unter erfundenen Vorwänden» in einem Land, wo sich «auf Bitten der legitimen syrischen Regierung russische Soldaten aufhalten», wäre «inakzeptabel und könnte schwerste Konsequenzen haben», erklärte das russische Außenministerium am Sonntag.

Iran glaubt an Verschwörung

Nach Angaben syrischer Rettungskräfte waren bei einem Angriff mit giftigem Chlorgas am Samstagabend fast 50 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt worden. Der Iran wies die Berichte über den Chemiewaffenangriff als «Verschwörung» gegen den mit Teheran verbündeten syrischen Machthaber Assad zurück. Derartige Vorwürfe «der Amerikaner und einiger westlicher Länder» stellten eine Verschwörung gegen die syrische Regierung und das syrische Volk dar und sollten offenbar als Vorwand für einen Militäreinsatz dienen, erklärte das Außenministerium in Teheran am Sonntag.

Der iranische Außenamtssprecher Bahram Ghassemi erklärte, es wäre unlogisch, wenn die syrische Armee Chemiewaffen einsetzen würde, obwohl sie bereits «die Oberhand über die Terroristen» in der einstigen Rebellenhochburg Ost-Ghuta habe.

Türkei macht Syrien verantwortlich

Die syrische Regierung hatte die Vorwürfe bereits am Samstagabend zurückgewiesen und erklärte, angesichts ihrer militärischen Erfolge in der einstigen Rebellenregion Ost-Ghuta habe sie den Einsatz «irgendwelcher chemischer Substanzen» gar nicht nötig.

Die Türkei hat die syrische Regierung für den mutmaßlichen Giftgasangriff in Ost-Ghuta verantwortlich gemacht und die internationale Gemeinschaft zum Handeln aufgefordert. «Wir hoffen, dass der Chemieangriff der syrischen Führung dieses Mal nicht unbeantwortet bleibt», teilte Regierungssprecher Bekir Bozdag auf Twitter mit.

Die syrische Führung sei vor allem für das «Menschlichkeitsverbrechen» verantwortlich, Schuld hätte aber auch diejenigen, die «diese Gräueltat nicht verhindert haben», schrieb Bozdag weiter.

Man müsse handeln

Der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, hatte zuvor gesagt, dass alle Angriffe gegen unschuldige Menschen ein Verstoß gegen internationales Recht seien. «In diesem Zusammenhang muss das syrische Regime für solche Angriffe, die es in vielen Teilen des Landes zu unterschiedlichen Zeiten durchgeführt hat, zur Rechenschaft gezogen werden».

Um zukünftig «Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Syrien» zu verhindern, müssten die internationale Gemeinschaft und insbesondere Länder mit Einfluss auf das syrische Regime handeln, teilte Kalin mit.

(L'essentiel/roy/sda/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robbes am 09.04.2018 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist schon verwunderlich, dass immer dann, wenn das Assad-Regime ganz kurz vor einem entscheidenden Sieg steht, es Chemiewaffen einsetzt. Blöder ginge es doch nicht. Aber die Rebellen profitieren sehr von diesen Vorwürfen, werden sie doch von den USA (oder der Türkei oder Israel) heuchlerisch genutzt, um wieder Bomben auf syrische Regierungstruppen zu werfen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Robbes am 09.04.2018 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist schon verwunderlich, dass immer dann, wenn das Assad-Regime ganz kurz vor einem entscheidenden Sieg steht, es Chemiewaffen einsetzt. Blöder ginge es doch nicht. Aber die Rebellen profitieren sehr von diesen Vorwürfen, werden sie doch von den USA (oder der Türkei oder Israel) heuchlerisch genutzt, um wieder Bomben auf syrische Regierungstruppen zu werfen.