Vormarsch der Terroristen

28. Mai 2015 08:04; Akt: 28.05.2015 08:13 Print

Verliert Machthaber Assad Syrien an den IS?

Die Terrormiliz IS kontrolliert über die Hälfte von Syrien. Was heißt das für Machthaber Baschar al-Assad? Wir sprachen mit zwei Sicherheitsexperten.

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Die Terroristen des Islamischen Staats (IS) haben die syrische Stadt Palmyra erobert und mehrere Hundert Menschen getötet – darunter waren auch viele Kinder. Gezielt sollen IS-Kämpfer Jagd auf Soldaten und Getreue von Syriens Diktator Baschar al-Assad machen.

Neben Palmyra hat die Terrormiliz auch den letzten Kontrollpunkt an der Grenze zum Irak, den Übergang von Al-Tanaf nach Al-Walid, erobert. Dieser liegt auf der Hauptstraße von Damaskus nach Bagdad. Somit weitet der IS sein Machtgebiet dramatisch aus: Er kontrolliert fast die gesamte syrisch-irakische Grenze und hält mehr als die Hälfte Syriens. Ein herber Rückschlag für das Assad-Regime. Frankreichs Präsident François Hollande sagte am Freitag, der Verlust von Palmyra zeige, wie geschwächt die syrische Regierung sei. Zeichnet sich ein Ende von Assads Herrschaft ab?

«Palmyra ist nicht entscheidend»

«Es sieht durchaus schlecht aus für Assad», sagt der Terrorexperte Lorenzo Vidino. «Die syrische Wirtschaft schwächelt massiv, Damaskus ist zunehmend isoliert. Einer der wichtigsten Kommunikationswege in die Hauptstadt läuft durch Palmyra.» Stellt die Eroberung der antiken Stadt durch den IS einen Wendepunkt dar? «Nein», sagt Sicherheitsexperte Kurt Spillmann. «Palmyra ist nicht entscheidend für Assad. Er wird immer noch massiv aus dem Iran und von der Hisbollah unterstützt. Das stärkt ihn.»

Dem stimmt Vidino zu: «Palmyra ist Assad egal. Er will lieber andere Regionen halten, etwa Damaskus und Homs.» Das zeigt sich auch darin, dass Assad Palmyra fast kampflos aufgab: Die syrischen Truppen flogen nur ein paar wenige Luftangriffe, der Vorstoß schien halbherzig. Laut Spillmann liegt das auch am Zustand der syrischen Armee: Assad gingen die Kämpfer aus. «Er muss Prioritäten setzen, wo er eingreifen will.»

Städte wie Palmyra aufzugeben, könnte sogar ein Teil von Assads Strategie sein, meint Vidino. In einem kleineren Gebiet könnte sich der Machthaber einen alawitischen Staat um Damaskus herum bauen, um an seiner Macht festzuhalten.

«Assad will in seinem Land bleiben»

Ist es auch möglich, dass Assad sein Land verlässt? «Nein, Assad will in seinem Land bleiben», sagt Spillmann. «Er hält an seiner Linie fest, auch wenn er gewisse Gebiete verliert.»

Trotzdem werde Assad langsam nervös, sagt Vidino. Denn der IS zieht in die Vororte von Damaskus ein. Zuvor hatte Assad die Terrormiliz weitgehend gewähren lassen, denn diese kämpfte seiner Meinung nach gegen denselben Feind: die lautigte Opposition in Syrien. Jetzt ist der Machthaber alarmiert: «Der IS wird ihm langsam zu stark», sagt Spillmann. Darum werde Assad versuchen, seine Partner zu mobilisieren. Hauptunterstützer Assads sind der Iran und die libanesische Hisbollah-Miliz, die in ganz Syrien gegen den IS kämpft.

Der IS steht vor den Toren von Damaskus und Bagdad, von Schwächeln keine Spur. Könnte sich die Terrormiliz bald in den Hauptstädten von Syrien und dem Irak breitmachen? «Dass der IS Bagdad einnimmt, ist unrealistisch», sagt Vidino. Die irakische Armee flüchte im Rest des Landes zwar vor dem IS – ginge es jedoch um die Hauptstadt, würde sie ihre Kräfte bündeln. Zudem könnte sie auf die Unterstützung der USA zählen.

In Damaskus sieht das anders aus: «Es besteht eine reelle Gefahr, dass der IS dort demnächst einfällt», so Vidino. Vor allem, wenn sich die Terrormiliz mit anderen Gruppierungen wie der Al-Nusra-Front zusammentue.

(L'essentiel/C. Freigang)

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