Truppen-Abzug aus Afghanistan

01. März 2020 09:46; Akt: 01.03.2020 09:46 Print

USA und Taliban schließen Friedensvertrag

Die USA und die Taliban haben ein historisches Abkommen unterzeichnet, das den Weg für einen dauerhaften Frieden in Afghanistan ebnen soll.

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Mehr als 18 Jahre nach dem US-Einmarsch in Afghanistan haben die USA und die militant-islamistischen Taliban ein historisches Abkommen über Wege zu einem Frieden geschlossen.

In Doha, der Hauptstadt des Golfemirats Katar, unterzeichneten der US-Sondergesandte für Aussöhnung in Afghanistan, Zalmay Khalilzad, und der Leiter des politischen Büros der Taliban in Doha, Mullah Abdul Ghani Baradar, vor rund 300 geladenen Gästen das Abkommen. Auch US-Außenminister Mike Pompeo war bei der Zeremonie anwesend.

Die mehr als eineinhalb Jahre lang verhandelte Einigung soll einen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan einleiten. Im Gegenzug sollen die Taliban Garantien geben, dass das Land kein sicherer Hafen für Terroristen wird und sie Friedensgespräche mit der Regierung in Kabul aufnehmen.

US-Truppen um einen Drittel reduzieren

In einem ersten Schritt soll die Zahl der US-Truppen um rund ein Drittel reduziert werden. Demnach soll die Zahl der US-Streitkräfte von aktuell zwischen 12.000 und 13.000 innerhalb 135 Tagen auf 8600 reduziert werden. Die USA und ihre Verbündeten würden alle ihre verbleibenden Streitkräfte innerhalb von 14 Monaten abziehen.

Washington hatte als Voraussetzung für ein Abkommen von den Taliban sieben Tage der «Gewaltreduzierung» in dem kriegszerrissenen Land verlangt. Die sieben Tage waren um Mitternacht (Ortszeit Afghanistan) zu Samstag abgelaufen. Die Phase verlief zwar nicht gewaltfrei, aber erheblich ruhiger als üblich.

Die wichtigsten Zahlen zum gewaltsamen Konflikt im Überblick:

Soldaten im Einsatz

Die Nato zog Ende 2001 an der Seite ihres wichtigsten Mitglieds USA in den Afghanistan-Krieg. Die USA waren stets der größte Truppensteller. Höhepunkt war das Jahr 2011, als 98.000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert waren.

An der Isaf-Nachfolgemission Resolute Support zur Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte sind derzeit rund 16.500 Soldaten aus knapp 40 Staaten beteiligt. Die USA stellen rund die Hälfte, Deutschland ist mit einer Mandatsobergrenze von 1300 Soldaten der zweitgrößte Truppensteller.

Die USA haben neben der Nato-Mission zudem tausende Soldaten im Anti-Terror-Kampf in Afghanistan im Einsatz. Genaue Zahlen nennt das Pentagon nicht. Die Gesamtzahl der US-Soldaten in Afghanistan soll bei rund 13.000 liegen.

Tote

Während des seit fast zwei Jahrzehnten andauernden Kriegs wurden mehr als 1900 US-Soldaten getötet und mehr als 20.000 verletzt. Auch andere Staaten hatten hohe Verluste: Laut der Internetseite icasualties.org kamen unter anderem 454 Briten, 157 Kanadier und 89 Franzosen ums Leben.

Die deutsche Bundeswehr spricht von 59 Todesfällen in ihren Reihen. 35 Bundeswehrsoldaten wurden demnach durch Fremdeinwirkung getötet, also bei Gefechten oder Anschlägen. Die genaue Zahl der getöteten afghanischen Soldaten ist unbekannt; die Regierung in Kabul veröffentlicht inzwischen keine entsprechenden Zahlen mehr. Laut den Vereinten Nationen starben zwischen 32.000 und 60.000 afghanische Zivilisten.

Kosten

2019 gab das US-Verteidigungsministerium die Gesamtkosten der Afghanistan-Einsätze seit 2001 mit 776 Milliarden Dollar an. Davon waren rund 197 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des Landes bestimmt.

Laut einer Studie der Brown-Universität liegen die wahren Kosten aber deutlich höher, weil die Pentagon-Zahlen weder Mittel des Außenministeriums, noch Kosten für Geheimdienstarbeit und die Versorgung verwundeter Veteranen umfassen.

(L'essentiel/kle/sda)

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