22-Jähriger stirbt

09. September 2018 17:51; Akt: 10.09.2018 08:09 Print

«Nationalsozialismus jetzt!»-​​Rufe bei Demo

In der Nacht ist in Sachsen-Anhalt ein 22-jähriger Deutscher nach einem Streit mit zwei Afghanen verstorben. 2500 Menschen gingen daraufhin bei einem Trauermarsch auf die Straße.

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Der in Köthen in Sachsen-Anhalt ums Leben gekommene 22-Jährige ist den Ermittlern zufolge an akutem Herzversagen gestorben. Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis stehe dieses Herzversagen nicht im direkten Zusammenhang mit den erlittenen Verletzungen des jungen Mannes, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Dessau-Rosslau am Sonntagabend mit. Zwei Afghanen wurden vorläufig festgenommen. Am Abend folgten nach Polizeiangaben rund 2500 Menschen einem Aufruf rechter Gruppen zu einem sogenannten Trauermarsch durch Köthen, es gab auch eine Gegenkundgebung.

Ein Journalist der französischen Zeitung Le Monde war auf der Demo in Köthen präsent. Auf Twitter veröffentlichte er ein Video, in dem Demo-Teilnehmer «Nationalsozialismus jetzt jetzt jetzt!» rufen. Ein Anhänger des Pegida-Ablegers Thügida skandierte laut Angaben von zeit.de am Tatort «Auge um Auge, Zahn um Zahn» und wetterte gegen die «asoziale, antideutsche Schweinepresse». Journalisten seien weggeschubst worden.

Der 22-jährige Deutsche war in der Nacht zum Sonntag in Köthen gestorben. Zwei 18 und 20 Jahre alte Afghanen wurden vorläufig festgenommen. Gegen den 18-Jährigen werde wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt, gegen den 20-jährigen Tatverdächtigen wegen des Anfangsverdachts der Körperverletzung mit Todesfolge, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Das zuständige Amtsgericht erließ gegen die beiden Haftbefehle - sie kamen in Untersuchungshaft.

Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Afghanen

Über die Umstände des Todesfalls gaben die Ermittlungsbehörden zunächst weiter keine Auskunft. Es werde «in alle Richtungen» ermittelt, hieß es lediglich. Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding und Innenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) kündigten für Montag eine Pressekonferenz an.

Nach Informationen der Zeitung Die Welt» soll dem Tod des Mannes eine Auseinandersetzung zwischen den Afghanen und zwei Deutschen vorausgegangen sein. In deren Folge sei einer der beiden beteiligten Deutschen gestorben.

Während rechte Gruppen zu Kundgebungen und antirassistische Initiativen zu Gegenprotesten aufriefen, mahnten Politiker und Kirchenvertreter zur Besonnenheit. Justizministerin Stahlknecht erklärte, er bedauere den Todesfall zutiefst und habe «vollstes Verständnis für die Betroffenheit unserer Bürgerinnen und Bürger». «Dennoch bitte ich um Besonnenheit», erklärte Stahlknecht und kündigte an, man werde «alle Mittel des Staates konsequent einsetzen».

Mahnung zur Besonnenheit

Der Köthener Oberbürgermeister Bernd Hauschild (SPD) hatte den Bürgern der Stadt auf Facebook von einer Teilnahme am dem sogenannten Trauermarsch abgeraten, da auch gewaltbereite Gruppen von außerhalb der Stadt «in großer Zahl anreisen» wollten.

Auch der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Joachim Liebig, mahnte zur Besonnenheit. «Jede politische Instrumentalisierung ist abzulehnen und würde zu einer Eskalation führen, die schreckliche Folgen haben könnte», erklärte Liebig auch mit Blick auf die Vorfälle in Chemnitz in den vergangenen Tagen.

Lage vorerst friedlich

An dem von der Partei «Die Rechte» angemeldeten «Trauermarsch» am Sonntagabend beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 2500 Menschen. Dagegen protestierten demnach rund 200 Teilnehmer einer von der Linkenabgeordneten Henriette Quade angemeldeten Kundgebung, zu der auch Initiativen wie Dessau nazifrei aufgerufen hatten. Nach den Ereignissen in Chemnitz dürfe es nun in Köthen nicht wieder zum gewalttätigen Aufmärschen rechter Gruppierungen kommen, hieß es. Bis zum Abend blieb die Lage nach Polizeiangaben friedlich.

Im sächsischen Chemnitz war es nach dem Tötungsdelikt an einem 35-Jährigen, das zwei jungen Männern aus Syrien und dem Irak angelastet wird, zu Demonstrationen unter anderem von rechten Gruppierungen gekommen, die teilweise auch in Gewalttätigkeiten mündeten.

(L'essentiel/fur/sda)

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  • Wat soll dat? am 10.09.2018 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen was protestierten eigentlich die Linken? Könnte man das auch erfahren?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wat soll dat? am 10.09.2018 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen was protestierten eigentlich die Linken? Könnte man das auch erfahren?