Lira im freien Fall

18. Mai 2018 13:35; Akt: 18.05.2018 14:17 Print

Wie Erdogan seine Währung kaputt macht

Die türkische Landeswährung stürzt ab, ein Rekordtief jagt das nächste. Große Mitschuld an der Lira-Misere trägt Präsident Erdogan.

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«Kaum eine Währung geht so lange so eindeutig den Bach runter wie die türkische Lira», schreibt die deutsche «Finanzmarkwelt». Der schottische Makroökonomen und Wirtschaftshistoriker Russell Napier warnt in der NZZ sogar von einer Insolvenz der Türkei: «Es ist keine Frage der Zeit mehr, bis es so weit kommt, sondern der Anfang ist schon gemacht.»

Derweil fällt der Kurs der türkischen Lira ins Bodenlose: Ein Rekordtief jagt das andere, mittlerweile ist eine Lira um die 20 Rappen wert.

Erdogan: Zinsen sind «Mutter und Vater des Teufels»

Grundsätzlich machen Analysten dafür das hohe türkische Leistungsbilanzdefizit und die niedrigen Realzinsen (die Zinsen abzüglich der Inflation) verantwortlich.

Einen noch größeren Einfluss auf den Lira-Verfall hat jedoch die Politik. So erschütterten geldpolitische Äußerungen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Er hatte angekündigt, nach der vorgezogenen Präsidentschaftswahl vom 24. Juni mehr Einfluss auf die türkische Notenbank nehmen zu wollen.

Denn in seinen Augen ist sie es, die mit hohen Leitzinsen (derzeit bei 13 Prozent) für die hohe Teuerungsrate verantwortlich ist. Sprich: Während die Zentralbank die Zinsen anheben will, um die ohnehin schon hohe Inflation (10 Prozent) in den Griff zu kriegen, will er sie senken – denn: Zinsen sind «Mutter und Vater des Teufels». Erdogan scheint damit mehr religiös als geldpolitisch zu argumentieren. Immerhin sind Zinsen eine im Islam streng verbotene Form des Handels.

«Erdogan spricht, Lira-Kurs fällt»

Mit solchen Akündigungen – ein SRF-Wirtschaftsredakteur nennt sie «außergewöhnlich und etwas ungeschickt» – erschüttert der türkische Präsident jedoch das ohnehin schon angeschlagene Vertrauen der Märkte in die finanzielle Stabilität der Türkei. Denn «ein Präsident mit solchen Aussagen schwächt das Vertrauen in die finanzielle Seriosität einer Volkswirtschaft massiv. Und das hat nichts damit zu tun, ob man Erdogan mag oder nicht – es geht nur um seine konkreten Aussagen zu den Zinsen», wie ein Analyst bemerkt.

Experten warnen schon lange vor einer Überhitzung der türkischen Wirtschaft: Günstige Kredite führen zu einer zu hohen Produktion, welche die Nachfrage übersteigt. Die Folge: Stagnation oder gar eine Rezession.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg, die die Ursachen für den Lira-Verfall untersuchte, kommt zum Schluss: Will die türkische Politik die Lira stabilisieren, muss sie eine «Charmeoffensive» starten, um das Investoren-Vertrauen zurückzugewinnen. Ein erster Schritt wären dringend notwendige Zinserhöhungen. Doch, wie Spiegel.de schreibt, solange «Erdogan spricht, fällt der Lira-Kurs».

(L'essentiel/gux)

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