«Warum nicht einsetzen?»

09. August 2016 17:32; Akt: 09.08.2016 17:34 Print

So würde Trump die A-​​Bombe zünden

Mit unbedachten Aussagen über Amerikas Nuklearwaffen verbreitet Donald Trump Schrecken. Doch wie läuft das ab, wenn ein US-Präsident an die Codes einer Atombombe kommen will?

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Einen roten Knopf, mit dem der US-Präsident die Welt in Schutt und Asche legen könnte, gibt es nicht. Aber sonst stimmt alles, was man über die beinahe unvorstellbare Macht eines amerikanischen Oberbefehlshabers weiß: Er – oder sie – allein bestimmt darüber, ob die Supermacht einen nuklearen Sprengkopf zündet.

Die unheimliche Bündelung militärischer Macht auf eine Person wurde vergangene Woche ein Thema, als der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump mit unbedachten Äußerungen darauf aufmerksam machte. Der MSNBC-Moderator Joe Scarborough enthüllte, dass Trump in einem Briefing über Atombomben dreimal die Frage gestellt habe: «Wenn wir die Waffen besitzen, warum können wir sie dann nicht einsetzen?»

Militärassistent mit 18-Kilo-Tasche

Dann schockierte der frühere Chef der Geheimdienste NSA und CIA, Michael Hayden, mit einer Auskunft über die Quelle von Trumps Kenntnissen über nukleare Waffen: «Niemand berät ihn.»

Mit seinen Aussagen weckte Trump auch in der eigenen Partei Zweifel. Kann ihm im Fall einer Wahl überhaupt je die Macht über Nuklearwaffen in die Hand gegeben werden? Der US-Präsident ist nämlich in der Befehlskette der einzige, der ihren Einsatz anordnen kann. Zu diesem Zweck begleitet ihn immer ein Militärassistent mit einer 18 Kilo schweren Tasche. Der mit Leder ummantelte Koffer der Marke Zero Halliburton enthält alles, was es für den Weltuntergang braucht.

Koffer mit den Codes

Wie «Die Welt», CNN und die «New York Times» ausführen, sind in dem auch «Nuclear Football» genannten Koffer Kriegspläne, eine Liste mit Notbunkern, eine Art Laptop und Kommunikationsgeräte samt Antenne. Der wichtigste Inhalt ist ein 7,5 mal 12,5 Zentimeter großer Karton mit den Codes, die es zur Zündung von Atombomben braucht. Die US-Streitkräfte verfügen derzeit über 925 aktive Nuklearsprengköpfe mit einer Zerstörungsgewalt von mehr als 17.000 Hiroshima-Bomben.

Ein Präsident soll schnell und ohne mögliches Veto des Verteidigungsministers über ihre Verwendung entscheiden können, weil im Fall eines Nuklearangriffs sehr wenig Zeit bleibt. Aus U-Booten abgefeuerte Nuklearraketen erreichen Washington in zwölf Minuten, Interkontinentalraketen brauchen 30 Minuten und Bomber einige Stunden.

Nixon ausgebremst

In der Geschichte wurde die nukleare Entscheidungsgewalt eines US-Oberbefehlshabers erst zweimal limitiert. 1969 weigerte sich Verteidigungsminister Melvin Laird anfänglich, einen Befehl von Präsident Richard Nixon auszuführen und die Atomkräfte in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen. Fünf Jahre später sprach Nixon so sehr der Flasche zu, dass der neue Verteidigungsminister James Schlesinger an seiner Vernunft zu zweifeln begann. Er wies das Militär an, allfällige Nuklearbefehle erst ihm oder Sicherheitsberater Henry Kissinger vorzulegen.

Trump beunruhigt die Gemüter, weil er den möglichen Einsatz von US-Atomwaffen offenbar als Pfand in Verhandlungen einsetzen will. Er weigert sich, einen Ersteinsatz von Nuklearwaffen auszuschließen. Auf die Frage, ob er im Fall eines Angriffs durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Nuklearwaffen verwenden würde, sagte Trump im März: «Ich würde nie irgendwelche Karten vom Tisch nehmen.»

Nicht darüber reden

Unberechenbarkeit, auch im Nukleareinsatz, ist aber nicht nur Trumps Strategie. Offiziell hat bisher kein US-Präsident pauschal die Erstanwendung von Atomwaffen ausgeschlossen. Die entscheidende Frage scheint zu sein, wie offen darüber gesprochen werden darf.

(L'essentiel/sut)