Vati-Leaks-Buch

04. November 2015 21:07; Akt: 04.11.2015 21:23 Print

So dreist prasst der Vatikan mit Spendengeld

Ein neues Buch enthüllt die unglaubliche Geldverschwendung im Vatikan. Wir hatten exklusiv Einblick in ein Vorausexemplar.

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Es kommt nicht alle Tage vor, dass Angestellte des Vatikans festgenommen werden. Genau das passierte vergangenes Wochenende, als die Polizei den Geistlichen Lucio Angel Vallejo Balda und die Doktorin Francesca Chaouqui verhaftete. Der Vorwurf: Weitergabe vertraulicher Informationen. Die beiden waren Mitglieder von Cosea, der von Papst Franziskus im Jahr 2013 eingesetzten papstlichen Kommission zur Untersuchung der Wirtschafts- und Finanzorganisation des Heiligen Stuhls.

Brisant: Die Festnahmen fanden wenige Tage vor der Veröffentlichung von zwei Enthüllungsbüchern statt (siehe Infobox). In einem der Bücher – «Alles muss ans Licht» – entlarvt Gianluigi Nuzzi die «unglaubliche Geldverschwendung durch die Kirchenführung». Der italienische Journalist gibt an, interne E-Mails, Tonaufnahmen privater Gespräche und Sitzungsprotokolle erhalten zu haben.

Die geheimen Dokumente veranschaulichen, wie viel Geld bei Heiligsprechungen fließt oder wie dem Vatikan Millionen Euro an Mieteinnahmen flöten gehen, weil es keine Kontrolle über den immensen Immobilienbesitz gibt. Das Buch berichtet zudem von den internen Grabenkämpfen im Vatikan zwischen der alten Garde und den Reformern um Papst Franziskus.

«Alles muss ans Licht» erscheint am Donnerstag. Unserer Partnerseite 20 Minuten liegt eine Kopie vor. Die brisantesten Punkte im Überblick:

• Buchhalterisches Chaos der Kurie

Am 3. Juli 2013 beginnt ein Krieg im Vatikan. Laut Autor Nuzzi trifft sich Papst Franziskus mit der Elite der katholischen Kirche: «Ohne Übertreibung kann man sagen, dass ein großer Teil der Kosten außer Kontrolle geraten sind», sagte er an diesem Meeting. Der Pontifex verwies auf die Personalkosten, die in den vergangenen funf Jahren um 30 Prozent gestiegen seien, auf Vertrage «voller Fallen», unehrliche Lieferanten und überteuerte Waren, auf Parallelverwaltungen, die nicht in den Bilanzen auftauchten, und auf Millionenverluste aufgrund schlecht angelegter Gelder.

Das war die Geburtsstunde von Cosea. Die Kommission besteht aus 15 Mitgliedern – sieben Geistlichen und acht externen Experten aus den Bereichen Recht, Wirtschaft, Finanzen und Organisation. Die Verbindung der Cosea zum Vatikan liegt in den Händen des Opus-Dei-Priesters Lucio Angel Vallejo Balda – einem der beiden am Wochenende festgenommenen Personen.

• Spenden versickern im Finanz-Limbo

Nuzzi bezeichnet die Verwaltung der Spenden und Erbschaften, welche Glaubige der Kirche hinterlassen, als «wahrhaftes Mysterium». Bei ihren Ermittlungen über den sogenannten Peterspfennig erhielt die Cosea zwar Auskunft über die Höhe der Spendeneinnahmen, nicht aber über deren Verwendung.

Deshalb schrieb Anfang 2014 Cosea-Chef Joseph Zahra an Papst Franziskus: «Das Staatssekretariat ist augenscheinlich in keinerlei Form bereit, Angaben über seine Konten zu machen.» Der Pontifex intervenierte augenblicklich – mit Erfolg.

