Pneu um den Hals

14. Juli 2019 20:27; Akt: 14.07.2019 20:32 Print

3 verzweifelte Versuche, um Seelöwe zu befreien

In Argentinien entdecken Tierschützer einen Seelöwen, der einen Reifen um seinen Hals trägt. Die dramatische Befreiungsaktion dauerte mehrere Tage.

Ein Seelöwe verfing sich in einem Pneu. Die Retter starteten mehrere Versuche, um dem Tier zu helfen. (Video: 20 Minuten mit Material von Fundación Fauna Argentina)

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Das Bild eines sonnenden Seelöwen an einem Strand in Mar del Plata, einem Küstenort 400 Kilometer südlich der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, sorgt für Betroffenheit – denn das Tier trägt einen Autoreifen um den Hals. Mitarbeiter der Tierschutzorganisation Fundación Fauna Argentina (FFA) entdeckten den Seelöwen vergangenen Samstag in einem Naturschutzgebiet in der Nähe des Hafens.

Tagelang versuchten die Tierschützer sich dem Seelöwen in der Kolonie zu nähern. Verletzt war er nicht, stellten sie fest. Nun mussten sie aber ein passendes Werkzeug entwickeln, um den Reifen über den Kopf des Tieres herausziehen zu können.

«Wir ließen zwei Haken herstellen, mit denen wir den Pneu befestigen konnten», erzählt Juan Lorenzani, Geschäftsleiter von FFA, 20 Minuten. Am Mittwoch war es dann so weit: Der Seelöwe sonnte sich erneut entspannt am Strand, da hängte der Retter den Haken erstmals am Reifen ein – und begann daran zu ziehen.

Der Seelöwe kämpfte aus Angst dagegen

Doch das Tier wehrte sich, wie im Video oben zu sehen ist. Der Seelöwe zog so fest an den Haken, dass dieser dem Retter aus der Hand rutschte. Die Aktion endete in einem Fiasko, weil das Tier am Schluss mit Reifen und Haken ins Meer flüchtete.

Die Tierschützer hatten aber Glück: Gleich am nächsten Tag lag der Seelöwe wieder an der Küste. Diesmal waren die Retter besser vorbereitet. Der Haken wurde zusätzlich mit einem Strick befestigt, drei Männer sollten daran ziehen. Und es funktionierte: Nach einigen Minuten glitt der Reifen über den Kopf des Tieres. Die Tierschützer klatschten.

Warum wurde das Tier nicht betäubt?

Wie lange der Seelöwe den Reifen mit sich herumtrug, kann Lorenzani nicht sagen, «aber es kann gar nicht lange her gewesen sein, denn wir kontrollieren die Tiere täglich, also hätten wir das sofort erkannt.» Er vermutet, dass es ein oder zwei Tage vorher passiert sein muss. «Vielleicht sogar nur einige Stunden bevor wir das Tier zum ersten Mal so sahen.»

Auf Social Media kritisieren einige Nutzer, die Rettung sei «etwas brutal» verlaufen. Anders hätte man sie aber nicht durchführen können, stellt Lorenzani klar. «Wir haben uns überlegt, das Tier zu betäuben, aber das wäre wirklich die allerletzte Option gewesen. Nicht nur, weil die Betäubung gewisse Risiken mit sich bringt, sondern, weil es auch hätte sein können, dass der Seelöwe betäubt ins Meer flüchtet. Mit dem zusätzlichen Gewicht, wäre er vielleicht sogar ertrunken.»

40 verfangene Tiere pro Jahr – allein an diesem Strand

Wie Juan Lorenzani erzählt, sei es das erste Mal, dass er einen Seelöwen mit einem Pneu um den Hals sieht. «Ich arbeite seit 1982 bei der Organisation. In all diesen Jahren habe ich zahlreiche Tiere gefunden, die entweder Fischernetze, Kabelbinder oder Kunststoffschnur um ihre Körper hatten. Pro Jahr haben wir es mit rund 40 solchen Fällen zu tun.»

Das traurigste Erlebnis habe er jedoch vor vier Jahren gemacht. Am Strand sei ein Seelöwe aufgetaucht, der sich in einem ganzen Trammelnetz verfangen hatte. «Er schleppte 80 Kilo Gewicht mit sich herum», erinnert sich Lorenzani.

Die Situation sei alarmierend, sagt der Tierschützer zum Schluss. Über eine Tonne Abfall würden die Helfer pro Monat im Naturschutzgebiet einsammeln. «An dieser Stelle müssten die Behörden dringend etwas unternehmen. Aber sie schauen lieber weg. Manchmal fühle ich mich total allein gelassen.»

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schlechtes Beispiel am 15.07.2019 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Tagelang ? Tierschützer? Eher unfähig. Betäuben, Reifen abziehen, beobachten, fertig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schlechtes Beispiel am 15.07.2019 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Tagelang ? Tierschützer? Eher unfähig. Betäuben, Reifen abziehen, beobachten, fertig.

    • Knouter am 15.07.2019 10:27 Report Diesen Beitrag melden

      Nochmals lesen? Die Betäubung greift nicht sofort, das Tier hätte ins Meer flüchten können und dort durch die Betäubung sterben. Die Leute wissen wie sie mit den Tieren umgehen müssen

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