Asiens gefährlichstes Ziel

11. Januar 2021 10:10; Akt: 11.01.2021 10:29 Print

104 Flugunfälle seit 1945 – warum immer Indonesien?

Am Samstag ist eine Passagierflugzeug kurz nach dem Start vom Radar verschwunden. Hinweise auf Überlebende gibt es nicht.

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Der Absturz eines Flugzeugs in Indonesien mit mehr als 60 Toten hat erneut ein Schlaglicht auf die Sicherheit in der Luftfahrtindustrie des Landes geworfen. Kurz nach dem Start am Samstag stürzte die Boeing 737-500 der Fluggesellschaft Sriwijaya Air in die Java-See. Ziel der Maschine war die 90 Flugminuten entfernte Hauptstadt der Provinz West-Kalimantan auf Borneo, Pontianak.

Die Bilanz Indonesiens mit Blick auf Unglücke in der Luftfahrt ist eine der schlechtesten in Asien, seit 1945 gab es mehr Unfälle in der zivilen Luftfahrt als in jedem anderen Land der Region. Unglücke wurden in der Vergangenheit etwa auf eine mangelhafte Pilotenausbildung, technische Fehler oder solche in der Luftraumüberwachung- und Verkehrssteuerung zurückgeführt – oder auch auf schlechte Wartung von Flotten.

Zwar sprechen Experten von vielen Verbesserungen in den vergangenen Jahren, aber angesichts des jüngsten Absturzes drängt sich die Frage auf, wie es tatsächlich um die Fortschritte des Landes in dem Bereich bestellt ist.

Wieso ist Indonesien anfällig für Flugzeugabstürze?

Hier kommen wirtschaftliche, soziale und geografische Ursachen zum Tragen. In den Anfangsjahren des indonesischen Luftfahrtbooms nach dem Rücktritt des diktatorisch regierenden Präsidenten Suharto öffnete sich die Wirtschaft des Landes – die Industrie entwickelte sich weitgehend frei von Regulation und Aufsicht. Billiganbieter überfluteten den Markt. Damit wurde das Reisen auf dem Luftweg in dem Inselstaat erschwinglich, dem es noch immer in einigen Regionen an effizienter und sicherer Verkehrsinfrastruktur mangelt.

Daten des Aviation Safety Network zufolge, das Zwischenfälle in der Luftfahrt in einer Datenbank listet, gab es seit 1945 insgesamt 104 Unfälle mit zivilen Flugzeugen und mehr als 1300 Tote, was zur Einstufung als gefährlichstes Flugziel in Asien führte. Die USA erlaubten zwischen 2007 und 2016 keine indonesischen Fluglinien im Inland und verwiesen auf eklatante Mängel, ein ähnliches Verbot gab es jahrelang auch in der EU.

Hat sich die Flugsicherheit verbessert?

Fortschritte gab es definitiv. Die Auseinandersetzung mit der Industrie habe signifikant zugenommen, Kontrolle und Aufsicht seien verstärkt worden, sagte der Luftfahrtexperte Geoffrey Thomas, Chefredakteur der Seite AirlineRatings.com, der Nachrichtenagentur AP. Es gibt häufigere Inspektionen, Wartungsstätten werden stärker reguliert, das Pilotentraining wurde nach Angaben von Thomas ebenfalls verbessert. Die Bundesluftfahrtbehörde der USA hat Indonesien 2016 attestiert, die Sicherheitsstandards der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation zu erfüllen.

Wie kam es zum jüngsten Absturz?

Für eine umfassende Bewertung ist es noch zu früh. Experten halten eine Reihe von Ursachen für möglich: menschliche Fehler, den Zustand des 26 Jahre alten Flugzeugs, schlechte Wetterverhältnisse in der Hauptstadt Jakarta, von wo die Boeing gestartet war. Der Tracking-Dienst Flightradar 24 teilte auf Twitter mit, Flug SJ182 habe vier Minuten nach dem Start mehr als 3000 Meter Höhe in weniger als einer Minute verloren.

Fischer in der Nähe des Absturzorts sagten, sie hätten eine Explosion gehört und danach Wrackteile und Öl im Wasser gesehen. Weil heftige Regenfälle die Sicht erschwerten, fielen die Zeugenaussagen nicht umfangreicher aus. Die Fluggesellschaft hat keine lange Historie größerer Katastrophen. Jedoch starb 2008 ein Bauer, als ein Flugzeug von der Startbahn abkam.

Nach Angaben der Airline war das Flugzeug, das zuvor im Dienste amerikanischer Luftfahrtunternehmen stand, verkehrstauglich. Es hatte am Tag des Verschwindens demnach schon einen Flug absolviert. Ob der Flieger tatsächlich keine Mängel aufwies, ist Teil einer laufenden Untersuchung.

(L'essentiel/DPA)

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