Streit

28. Mai 2020 13:47; Akt: 28.05.2020 13:59 Print

Zuckerberg kritisiert Twitters Faktencheck scharf

US-Präsident Trump streitet sich mit Twitter und droht, Social-Media-Plattformen mit Regulierung und Schließung. Jetzt mischt sich der Facebook-Chef ein – und kritisiert Twitter.

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US-Präsident Donald Trump will nach seiner Auseinandersetzung mit Twitter am Donnerstag eine Verfügung gegen Social-Media-Unternehmen vorstellen. Auf Twitter schrieb er: «Big Tech tut alles in seiner relativ großen Macht, um in Anbetracht der Wahlen 2020 Informationen zu zensieren. Falls es tatsächlich dazu kommt, haben wir unsere Freiheit verloren. Das lasse ich niemals zu. Sie haben es im Jahr 2016 schon probiert und verloren. Jetzt drehen sie völlig durch.»

Nur wenige Stunden zuvor hatte der Präsident getwittert: «Republikaner haben das Gefühl, dass Social-Media-Plattformen die konservativen Stimmen völlig unterdrücken. Daher müssen wir sie stark regulieren oder schließen, weil wir das nicht zulassen können.» Es blieb offen, auf welcher rechtlichen Grundlage Trump entsprechende Onlinedienste regulieren könnte. Ebenfalls ist unklar, welche Form diese Sanktionen genau annehmen sollen.

Zuckerberg schaltet sich ein

Zu Trumps Drohung gegen die sozialen Medien hat sich nun auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg geäußert. Einer Überprüfung mit Zensur zu begegnen, sei keine «angemessene Reaktion» für eine Regierung, sagte er in einem Interview mit dem Sender Fox News. «Ich muss erst noch verstehen, was die Regierung wirklich vorhat. Aber im Allgemeinen scheint mir die Entscheidung einer Regierung, eine Plattform zu zensieren, weil sie sich Sorgen um Zensur macht, nicht der richtige Weg.»

Zuckerberg überrascht aber vor allem mit seiner direkten Kritik an Twitter und dessen Fakten-Checking: Facebook habe eine andere Politik als der Kurznachrichtendienst, und er glaube fest daran, dass «Facebook nicht der Schiedsrichter über die Wahrheit dessen sein sollte, was die Leute online alles sagen». Private Firmen sollten das erst recht nicht sein, und vor allem nicht die Social-Media-Plattformen.

Bei Twitter-Nutzern kam diese Aussage nicht gut an. Es dauerte nicht lange, bis auf der Plattform der Hashtag #DeleteFacebook zu trenden begann.

Kein «Schiedsrichter über die Wahrheit»

Auch Twitter-Chef Jack Dorsey meldete sich am Abend zu Wort – und antwortete Zuckerberg indirekt: «Zum Faktencheck: Es gibt jemanden, der für die Entscheidungen der Firma am Schluss geradestehen muss, und das bin ich. (…) Wir werden weiterhin auf falsche oder irreführende Inhalte zu den Wahlen aufmerksam machen. Und wir geben zu, wenn wir Fehler machen, und stehen dazu.» Das mache Twitter aber nicht zu einem «Schiedsrichter über die Wahrheit». Vielmehr gehe es beim Faktencheck darum, widersprüchliche Äußerungen hervorzuheben .

Laut Dorsey implizierte Trumps Tweet nämlich, dass sich die Bevölkerung für eine allfällige Briefwahl nicht registrieren lassen müsste. Dies stimme aber nicht, und es sei äußerst wichtig, dass die Menschen dies verstünden. Dies sei der Grund, wieso der Tweet des Präsidenten als unsicher gekennzeichnet wurde.

Der Hintergrund

Der Streit zwischen dem US-Präsidenten und dem Kurznachrichtendienst hatte sich am Dienstag entfacht: Twitter unterzog erstmals zwei von Trumps Beiträgen zum Thema Briefwahl einem Faktencheck und versah sie mit Warnhinweisen wegen Irreführung. Mit einem blauen Ausrufezeichen gekennzeichnet, forderte ein Link die Leser auf, sich Fakten über die Briefwahl zu verschaffen (L'essentiel berichtete). Folgte man diesem Link, landete man auf einer Website, die die Aussagen des Präsidenten als «fälschlich» und «unbegründet» bezeichnete.

Twitter ist eines der wichtigsten Sprachrohre Trumps. Mehr als 80 Millionen Nutzer folgen ihm auf seinem Kanal, den er praktisch täglich mit mehreren Beiträgen füttert. Es ist das erste Mal, das Twitter Beiträge des US-Präsidenten mit einem sogenannten «Faktencheck» kennzeichnet. Dies ist ein Resultat der Bemühungen des Unternehmens, die Moderation von Inhalten nach und nach zu verschärfen und stärker gegen Missinformation und Fake News auf der Plattform vorzugehen. In der Vergangenheit hat sich Twitter aber eher zurückhaltend gezeigt, wenn es um die Moderation von Tweets von Politikern ging.

(L'essentiel/Ann Guenter/Dominique Zeier)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mark Geldberg am 29.05.2020 07:13 Report Diesen Beitrag melden

    "Also waat Twitter do mescht geet absolut net, mir bei Facebook haalen eis do komplett eraus, kommt erem zreck bei eis. Ween brauch Twitter wann een Facebook kann hun?" :P

  • kaa am 28.05.2020 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yes. Trollen weider Diiren ophaalen.. MZ wees wéi sech Suen verdingen loossen, egal wéi..

  • Jean Muller am 29.05.2020 01:57 Report Diesen Beitrag melden

    Yoel Roth von Twitter hatte nochmal in reiner Gossensprache nachgelegt. Trump hat ihm - und den anderen Sozialen Medien - gerade eine neue Verordnung vor den Bug geknallt welche den Firmen wohl kaum gefallen wird. Man kann es halt auch zuweit treiben, und wenn man dann an den Richtige gerät gibt's eben Folgen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mark Geldberg am 29.05.2020 07:13 Report Diesen Beitrag melden

    "Also waat Twitter do mescht geet absolut net, mir bei Facebook haalen eis do komplett eraus, kommt erem zreck bei eis. Ween brauch Twitter wann een Facebook kann hun?" :P

  • Jean Muller am 29.05.2020 01:57 Report Diesen Beitrag melden

    Yoel Roth von Twitter hatte nochmal in reiner Gossensprache nachgelegt. Trump hat ihm - und den anderen Sozialen Medien - gerade eine neue Verordnung vor den Bug geknallt welche den Firmen wohl kaum gefallen wird. Man kann es halt auch zuweit treiben, und wenn man dann an den Richtige gerät gibt's eben Folgen.

  • kaa am 28.05.2020 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yes. Trollen weider Diiren ophaalen.. MZ wees wéi sech Suen verdingen loossen, egal wéi..

  • Günther am 28.05.2020 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ee Grond mei op Féissbuk ze verzichten.