Tripolis, Libyen

03. September 2018 07:06; Akt: 03.09.2018 07:08 Print

Nach Milizkämpfen brechen 400 Häftlinge aus

In der libyschen Hauptstadt Tripolis ist der Ausnahmezustand ausgerufen worden. Bei Zusammenstössen von rivalisierenden Milizen gab es Dutzende Tote.

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«Ausnahmezustand zum Schutz der Zivilbevölkerung»: Ein in Tripolis durch einen Raketenangriff zerstörtes Auto. (1. September 2018) (Bild: STR)

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Nach Zusammenstössen rivalisierender Milizen in der libyschen Hauptstadt Tripolis ist in der Millionenmetropole der Ausnahmezustand ausgerufen worden. Mitten in den Unruhen gelang Hunderten Häftlingen die Flucht aus einem Gefängnis.

Die mehr als 400 Häftlinge hätten nach einer Meuterei die Tore öffnen und fliehen können, teilte die Polizei am Sonntag mit. Wärter hätten die Flucht nicht verhindern können, weil sie um ihre eigenen Leben gefürchtet hätten.

Zum Zeitpunkt des Ausbruchs hätten sich Milizen in der Nähe des Ain-Sara-Gefängnisses Gefechte geliefert, teilte die Polizei mit. In der Strafanstalt waren zumeist gewöhnliche Kriminelle und Anhänger des früheren Machthabers Muammar al-Ghadhafi untergebracht.

Die von der Uno unterstützte Regierung erklärte am Sonntag, angesichts der gefährlichen Lage diene der Ausnahmezustand dem Schutz der Zivilbevölkerung. Zudem rief sie die Konfliktparteien dazu auf, eine am Mittwoch vereinbarte Feuerpause zu respektieren.

Mindestens 39 Tote seit Montag

Bei Kämpfen wurden nach Behördenangaben seit vergangenen Montag mindestens 39 Menschen getötet und Dutzende verletzt, darunter viele Zivilisten. Der Grund für den Ausbruch der Gewalt, in dessen Verlauf neben Schusswaffen auch Granatwerfer zum Einsatz kamen, blieb zunächst unklar. Die Milizen, die sich bekämpft hatten, waren demnach als Unterstützer der Regierung in Tripolis bekannt.

Seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Ghadhafi im Jahr 2011 herrscht in Libyen ein Bürgerkriegschaos. Zahlreiche bewaffnete Milizen bekämpfen sich gegenseitig. Die international anerkannte Regierung in Tripolis von Fajes al-Sarradsch konnte ihren Einfluss kaum über die Hauptstadt hinaus ausdehnen. Sie konkurriert mit einer Regierung im Osten des Landes. Beide werden von schwerbewaffneten Milizen unterstützt.

Im Mai hatten sich die Anführer der rivalisierenden Fraktionen bei einem Treffen in Paris auf Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 10. Dezember geeinigt.

(L'essentiel/chk/sda)

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