Am 30. Januar erfuhr die Cosea, dass sich die Einnahmen durch den Peterspfennig im Rechnungsjahr 2012 auf 53,3 Millionen Euro beliefen. Und so wurden sie ausgegeben: Für karitative Tätigkeiten und/oder besondere vom Heiligen Vater benannte Projekte (14,1 Millionen), als Spende für besondere Zwecke (6,9 Millionen) und für den Unterhalt der römischen Kurie (28,9 Millionen). Zudem: Rückstellungen für den Fonds des Peterspfennigs (6,3 Millionen). Mit anderen Worten: Über die Halfte der weltweiten Spenden, die den Armen zugutekommen sollten, landet in den Kassen der Kurie.

• Die prachtvollen Wohnungen der Kardinäle

Ein Blick auf die Adresse der Kardinale zeigt, wo die Gelder landen: in Luxuswohnungen im Herzen Roms, von denen der Durchschnittskatholik nur träumen kann.

Die größte Wohnung bewohnt Kardinal Tarcisio Bertone: 700 Quadratmeter mit einer über 100 Quadratmeter großen Dachterrasse im Palazzo San Carlo im Vatikan. Keine Ausnahme: Viele Kurienkardinale wohnen in furstlichen Gemächern mit durchschnittlich 500 Quadratmetern – mietfrei. Für etliche von ihnen arbeiten Missionsschwestern als Haushälterinnen – unentgeltlich. Einem Kardinal soll auch schon mal ein Hubschrauberflug für 24.000 Euro spendiert worden sein.

• Das Geschäft mit den Heiligen

In seinem Buch enthüllt Nuzzi auch das lukrative Geschäft mit den Selig- und Heiligsprechungen. Gemeinden in aller Welt können eine solche beantragen. Darauf spüren die sogenannten Postulatoren des Vatikans in einem streng geheimen Prozedere «heroische» Taten oder vollbrachte Wunder der vorgeschlagenen Kandidaten auf. Dafür bezahlen die Gemeinden zusammen mit Spendern einen hohen Preis: laut Schätzungen von Nuzzi im Schnitt rund 500.000 Euro, im Einzelfall bis zu 750.000 Euro.

Nachdem die zuständige Stelle im Vatikan die Zusammenarbeit mit der Cosea verweigerte, wurden die Konten der Postulatoren auf der Vatikanbank eingefroren.

• Das Rentenloch

Bezüglich des vatikanischen Vorsorgesystems kommt die Cosea zum Schluss: «Das Rentensystem steht kurz vor dem Kollaps.» Im Pensionsfonds fehlen 700 bis 800 Millionen Euro. Grund laut Ansicht der Cosea-Finanzexperten: «Die verantwortlichen Kurienfunktionäre verfügen nicht uber die nötigen Kenntnisse im Bereich Versicherungswesen und Vermögensverwaltung.»

Die Cosea schlug vor, dass «die Vermögensverwaltung des Pensionsfonds einem zu grundenden Vatican Asset Management (VAM) übertragen wird». Der Vorschlag löste laut Nuzzi monatelange Auseinandersetzungen im Verborgenen aus, es kam zu Einschüchterungsversuchen und Intrigen gegen Franziskus' Reformwerk.

• Steuerparadies Vatikan

Wer im Vatikan lebt, zahlt keine Steuern. Waren sind von der Mehrwertsteuer befreit und entsprechend günstiger. So liegen etwa die Benzinpreise im Vatikan rund 20 Prozent unter denen Italiens. Laut Cosea befinden sich die Bewohner des Vatikans in einem pausenlosen Kaufrausch. «Bischofe und Kardinale scheinen eine maßlose Leidenschaft fur die neuesten Fernsehgeräte und die jüngsten Entwicklungen der Elektronik zu pflegen», schreibt Nuzzi.

• Seltsame «Geschäftstätigkeiten»

In den preisgunstigen Laden des Vatikans darf nur einkaufen, wer eine «Tessera d'acquisto» besitzt, einen Einkaufsausweis, der nur Einwohnern und Beschaftigten des kleinen Staats ausgehändigt wird. Im Vatikan gibt es rund 5000 Mitarbeiter und 836 Einwohner. Somit durften hochstens 6000 solcher Ausweise in Umlauf sein. Die tatsachliche Zahl: 41.000.

