Festakt in New York

22. September 2020 07:18; Akt: 22.09.2020 07:18 Print

Uno feiert 75-​​jähriges Bestehen – ohne Trump

Die Vereinten Nationen begingen in New York das 75. Jubiläum. Wegen der Corona-Pandemie schickten die meisten Staats- und Regierungschefs ihre Reden als Videobotschaft.

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Viele Staats- und Regierungschefs fordern von der Uno Reformen: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. (21. September 2020) (Bild: Keystone/UN Photo)

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Mit einem Festakt haben die Vereinten Nationen am Montag ihr 75-jähriges Bestehen gefeiert – und das überraschend ohne Donald Trump. Eigentlich hätte sich der US-Präsident mit einer vorab aufgezeichneten Video-Botschaft als erster Vertreter der 193 Mitgliedsstaaten äußern sollen. Stattdessen redete nur die amerikanische Vize-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Cherith Norman Chalet. Die ansonsten hochrangigen Vertreter beteuerten die Bedeutung der Uno, verlangten aber auch Reformen. Wegen der Corona-Krise fiel der Festakt am Uno-Sitz in New York viel bescheidener aus als geplant.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel beschwor in ihrer Videobotschaft die Einigkeit und Reformbereitschaft der Uno. «Die Vereinten Nationen können letztlich nur so gut sein, wie ihre Mitglieder sich einig werden», sagte Merkel in der vorab aufgezeichneten Botschaft. «Zu oft ist der Uno-Sicherheitsrat blockiert, wenn es auf klare Entscheidungen ankommt. Wir brauchen Reformen.» Die Uno müssten sich weiterentwickeln, um die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bewältigen zu können.

Zuvor hatte Un-Generalsekretär António Guterres zum Auftakt der Veranstaltung einen Appell für die internationale Zusammenarbeit gehalten. «Heute haben wir einen Überschuss an multilateralen Herausforderungen und ein Defizit an multilateralen Lösungen.» Es brauche eine effektive Zusammenarbeit mit Visionen und Ehrgeiz, um Problemen wie Klimawandel, Ungleichheiten und Benachteiligung von Frauen zu begegnen und den Kampf gegen Hass und Armut zu führen. Auch Merkel betonte den Stellenwert internationaler Zusammenarbeit, die allzu oft unter den «Interessen einzelner Mitglieder» leide.

Video von Trump kam nicht

Die amerikanische Vize-Botschafterin Chalet würdigte die Uno ebenfalls, betonte aber auch ihren Reformbedarf und sprach von mangelnder Transparenz und Anfälligkeit gegenüber Autokratien. «Für die Trump-Regierung ist dieses Jubiläum ein wichtiger Moment, um die vielen Erfolge der Vereinten Nationen zu markieren – aber dies mit klaren Augen zu tun und mit einer erneuten Entschlossenheit, dieses wichtige Gremium seinen Zweck erfüllen zu sehen.»

Wegen der Corona-Pandemie war im großen Uno-Saal für jedes Mitgliedsland nur ein Vertreter zugelassen. Die Staats- und Regierungschefs schickten vorab aufgezeichnete Videobotschaften. Noch am Sonntag hatten die UN mit einer solchen Videobotschaft auch von US-Präsident Trump gerechnet, wie ein Un-Sprecher am Montag noch einmal bestätigte. Wer für ein Mitgliedsland spreche, sei aber allein die Entscheidung dieses Landes. Bei Änderungen müsse keine Begründung angegeben werden.

Chinas Präsident Xi Jinping lobte in seinem Redebeitrag: «Diese Organisation hat eine Prüfung nach der anderen vorgelegt bekommen und ist daraus mit neuer Kraft und Lebhaftigkeit hervorgegangen.» Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan betonte seine Wertschätzung – mahnte aber gleichzeitig dringende Reformen an, unter anderem eine Umbildung des Sicherheitsrats. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte einen «Multilateralismus der Taten mehr als der Worte». «Wenn wir den Vereinten Nationen die notwendigen Mittel gegeben haben, haben sie die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllt.» In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sich alle Mitgliedstaaten zur Arbeit der Uno.

Grundlegende Versorgung gefordert

Eine weltweite Umfrage zum Jubiläum mit mehr als einer Million Teilnehmern zeigt nach Einschätzung der Uno den großen Bedarf an grundlegender Versorgung. «Inmitten der aktuellen Covid-19-Krise besteht für die meisten Befragten die unmittelbare Priorität darin, den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen zu verbessern – Gesundheitsversorgung, sauberes Wasser, sanitäre Einrichtungen und Bildung», heißt es in der Erhebung. Auch der Wunsch nach größerer internationaler Solidarität und Hilfe für die von der Pandemie am stärksten Betroffenen spiele eine wichtige Rolle.

Die Vereinten Nationen wurden 1945 mit zunächst rund 50 Mitgliedern gegründet. Die Bundesrepublik Deutschland und die DDR traten 1973 bei. Am Dienstag beginnt die Generaldebatte der Uno-Vollversammlung – normalerweise ein großes alljährliches Treffen mit viel Gelegenheit zu Diplomatie auch auf den Gängen. Wegen der Pandemie fallen die allermeisten Begegnungen dieses Mal aus.

(L'essentiel/SDA/chk)

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