Frankreich

01. März 2016 07:56; Akt: 01.03.2016 07:56 Print

Rassismus nimmt alarmierend zu

Juden, Muslime und Homosexuelle werden immer mehr Opfer von Intoleranz. Die Lage in Frankreich sei beunruhigend, da viele Opfer schweigen würden.

storybild

Seit 2012 sind die Strafanzeigen wegen antisemitisch motivierter Gewalttaten um 36 Prozent angestiegen: Polizeibeamten sichern den Tator vor dem Eingang des Baumettes Gefängnisses in Marseille. (Symbolbild) (Bild: AP Photo/Claude Paris)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Europarat zeigt sich alarmiert über einen «erheblichen Anstieg» von Hassreden und rassistisch motivierten Straftaten in Frankreich. Opfer der zunehmenden Intoleranz sind demnach vor allem Juden, Muslime sowie Roma und Sinti, aber auch Homosexuelle. Auch die Zahl rassistisch und antisemitisch motivierter Gewalttaten sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, stellte das Anti-Rassismus-Komitee (Ecri) der paneuropäischen Staatenorganisation in einem am Dienstag in Straßburg veröffentlichten Bericht fest.

Diese Situation sei umso beunruhigender, als zahlreiche rassistisch motivierte Verbrechen nicht angezeigt würden. Zudem weise das französische Strafrecht Lücken auf, die eine wirksame Bekämpfung des Phänomens erschwerten. Hinzu komme, dass immer immer mehr Politiker öffentlich stigmatisierende Klischees über bestimmte Minderheiten verwendeten, was zu einer «Banalisierung von Rassismus und Intoleranz» in der Gesellschaft geführt habe.

Starker Anstieg von Anzeigen

Die Autoren des Berichts verweisen auf offizielle französische Angaben, nach denen die Zahl von Strafanzeigen wegen antisemitisch motivierter Gewalttaten seit 2012 um 36 Prozent angestiegen ist. Im Jahr 2014 wurden demnach in Frankreich 241 Angriffe gegen Juden registriert.

Im vergangenen Jahr sei diese Zahl nach provisorischen Angaben des Pariser Innenministeriums vermutlich noch deutlich überschritten worden. Das Experten-Komitee forderte die französische Regierung auf, wirksamer gegen Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus vorzugehen, unter anderem durch eine Verschärfung des Strafgesetzes.

Juden kehren Frankreich den Rücken

In Frankreich haben in den vergangenen Jahren mehrere Attentate gegen Juden für Schlagzeilen gesorgt. Entsetzen rief vor allem der Anschlag gegen eine jüdische Schule in Toulouse hervor, bei dem im März 2012 drei Kinder und ein Vater getötet wurden. Wegen dieser Situation wandern immer mehr französische Juden nach Israel aus – im vergangenen Jahr waren es nach Angaben der israelischen Regierung mehr als 7000.

Dem Ecri gehören unabhängige Experten aus den 47 Europaratsländern an. Das Komitee veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Berichte über die Situation in den einzelnen Mitgliedsländern.

(L'essentiel/afo/sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.