Die Cosea stieß zudem auf «Geschäftstatigkeiten, die sich mit dem Image des Heiligen Stuhls schlecht vertragen: Tabakwaren, Parfumerie, Bekleidung, elektronische Gerate und Benzin.» Besonders stutzig machte die Cosea-Mitglieder etwa ein nicht unterschriebener Vertrag des Vatikans mit der Tabakholding Philip Morris, wonach sich der Vatikan «zu absatzfordernden Maßnahmen verpflichtet» – obwohl kaum ein Kardinal raucht. An wen die Zigarettenstangen gehen, ist nicht bekannt.

• Das schwarze Loch des Immobilienvermögens

Laut Nuzzi kennt kein Mensch den tatsächlichen Wert des immensen Immobilienbesitzes der katholische Kirche – «nicht einmal innerhalb der Kurie». Der Autor erhielt Zugriff auf die Daten von 5050 Immobilien, darunter Wohnungen, Buros, Geschäftslokale und Grundstücke im Gemeindegebiet von Rom. Doch die Liste ist unvollständig: «In 50 Prozent der Fälle fehlen Angaben zur Fläche der Wohnung oder des Lokals.»

Trotzdem kann Nuzzi aus den Daten einiges ableiten: Eine Wohnung der Kirche wird fast nie zu Marktpreisen vermietet, sondern beträgt 30 bis 100 Prozent einer Durchschnittsmiete. Statt bloß 6,2 Millionen Euro könnte die Kirche rund 191,4 Millionen einnehmen, schätzt Nuzzi.

Der Enthüllungsjournalist deckt einen ganz besonderen Fall auf: Guiseppe Sciacca, die Nummer zwei in der Vatikanverwaltung, wollte demnach im Jahr 2012 ein schickeres Apartment. Als sein Nachbar, ein älterer Priester, für längere Zeit im Krankenhaus lag, packte Sciacca die Gelegenheit beim Schopf: Er ließ die Trennwand zwischen beiden Apartments einreißen und vergrößerte so seine Wohnung mit einem der Räume seines Nachbarn. Als der Priester aus dem Krankenhaus nach Hause zurückkehrte, fand er seine Sachen in Kisten vor. Kurz darauf starb er.

Als Franziskus davon erfuhr, degradierte er Sciacca und ließ ihn aus der Wohnung werfen.

(L'essentiel/K. Leuthold)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ralph am 05.11.2015 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Se hun nach nie dorun gegleewt. D'Kirch ass just als Instrument erfond gin, fir d'Mënschen ze kontrolléiren.

  • Kalimero am 05.11.2015 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    was haben die im Vatikan alles zu verbergen und an Schätzen dass Sie vor jedem Eingang schweizer Garden brauchen.

  • Proton am 05.11.2015 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist nur schwer nachvollziehbar, was da im Vatikan abläuft. Legt man eigenen Kriterien zugrunde, müssten viele dieser "Gutmenschen" in der Hölle landen. Oder glauben sie selbst nicht an das, für was die Kirche steht...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ralph am 05.11.2015 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Se hun nach nie dorun gegleewt. D'Kirch ass just als Instrument erfond gin, fir d'Mënschen ze kontrolléiren.

  • Kalimero am 05.11.2015 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    was haben die im Vatikan alles zu verbergen und an Schätzen dass Sie vor jedem Eingang schweizer Garden brauchen.

  • Proton am 05.11.2015 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist nur schwer nachvollziehbar, was da im Vatikan abläuft. Legt man eigenen Kriterien zugrunde, müssten viele dieser "Gutmenschen" in der Hölle landen. Oder glauben sie selbst nicht an das, für was die Kirche steht...

    • Sir Bulli am 05.11.2015 11:35 Report Diesen Beitrag melden

      Daat sin Real Life Schauspieler,Den Daniel Craig gleewt och net dass heen den James Bond assheen spillt dei Roll just.Esou machen et och dei Kardinäl,sie spillen ier roll just.

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