Bevor er zurück musste

03. Januar 2019 16:08; Akt: 03.01.2019 16:10 Print

Nordkorea-​​Botschafter ist in Rom untergetaucht

Ein hochrangiger Diplomat aus Nordkorea ist in Italien abgetaucht. Zuvor soll er in einem unbekannten westlichen Land Asyl beantragt haben.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Abgeordneter in Seoul sagte am Donnerstag, der Interimsbotschafter Jo Song Gil habe sich Anfang November zusammen mit seiner Frau in Rom abgesetzt. Jos Dienstzeit in Italien wäre demnach Ende November zu Ende gewesen. Aus dem Umfeld des italienischen Außenministeriums hieß es, über ein Asylgesuch des Diplomaten sei nichts bekannt.

Zuvor hatte die südkoreanische Zeitung «Joong Ang Ilbo» unter Berufung auf ungenannte diplomatische Quellen berichtet, Jo habe Anfang des vergangenen Monats in einem unbekannten westlichen Land einen Asylantrag gestellt. Der 48-jährige Diplomat werde an einem «sicheren Ort» geschützt.

Theoretisch könnte Jo in der Schweiz Zuflucht suchen. Auf Anfrage von 20 Minuten teilte das Staatssekretariat für Migration SEM mit, ihm sei es «in Einzelfällen aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes gesetzlich jeweils strikte untersagt, eine Auskunft irgendeiner Art zu erteilen».

Vorgänger des Landes verwiesen

Aus dem Umfeld des Außenministeriums in Rom hieß es, die nordkoreanischen Behörden hätten ein Gesuch zur «Auswechslung» des Diplomaten eingereicht. Wo sich dieser derzeit befinde, sei nicht bekannt. Der Nachfolger ist bereits in Rom eingetroffen.

Jo hatte seinen Posten im Oktober 2017 angetreten, nachdem die italienische Regierung den Botschafter Mun Jong Nam aus Protest gegen einen nordkoreanischen Atomtest des Landes verwiesen hatte.

Familie darf normalerweise nicht mit

Jo sei ein «Sohn oder Schwiegersohn» eines der ranghöchsten nordkoreanischen Kader, hieß es in dem Zeitungsbericht unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Nordkorea-Experten.

Üblicherweise sind nordkoreanische Diplomaten angehalten, Familienmitglieder in Pjöngjang zurückzulassen, wenn sie einen Posten im Ausland antreten. Dem Zeitungsbericht zufolge kam der möglicherweise aus einer privilegierten Familie stammende Jo aber schon im Mai 2015 mit Frau und Kindern nach Rom. Die Beweggründe für Jos Untertauchen sind unklar.

Rom hat wichtigen Stellenwert

Rom hat für die nordkoreanische Diplomatie einen wichtigen Stellenwert. Die italienische Hauptstadt ist Sitz der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO). Nordkorea ist nach UNO-Angaben zunehmend auf Nahrungsmittelimporte und andere Hilfen aus dem Ausland angewiesen.

Dass Spitzendiplomaten Nordkorea den Rücken kehren, ist äußerst selten. Als einer der ranghöchsten Diplomaten der vergangenen Jahre hatte sich im August 2016 der stellvertretende Botschafter Nordkoreas in London, Thae Yong Ho, nach Südkorea abgesetzt. Er begründete seinen Schritt mit seiner «Abscheu» über die Herrschaft des Machthabers Kim Jong-un und seiner Bewunderung für die Demokratie im Nachbarland.

1997 setzte sich der nordkoreanische Botschafter in Ägypten in die USA ab. Im gleichen Jahr floh der Spitzenfunktionär Hwang Jang Yop, ein ehemaliger Vertrauter von Kims Vater und Vorgänger Kim Jong-il, nach Südkorea. Der 2010 im Exil gestorbene Hwang ist bis heute der ranghöchste Politiker, der in den Süden überlief.

Kurse für Überläufer

Überläufer aus der abgeschotteten Demokratischen Volksrepublik Nordkorea versorgen Seoul immer wieder mit wichtigen Geheimdienstinformationen.

Wer aus dem international weitgehend isolierten Land nach Südkorea flieht, muss sich dort intensiven Befragungen der Geheimdienste stellen. Diese wollen damit eine Einschleusung nordkoreanischer Spione verhindern. Ein dreimonatiger Kurs bereitet die Flüchtlinge anschließend auf ihr neues Leben in Südkorea vor.

Im Bestreben, mehr Mitglieder auch des nordkoreanischen Führungszirkels zur Flucht nach Südkorea zu ermuntern, lockt Seoul mit beträchtlichen Geldsummen.

(L'essentiel/gux/sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.