Neue Herrscher suchen Vertrauen

22. September 2021 07:04; Akt: 22.09.2021 07:07 Print

Mit den Taliban auf Villen-​​Besichtigung

Reporter begleiten die Taliban auf dem Weg, die Regierung in Afghanistan zu formen. Die radikalislamischen Führer zeigen sich dabei volksnah und gewähren persönliche Einblicke.

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Ein führendes Mitglied der in Afghanistan herrschenden Taliban führt durch den Finanzdistrikt von Kabul. Er ist unbewaffnet, ganz im Gegensatz zu seinen Sicherheitsleuten. Unterwegs ist er, um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Es ist eine Art Öffentlichkeitsarbeit in einem der wichtigsten Distrikte der Hauptstadt, mit der «Hoffnung, die Herzen der Menschen zu gewinnen», wie der CNN-Reporter Nic Robertson berichtet.

Er sei froh, seinem Land zu dienen und die Scharia nach Kabul zu bringen. Jetzt gebe es noch viel Korruption und Kriminalität, um die man sich kümmern müsse, so der Taliban. Robertson merkt an, dass die Menschen den Taliban noch mit Vorsicht begegnen würden, doch viele seien unterwegs und würden ihren Geschäften nachgehen. «Jetzt ist es hier sicherer», äußert sich ein Besitzer eines Juweliergeschäfts. Und ein weiterer Mann auf der Straße ergänzt: «Mit den Taliban ist das Leben jetzt gut.»

150 Taliban leben unter einem Dach

Alles scheine sich irgendwie zu beruhigen, doch man werde das Gefühl nicht los, nicht zu wissen, in welche Richtung sich die Lage entwickeln werde, so Robertson. Schwierig sei auch einzuordnen, wie die Gefühlsage der Menschen bei obigen Aussagen tatsächlich sei, befänden sich Angehörige der Taliban doch immer in unmittelbarer Nähe. Zwei Frauen äußern dann auch ihren Unmut über ihre Situation. Eine meint, die Taliban hätten ihr den Job bei der Regierung gekündigt und sie ohne Bezahlung entlassen. Die Zukunft werde zeigen, wie die neuen Machthaber bei der Bevölkerung aufgenommen würden, so der CNN-Reporter.

Während die Taliban also auf den Straßen von Kabul die Nähe zur Bevölkerung suchen, gingen sie mit einem Team von «The New York Times» auf eine Haus-, oder besser gesagt Villen-Besichtigung. In dem riesigen Anwesen, das dem ehemaligen Vizepräsidenten Abdul Raschid Dostum gehört hat, leben über 150 Mitglieder der Taliban. Ein Kämpfer zeigt die Räumlichkeiten, zu denen auch ein Indoorpool, eine Sauna und ein Billardraum gehören. «Solche Häuser haben reiche und mächtige Menschen errichtet, indem sie das Blut der Bevölkerung vergossen haben», sagt Jawad Abuzar während dem Rundgang zur Zeitung.

In den Kommentaren zum Video, das bereits fast 2 Millionen mal angeschaut wurde (Stand: 21. September), schreibt ein User: «Ich kann es kaum glauben, dass wir in einer Zeit leben, in der die Taliban eine Hausbesichtigung machen und sie dabei, nicht ironisch gemeint, auch noch gut darin sind.» Und ein weiterer meint, die Tour sei «besser als 95 Prozent der Führungen von anderen Youtubern und Youtuberinnen».

Derweil haben die radikalislamischen Taliban die Wiederöffnung der Schulen für Mädchen in Afghanistan angekündigt. «Es wird so bald wie möglich geschehen», sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Dienstag. Zuvor hatte er die Vergabe der verbleibenden Posten in der neuen Regierung bekanntgegeben. Das Kabinett besteht demnach ausschließlich aus Männern.

(L'essentiel/dmo/afp)

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